Der vermutete Giftgas-Angriff des syrischen Regimes auf Vororte der Hauptstadt Damaskus muss Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zufolge Konsequenzen haben. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Es handelt sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um einen Giftgas-Angriff. Er darf nicht folgenlos bleiben." Der Vorfall müsse geahndet werden. Die Bundesregierung erwarte eine entschlossene und deutliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft.

Zu einem möglichen militärischen Eingreifen des Westens und einer deutschen Beteiligung daran äußerte er sich nicht näher. Seibert sagte: "Wir wollen alles, was wir können, dazu beitragen, damit es eine politische Lösung gibt." Die Chemiewaffenkonvention verlange, dass es darauf eine sehr deutliche Antwort gebe. Die UN-Inspekteure sollten allerletzte Gewissheit schaffen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ließ ausdrücklich offen, ob mit Konsequenzen auch Militäraktionen gemeint sein könnten. Westerwelle sagte, neben "Entschlossenheit" sei auch "Besonnenheit" nötig, um einen Flächenbrand in der Region zu verhindern. Mit Blick auf die Umwälzungen in der arabischen Welt generell sagte er: "Wer von der Ohnmacht der Diplomatie spricht, hat möglicherweise eine Allmachtsvorstellung, die nicht realistisch sein kann."

Seibert sagte, dass es für die behauptete Unschuld des syrischen Regimes unter Präsident Baschar al-Assad derzeit keine Anhaltspunkte gebe. Die UN-Inspektoren sollten nun allerletzte Gewissheit schaffen.   

Merkel telefonierte laut Seibert am Sonntag mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande und dem britischen Regierungschef David Cameron über eine klare internationale und möglichst geschlossene Reaktion.

Steinbrück rät zur Zurückhaltung

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück warnte vor einem militärischen Eingreifen. "Ich rate zur äußersten Zurückhaltung, in eine militärische Logik zu fallen", sagte Steinbrück. Er wisse zudem nicht, wie eine militärische Intervention aussehen solle. Sie könne nicht zu einer Befriedung beitragen. Der richtige Weg sei, den internationalen Druck auf das Land zu erhöhen.

Experten der UN haben sich am Morgen auf den Weg in das Umland der syrischen Hauptstadt Damaskus gemacht, wo Chemiewaffen eingesetzt worden sein sollen. Nach Darstellung der syrischen Opposition tötete die Regierungsarmee in der Region am vergangenen Mittwoch mehr als 1.300 Menschen mit Giftgas. Assad hat die Vorwürfe zurückgewiesen.