Simbabwe steht unter Schock, sagen die Einwohner des südafrikanischen Staates. Schon seit Monaten war absehbar, dass auch dieses Mal die Präsidentenwahl keine demokratische werden würde. Auf den Wählerlisten tauchten 138-Jährige auf, dafür kaum unter 25-Jährige, obwohl das Land gerade davon Hunderttausende hat, und während des Wahlprozesses wurde nach Angaben von Beobachtern eine Million Simbabwer von den Wahlbüros abgewiesen. Robert Mugabes kriegerische Wahlpropaganda hatte ahnen lassen, dass es dem 89-jährigen Präsidenten, der seit 33 Jahren regiert, nicht allein um seinen eigenen Sieg geht, sondern um eine vollständige Vernichtung der Opposition. 

Noch sind nicht alle Wahlkreise ausgezählt, doch angeblich 61 Prozent der Stimmen hat Mugabe auf sich vereinen können – an dem Ergebnis wird der Rest nichts mehr ändern. Für Morgan Tsvangirai, den bisherigen Premier und Vorsitzenden der Oppositionspartei MDC (Movement for Democratic Change) stimmten offiziell lediglich 34 Prozent. Chancenlos blieben alle anderen Bewerber.

Die Nivellierung der Opposition ist Mugabe nun gelungen. Von jetzt an und auf unbestimmte Zeit ist seine Zanu-PF (Zimbabwe African National Union) mit einem Allmachtsmandat ausgestattet. Denn auch wenn der neue Staatspräsident der alte ist, ist nach der Wahl nicht vor der Wahl. Vor der Wahl gab es die Hoffnung, die Opposition werde gewinnen und wirtschaftliche Stabilität sowie Demokratie nach Simbabwe bringen. Gab es Hoffnung für die Jugend des Landes, die fast ausnahmslos arbeitslos ist und für den langsam keimenden Mittelstand.

Mugabes Freunde: China, Nordkorea, Iran

Nach der Wahl hält Mugabes Partei eine Zweidrittelmehrheit im Parlament und damit alle Trümpfe in der Hand. Was das bedeutet, darüber reden Insider in Simbabwe im Augenblick und wohl auch zukünftig nur bei Zusicherung von Anonymität. Alle Macht liegt jetzt in einer Hand und wer will es sich mit dieser Macht schon verscherzen. Zunächst wird Mugabe wohl die gerade erst nach langem Ringen demokratisierte Verfassung ändern, die unter anderem eine Amtszeitbeschränkung des Präsidenten vorsieht. Weiterhin kann nun ungehindert die sogenannte Indigenisierung vorangetrieben werden, die Umverteilung der Mehrheitsanteile in Betrieben. Weiße Unternehmer müssen diese zugunsten von schwarzen Simbabwern abgeben und dürfen lediglich noch 49 Prozent besitzen.

Die Bereitschaft westlicher Unternehmer, unter diesen Umständen in Simbabwe zu investieren, wird gering sein, doch Mugabe hat längst andere Freunde gefunden: China, Nordkorea und der Iran, so sagen Experten, stünden bereits wartend an der Tür, die Hände voller Geschenke für Mugabe und seine Nomenklatura. Auch die bereits 2000 begonnene Fast-Track-Landreform, die Enteignung aller weißen Farmer, wird nun wohl durchgezogen, bis das letzte Stück Land seiner kolonialen Vergangenheit entrissen ist. "Die nächsten Jahre werden eine wirtschaftliche Katastrophe werden", sagt der Leiter einer westlichen Organisation in Simbabwe. "Wer kann, der sollte seine Sachen packen und woanders neu beginnen. Mit dieser Regierung wird es neue Hungersnöte und Choleraepidemien geben."