Ein Kämpfer der syrischen Rebellen (Archivbild) © Abdalghne Karoof/Reuters

Hat die syrische Regierung Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt? Derzeit kann die Frage nicht mit Sicherheit beantwortet werden, denn unabhängige Nachrichten gibt es kaum. UN-Chemiewaffenexperten sind zwar im Land, doch bisher konnten sie nicht die betroffenen Gebiete besuchen.    

Dennoch werfen bereits die britische und die französische Regierung dem Regime von Baschar al-Assad vor, für den Giftgasangriff vom Mittwoch verantwortlich zu sein. US-Präsident Barack Obama prüft mit seinen Sicherheitsberatern die Fakten. Sollte er zu dem Ergebnis kommen, dass tatsächlich die syrische Armee chemische Massenvernichtungswaffen eingesetzt hat, dann wäre ein Militärschlag sehr wahrscheinlich

Ärzte ohne Grenzen erhärten die Vermutung. Die Organisation berichtet, dass drei große Krankenhäuser im Raum Damaskus vergangenen Mittwoch innerhalb weniger Stunden etwa 3.600 Syrer mit "neurotoxischen Symptomen" behandeln mussten. 355 der eingelieferten Patienten seien an den Folgen gestorben. Die Hilfsorganisation beruft sich dabei auf Berichte der Kliniken, mit denen sie nach eigenen Angaben seit 2012 eng zusammenarbeitet. Nach Rebellenangaben waren bei dem Angriff zwischen 500 und 1.300 Menschen getötet worden.

Doch was für Quellen haben die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien in Syrien? Das Wall Street Journal berichtet, dass Geheimdienste der USA und ihrer Verbündeten im vergangenen halben Jahr Netzwerke von Informanten in dem Bürgerkriegsland aufgebaut hätten.   

Die Informanten befänden sich vor allem in den Stellungen der Rebellen, sie sammelten Gewebeproben, die dann zur Analyse außer Landes geschickt würden. Zudem würden sie Videos aufnehmen. Das Wall Street Journal beruft sich auf Quellen in US-amerikanischen, europäischen und arabischen Regierungen. 

"Niemand bezweifelt, dass es chemische Waffen waren"

Französische Agenten etwa hätten unter den Rebellen einige Informanten angeworben. Diese seien darauf trainiert worden, die Symptome von Opfern chemischer Waffen zu erkennen. Zudem seien sie darauf geschult, Gewebe- und Haarproben zu nehmen. Laut einem französischen Offiziellen habe der "unabhängige Zugang zu mehreren Proben von Leichen" ergeben, dass das Nervengas Sarin eingesetzt worden sei.

Zu demselben Ergebnis sei der britische Geheimdienst bereits im Frühling gekommen. Das Defence Science Technology Laboratory der Armee habe mit Gewebeproben aus Syrien den Einsatz des Giftgases nachgewiesen. Auch die USA seien zu der Überzeugung gekommen, dass Giftgas eingesetzt wurde. "Niemand bezweifelt, dass es chemische Waffen waren", zitiert das Wall Street Journal einen US-Offiziellen.  

Doch damit ist nicht sicher, ob es tatsächlich die syrische Armee war, die mit Giftgas-Granaten geschossen hat. Es besteht auch die theoretische Möglichkeit, dass Rebellen dahinter stecken, um einen Militärschlag der USA zu provozieren. Schließlich hatte Obama mit seiner "roten Linie" eine Zwangsläufigkeit für einen solchen Schritt bei dem Einsatz von chemischen Waffen suggeriert, die von den Rebellen ausgenutzt werden könnte.   

Videos belegen angeblich die Täterschaft der syrischen Armee

Der Nahost-Experte Günter Meyer von der Universität Mainz etwa hält es für wahrscheinlicher, dass die Rebellen hinter dem Anschlag stecken. "Das Regime weiß ganz genau, dass die von US-Präsident Barack Obama gesetzte 'rote Linie' überschritten wäre, wenn es Chemiewaffen einsetzen würde und dies von den UN-Inspektoren auch nachgewiesen werden könnte", sagte er dem Schweizer Tagesanzeiger. Verdächtig findet er, dass der Angriff ausgerechnet zu einem Zeitpunkt stattgefunden hat, an dem die Inspektoren im Land waren.

Laut Wall Street Journal aber gebe es Videomaterial von den Informanten-Netzwerken in Syrien. Diese nicht-öffentlichen Filme würden den Zeitpunkt und das Ausmaß des Giftgasangriffs belegen. Zudem könne angeblich anhand dieser Bilder ausgeschlossen werden, dass der Vorfall von Rebellen inszeniert worden sei.