Rassismusdebatte Schweiz : Apfelschnitz für Sohn, Handschellen für Vater

Zürich bleibt mit offenkundig rassistischen Vorfällen in den Schlagzeilen. Nach dem "Täschligate" um Oprah Winfrey gibt es jetzt einen "Fall Apfelschnitz".

Es sollte eine entspannte Fahrt auf der Limmat durch Zürich werden, doch am Ende fand sich ein seit zehn Jahren in der Schweizer Metropole lebender Kurde mit Handschellen an ein Geländer gekettet. Der Ausgangspunkt: Trotz eines Essensverbots hatte er seinem dreijährigen Sohn einen Apfelschnitz zu essen gegeben. Mehrere Schweizer Zeitungen haben über den Fall berichtet, der sich vor zehn Tagen ereignete und eine hitzige Debatte ausgelöst hat.

Den Medienberichten zufolge gab der Vater seinem Sohn einen zu Hause vorbereiteten Apfelschnitz, als die Kontrolleurin eintraf. Die Frau habe ihm mitgeteilt: "Hier ist Essen verboten." Je nach Quelle wird die Geschichte von nun an etwas unterschiedlich erzählt. Laut Conny Hürlimann, Sprecherin der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG), ist auf den Limmatbooten Essen verboten, um die Verunreinigung der Polster zu vermeiden. Der Junge habe zwar mit Essen aufgehört, kletterte aber auf den Sitz, um aus dem Fenster zu schauen. "Er trug trockene Straßenschuhe", sagt der Vater dem Tagesanzeiger.

"Sie müssen als Ausländer anständig sein"

Laut dem Vater hat die Kontrolleurin darauf gesagt: "Sie müssen als Ausländer anständig sein." Der Mann antwortete: "Ich bin hier nicht Ausländer, sondern ein normaler Passagier." Zudem soll er ihr gesagt haben: "Sie sind psychisch gestört." Sprecherin Hürlimann sagte laut Zeitung: "Rassistische Äußerungen wurden von der Kontrolleurin nicht gemacht."

Während das Boot beim Landesmuseum wartete und weitere Passagiere zustiegen, spitzte sich die Situation den Berichten zufolge zu. Die Bootsführerin habe den Mann mehrfach aufgefordert, das Schiff zu verlassen. Doch der Vater habe sich geweigert, von Bord zu gehen. Frauen hätten ihm nichts zu befehlen, sagte er laut ZSG. Durch sein Auftreten hätten sich die beiden Frauen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt. Die Kapitänin rief die Wasserschutzpolizei, die zehn Minuten später per Boot eintraf.

Stadtpolizeisprecher Adrian Feubli bestätigte, eine Polizistin und ein Polizist hätten den Mann mehrfach aufgefordert, das Schiff zu verlassen, um die Situation an Land zu klären. Doch der Vater habe sich lautstark gewehrt, obschon die Polizei ihm erklärt habe, er mache sich strafbar, wenn er einer polizeilichen Anordnung nicht nachkomme. Darauf hätten ihn die Polizisten in Handschellen von Bord geführt, an Land an ein Geländer angekettet und später wieder freigelassen. In einer Mail an den Tagesanzeiger schrieb er: "Ich zitterte vor Wut, mein Sohn war bleich und verstummt."

Keine Entschuldigung

Laut Neue Zürcher Zeitung (NZZ) suchte der Mann nach dem Vorfall den Kontakt zu ZSG-Direktor Hans Dietrich. Am vergangenen Freitag sei ein Telefonat zustande gekommen. Sprecherin Hürlimann sagte den Angaben zufolge, es sei ein konstruktives Gespräch gewesen, in dem jeder der beiden seine Sicht der Dinge darlegen konnte. Der Betroffene hingegen sagte, der Direktor habe lediglich betont, er vertraue seinen Mitarbeitern. Und er habe diese verteidigt. Auf ihn habe das nicht wie ein Dialog gewirkt. Eine Entschuldigung sei nicht gefallen, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Mann hat ein Schreiben, das der NZZ vorliegt, an den Polizeivorsteher Richard Wolff geschickt. Dessen Departementssekretär teilte ihm mit, man werde auf seine Beschwerde antworten. Weiter hat er die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus angeschrieben. Seit dem Vorfall wache sein Sohn dreimal pro Nacht auf. Er frage dann, ob die Polizei komme, und fürchte, dass der Vater weggehe und nicht mehr zurückkehre. Der Vater sucht nun mit dem Sohn den Hausarzt auf.

Konsequenzen will die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft nicht ziehen, wie die NZZ schreibt. Die ZSG habe den Fall intern geprüft und werde ihn momentan nicht weiterverfolgen, erklärte demnach Unternehmenssprecherin Hürlimann. Auch das Essensverbot wolle die ZSG nicht überdenken.

Winfreys Erfahrung in einer Boutique

Kürzlich hatte bereits ein von der afroamerikanischen Moderatorin Oprah Winfrey veröffentlichtes Erlebnis unter dem Stichwort "Täschligate" Diskussionen über Rassismus in der Schweiz ausgelöst. Winfrey hatte in zwei TV-Interviews geschildert, dass sie in einer Edelboutique in Zürich nicht nach Wunsch bedient worden sei. In dem Geschäft habe sie eine Handtasche ansehen wollen, doch die Verkäuferin habe sich geweigert, diese aus dem Regal zu holen. 

Die Boutique selbst bezeichnete den Vorfall als ein sprachliches Missverständnis, mit Rassismus habe das nichts zu tun. Winfrey sagte dem Sender CNN später, die Sache sei aufgeblasen worden. Zugleich wies sie Forderungen zurück, nach denen sich die Schweiz als Land bei ihr entschuldigen solle.

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Kommentare

179 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Die Rechten sehen nie Rassismus ;-)

Es ist nun mal obsolet mit einem Rechten/Nazi über Rassismus zu sprechen, weil diese Menschen vor lauter Paranoia nicht mehr klar denken können.

In der Schweiz dürfen in BremgartenAsylanten nicht mit den Schweizern in ein Schwimmbad, noch dürfen Asylanten auf öffentliche Plätze, eine schwarze US Moderatorin wird abschätzig behandelt, die Religionsfreiheit wird beschnitten und es werden Anti-Islam Abstimmung durchgeführt - das Geld allerdings von den Scheichs und den Diktatoren nehmen die Schweizer gerne, es wird auch Anti-Deutsche-Hetze betrieben und man will die Einwanderung aus Deutschland unterbinden.

Natalie Rickli, Schweizer Nationalrätin hetzte unlängst gegen deutsche Gastarbeiter! Im TV sagte diese Dame :

„Seien wir mal ehrlich: Die Leute regen sich halt auf, weil so viele Deutsche im Land sind“, platzt es aus ihr heraus. Die Deutschen erzeugten einen „Riesendruck auf den Schweizer Arbeitsmarkt, auf die öffentliche Infrastruktur, Straßen und Schulen. Das ist ein ganz großes Problem.“

Auf Nachfrage des Moderators fügt die Dame noch an:

„Mir sind wirklich zu viele Deutsche im Land, die Schweizer von ihren Arbeitsplätzen verdrängen!“

Die Schweizer sollte man vielleicht mal sanktionieren und sie für ihren weltweiten Steuerbetrug an etlichen Staaten und Völkern bestrafen.

Deutsche sind in der Schweiz mittlerweile ungern gesehene Gastarbeiter die man am liebsten loswerden will!

„Er verstieß gegen Beförderungsregeln“

„Der Mann ist von Angestellten der Schifffahrtsgesellschaft ermahnt worden, sich an die Beförderungsregeln zu halten, er verstieß gegen diese“

Soweit bekannt ist, bestand der ganze Verstoß darin, dass er seinem Kleinkind ein mundgerechtes Stück Apfel gegeben hat (das mag gegen die Buchstaben der Beförderungsregeln verstoßen haben, aber wohl kaum gegen deren Geist), sowie dass das Kind auf den Sitz geklettert ist. Wer noch nie mit Dreijährigen unterwegs war, mag glauben, so etwas lasse sich immer verhindern... (Vielleicht ist noch mehr vorgefallen, aber falls dem so gewesen wäre, hätte die Betreibergesellschaft damit wohl kaum hinterm Berg gehalten.) Beides sind Verstöße, die einen Verweis unverhältnismäßig erscheinen lassen, vom anschließenden Vorgehen der Polizei ganz zu schweigen.

„und gab noch archaische Weltanschauungen zum Besten ("Frauen haben mir nichts zu sagen").“

Woher wissen Sie das denn, waren Sie etwa dabei?
Das sagte er nur laut Aussage der ZSG, die in der Auseinandersetzung Partei ist. Ich halte es jedenfalls für weitaus wahrscheinlicher, dass die Kontrolleurin dies nur behauptet (denn dunkelhäutige Ausländer reden ja schließlich immer so...), als dass es sich tatsächlich so ereignet hat. Und selbst wenn solche Worte gefallen sein sollten, als die Situation schon eskaliert war, ändert das nichts daran, dass der Auslöser eine Nichtigkeit war.

„Das eine ist wahr, das andere glaube ich nicht“ -doch,das geht.

„Also sollten Sie sich entscheiden, ob der gesamt Sachverhalt zunächst als Mutmaßung zu werten ist oder ob alles der Wahrheit entspricht, die man für bare Münze nimmt und zu der man Stellung bezieht. Zu sagen: "Das eine ist wahr, das andere glaube ich aber nicht" klingt irgendwie lächerlich, wenn man kein Augenzeuge ist.“

Ich bin durchaus in der Lage, eine aus der Wiedergabe von Aussagen mehrerer Personen zusammengesetzte Sachverhaltsschilderung so zu beurteilen, dass ich die einzelnen Aussagen nach Plausibilität gewichte. Dass ich nicht Augenzeuge eines Vorgangs war, bedeutet nicht, dass ich alle Aussagen von Beteiligten für gleichermaßen glaubwürdig oder unglaubwürdig halten muss.

Servicegewerbe?

Erstens: Meines Wissens sind Kontrolleure keine Serviceangestellten, sondern eben Kontrolleure. Das heisst ihr Job ist, auf die Regeln hinzuweisen, die Einhaltung dieser Regeln einzufordern und im äussersten Fall die Einhaltung dieser Regeln zu sanktionieren.

Zweitens: Apropos [Sondergruppe]: Gerade von diesen muss eine Kontrolleur, aber zum Beispiel auch ein Museumswärter, etc. in der Regel besondere Sorgfalt einfordern, weil [Angehörige einer Sondergruppe] oft nicht mit den Regeln vertraut sind und zudem oft das Gefühl haben, Regeln würden nur für Einheimische gelten. Das gilt unabhängig von der Herkunft, und auch für Schweizer:
http://www.nzz.ch/aktuell...
Wenn also eine Kontrolleurin einer Touristenrundfahrt jemanden darauf hinweist, dass die Regeln auch für "sie als [Angehöriger einer Sondergruppe]" gelten würden, dann ist das keine Aussage aus Rassismus, sondern eine aus Erfahrung.
Im Übrigen: Hätte diese Frau dieselbe Aussage gegenüber z. B. einem Russen oder einem weissen Amerikaner gemacht, würde keiner "Rassismus!" schreien. Aber weil eben hintenrum der Verdacht mitschwingt, die Kontrolleurin könnte ihrer Aussage aufgrund der Pigmentierung der Haut gemacht haben, schreien alle "Rassismus!".

Service!

Die Kontrolleure der ZSG sind ebenfalls sehr wohl Dienstleister. Sie stellen nichts her, sie produzieren keine Rohstoffe, sie leisten einen Dienst am Kunden für die Firma. Es liegt übrigens nahe, dass die Kontrolleure dort ebenso wie deutsche Zugbegleiter eine beratende Funktion haben. Die ZSG verlangt selbst von Matrosen 'Talent im Umgang mit Kunden'.

Die Kontrolleure haben natürlich keine Möglichkeit der Sanktionierung, sie sind keine Staatsbeamte (wenn sie das wären, wäre eine Dienstaufsichtsbeschwerde angebracht). Sie können im Namen der Firma ein Hausverbot aussprechen, das aber dürfen sie natürlich nicht einmal durchsetzen sondern müssen - wie geschehen - auf die Polizei zurückgreifen. Das wäre in Deutschland ähnlich.

Einige Facetten dieser seitens der Kontrolleurin sehr unfähig ausgelösten und von allen Seiten unglücklich weitergeführten Geschichte werden hier weiter beleuchtet: http://www.tagesanzeiger....

"Mehr Kontrolle von Sondergruppen aus Erfahrung"

Vielleicht machst du dich am besten mal mit der jüngsten Rechtssprechung zum Thema der rassischen Profilierung vertraut: http://www.anwaltskanzlei...

Wenn als Anlass für eine Kontrolle (oder in diesem Fall erneute Zurechtweisung) nur die Herkunft gesehen wird dann erfüllt das eben alle Voraussetzungen des Rassismus.

Anekdotisch kann ich dir bestätigen, dass Amerikaner auf alleinige Ansprache im Rahmen von Kontrollen sehr wohl auch aufgebracht reagieren. Mir kommt es nur eigenartig vor, dass sich viele Kommentatoren hier angeblich ohne Probleme ausgesondert ansprechen lassen wollten. Du als Pedant solltest diese Irritation doch besonders nachvollziehen können. (Parallelen beabsichtigt.)

Pedanterien

Netter Link, nur leider: Deutsche Rechtssprechung. Soweit mit bekannt ist, liegt weder Zürich in Deutschland noch ist die Schweiz ein deutsches Bundesland.
Nebenbei: Dieses Urteil spricht über Hautfarbe als Grund der Kontrolle. Im Zürcher Fall ist aber der Grund für die Zurechtweisung das Fehlverhalten des Kindes, nicht die Hautfarbe. Eine Zurechtweisung, die jedem anderen in der selben Situation auch erteilt worden wäre. Der einzige Grund, warum Leute wie du darum überhaupt einen Hexentanz auführen, ist doch der, dass die Kontrolleurin im Eifer des Gefechts sagte "Die Regeln gelten auch für sie als Ausländer" anstatt nur "Die Regeln gelten auch für sie".

Was den Amerikaner betrifft, hast du meinen Punkt nicht verstanden: Dieselbe Situation mit demselben Ablauf könnte auf demselben Boot mit derselben Kontrolleurin einem Amerikaner mit Sohn (erkennbar als solcher zum Beispiel an der Sprache, etc.) passiert sein - und kein einziger Mensch, noch nicht einmal du, würde behaupten, dass ein Fall von Rassismus vorliege. Aber sobald jemand davon betroffen ist, dessen Hautfarbe nicht weiss ist, soll derselbe Vorfall plötzlich rassistisch sein? Du hast mich einen Pedanten genannt, aber eigentlich bist doch du der Pedant, wenn für dich eine Äusserung, die du jemandem mit heller Hautfarbe gegenüber nicht als rassistisch empfindest, dann plötzlich als rassistisch empfindest, wenn die Hautfarbe eine andere ist

Neueste Ausrede: Eifer des Gefechtes

Ah, man darf also im Eifer des Gefechtes rassistisch segregieren und schikanieren. Prima, dann sind ja 'Leute wie ich' sofort beruhigt, weil sich diese Ausrede auch gar nicht auf andere Beispiele übertragen lässt. Im Eifer des Gefechtes darf mich dann auch ein Polizist mal Arschloch heißen ... lassen wir doch mal fünfe grade sein? Sarkasmus ist hier übrigens gratis.

Ich habe deinen Punkt absolut richtig verstanden und du meine Entgegnung nicht: zur Klarstellung - mir bekannte Amerikaner können sich hervorragend über Herausstellen wegen ihrer Farbe/Nationalität/Gangart/Behinderung/Geschlechtes ärgern. Ich habe auch mehr als einmal eingeworfen, dass jeder von euch und uns an der Stelle des Kunden in der Geschichte ähnlich emotional reagiert und vom Kontrolleur mehr Professionalität verlangt hätte. Rassismus ist nicht an Hautfarben gebunden, wenn dir das bisher vorschwebte. Versuch doch einfach mal, was anderes unterzuschieben.

Schön übrigens, dass dir als entlastendes Argument einfällt, dass die Schweiz ein eigenes Land ist. Menschenrechte kann man natürlich je nach Land interpretieren ... muss man aber nicht. Nur weil es in der Schweiz bisher kein so eindeutiges Urteil gibt, gibt das Schweizer Angestellten und Beamten nicht so viel mehr Spielraum wie du gerade einräumst.

Moment

Du glaubst also tatsächlich, dass wenn dieselbe Geschichte einem Iren, einem Russen oder einem weissen Amerikaner passiert wäre, die die Zeit und andere Presseinstitutionen gross von einem Fall von Rassismus titeln würden? Findest du deine Haltung wirklich realistisch? Das würde allenfalls eine Fussnotenmeldung über die Verhaftung eines Iren/Russen/weissen Amerikaners/wem auch immer aufgrund eines hitzigen Disputs geben. Aber keine grossen Schlagzeilen über einen Fall von Rassismus.

Eifer des Gefechts ist keine Ausrede. Im Übrigen könnte ja auch der betroffene Herr dieses Argument für seine Reaktion ins Feld führen, zumindest für seiner Aussagen der Kontrolleurin gegenüber. An der Reaktion des Herrn störe ich mich ja auch nicht, da auch ich genug Leute kenne, die in Situationen, wo sie zurecht gewiesen werden die Kontrolle verlieren. Wenn es einer meiner Bekannten gewesen wäre (sei es jetzt Schweizer, jemand mit Migrationshintergrund oder Ausländer), hätte dieser auch die selben Konsequenzen zu tragen gehabt - wie ich selbst ja auch, wenn ich mich so verhalten würde.
Aber: Wenn mir das in irgendeinem Land passieren würde (genau der gleiche Ablauf, egal wo) und ich mich genau gleich wie der Herr verhalten würde, würde das niemand, nicht ich selbst, niemand sonst und vor allem nicht die Presse, als Rassismus bezeichnen. Als eine Frechheit seitens der Kontrolleurin? Ja, als eine Beleidigung? Ja, als Rassismus? Nein. Keiner.

Warum Schlagzeilen entstehen ...

... ist letztlich eine müßige Frage. Die Unterstellung, dass nur aus diesem oder jenem Grunde Schlagzeilen gebracht werden ist doch Abwiegeln: ja, es gibt immer Wichtigeres. Selbst wenn es wahr wäre, dass nur aus dem Grund des allzu auffälligen Hautfarbenrassismus dieser Artikel entstanden ist, schmälert das doch nicht die Verfehlung.

In diesem konkreten Fall wären Schlagzeilen sicher auch entstanden, wenn es bei einem Russen, Amerikaner oder Neuseeländer ähnlich _weit_ ausgeartet wäre (Handschellen). Der erste verbale Schlagabtausch selbst wird leider nur allzu häufig geschehen.

Auch ist es irrelevant, ob du persönlich es nicht als Rassimus empfindest, ausgesondert angesprochen zu werden. Wenn der Kunde in der Geschichte 'als Ausländer' oder ich 'als Deutscher' angesprochen werde, erfüllt das erstens ganz formal die Definition von Rassismus (der längst auch auf Nationalitäten und Volksgruppen bezogen gilt) und zweitens einfach vom Empfinden des Angesprochenen/Anwesenden abhängig: der Beleidigte definiert, ob er rassistisch beleidigt wurde, Gerichte können danach wieder Punkt eins prüfen (hier bestätigt sowohl deutsches als auch UN-Recht die formale Definition).

Klar hat der Kunde im 'Eifer des Gefechtes' _weiter_ eskaliert, war ein Arsch. Er hat aber nicht als Erster die entscheidende Grenze überschritten: bis zum 'Sie als Ausländer' war er nur widerspenstiger Kunde. Zudem ist er ein Kunde, von einer Servicekraft erwarte ich, erwarten wir mehr Fingerspitzengefühl.

Qualität der Verfehlung

Doch, denn es macht einen Unterschied in der Qualität der Verfehlung, ob sie als Ungehobeltes Verhalten oder als Rassismus tituliert wird. Du hast den Standpunkt, dass diese Verfehlung, welche Argumente ich auch vorbringen mag, rassistisch war. Würden wir irgendwo zufällig Leute befragen, würden wohl nicht wenige deine Meinung in Zweifel ziehen.

Nach Schweizer Rechtsprechung sind Bezüge auf die Nationalität alleine im übrigen nicht rassistisch. Dies werden sie erst, wenn die Nationalität deckungsgleich verstanden ist mit einer grob homogenen Vorstellung von Ethnie, Kultur, Sprache, etc. Nach Schweizer Rechtsprechung kann man also einen "Schweizer" nicht rassistisch beschimpfen, weil "Schweizer" nicht einmal ansatzweise homogen (geographisch zählt nicht) definiert werden kann, im Gegensatz zu ideel ethnisch definierter Nationalität wie "Franzose" . Sobald aber von "Deutschschweizer" oder "Romand" die Rede ist, siehts anders aus. "Ausländer" als solches können in diesem Sinn deshalb auch nicht rassistisch beschimpft werden; die bezeichnete Gruppe ist zu heterogen. Dieses Verständnis von Nation und Nationalismus basiert auf K. Popper und C. Geertz, während dein Verständnis von Nationalität modernistisch ( z. B. E. Hobsbawm) ist. Nur: Wer hat Recht?

Und darum macht die UN-Definition deinen Standpunkt nicht richtiger oder wahrer als die Schweizer Definition meinen:

http://upload.wikimedia.o...

Befragungen und enge Rechtsauslegungen

Jetzt sind wir aber weit weg gewandert: mittlerweile plänkeln wir nur noch über die Rechtmäßigkeit der Aufregung. Das wird zunehmend albern.

Über Nichtbeleidigung und Nichtrassismus kann man nicht demokratisch abstimmen, wenn sich die Betroffenen dadurch historisch belegbar diskriminiert fühlen (die Schokokuss, Paprikaschnitzel und 'Pippi Langstrumpf'-Debatte in Deutschland sind Beispiele für diesen Wunsch; siehe auch http://www.sprachlog.de/2...). Ob 'Ausländer' als Gruppe zu weit gegriffen ist, ist in der Hinsicht eine kleinkrämerische Frage, die an der Realität der Äußerung der Kontrolleurin vorbeigeht, denn in den letzten zehn Jahren ist 'Ausländer' in der Schweiz definitiv zu einem rassistisch motivierten Kampfbegriff geworden.

Dementsprechend ist das philosophisch, scheinjuristische (!) Argumentieren im Anschluss weit weg vom eigentlichen Thema: du versuchst nur noch den Eindruck zu erzeugen, der Vorwurf träfe nicht zu. Die lokale Schweizer Rechtsdefinition ist nicht mit Rechtsauslegung identisch, daher meine Beispiele zu deutscher Rechtsauslegung einige Kommentare davor). Die lokale Schweizer Rechtsauslegung wird sich in Zukunft der UN-Definition bedienen (müssen), da die Schweizer das Abkommen der UN ratifiziert haben.

Nein, kein ducken, weil er Ausländer ist,

sondern zusammenreißen, weil er Vater ist und wissen müsste, dass man seinem Kind Anstandsregeln beibringt. Man hüpft nicht mit Schuhen auf Polstern herum und patscht auch nicht mit den süßen Klebefingerchen an denselben herum - mitunter ein Grund für das Essensverbot überhaupt.

Gekürzt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ff