Die amerikanische Regierung ist "äußerst enttäuscht" über Russlands Entscheidung, dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Asyl zu gewähren. Snowden sei weder ein Whistleblower noch ein Dissident, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney.

Das sei keine positive Entwicklung für die Beziehung zwischen den USA und Russland, sagte Carney. Präsident Obama überprüfe, ob das geplante Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin im Herbst dieses Jahr weiterhin nützlich sei. Obama wollte eigentlich im September vor einem G-20-Gipfel in Moskau zu bilateralen Gesprächen mit Putin reisen.

Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow, spielte hingegen die Bedeutung Snowdens herunter. "Diese Situation ist eher unbedeutend und sollte die politischen Beziehungen zwischen Russland und den USA nicht beeinflussen", sagte Uschakow. Er sehe keinen Hinweis, dass der geplante Besuch Obamas abgesagt werden könnte.

Snowden in Russland

Russland hatte Snowden zuvor Asyl für ein Jahr gewährt. Der Geheimdienstanalyst war im Mai nach Hongkong geflogen, um geheime Dokumente zur Überwachung des Internet- und Telefonverkehrs durch die US-Geheimdienste an ausgewählte Medien zu übermitteln.

Am 23. Juni flog er dann weiter auf den Moskauer Flughafen Scheremetjewo, wo er jedoch nicht einreisen konnte, da die USA seine Reisedokumente für ungültig erklärten. Erst nach über einem Monat gaben die russischen Behörden seinem Asylantrag statt. Inzwischen hat Snowden den Flughafen verlassen.

Auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks, die Snowden bei seiner Flucht unterstützt, schrieb er: "In den vergangenen acht Wochen haben wir gesehen, dass die Obama-Regierung keinen Respekt zeigt vor internationalem oder nationalem Recht hat." Am Ende habe aber das Recht gesiegt, schrieb Snowden.