Angriffspläne gegen Syrien : Reden statt bomben

Statt Syrien zu bombardieren, sollten die USA mit Machthaber Assad verhandeln. Die bevorstehenden Luftschläge werden den Konflikt nicht lösen. Ein Kommentar
Ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Flughafen von Damaskus © Joseph Eid/AFP/Getty Images

Der Einsatz von Giftgas ist eines der abscheulichsten Kriegsverbrechen, erst recht gegen die eigene Bevölkerung. Daran kann es keinen Zweifel geben. Schon Bürger, die anfangs friedlich protestierten, niederschießen und bombardieren zu lassen, wie es Syriens Präsident Baschar al-Assad tat, widerspricht dem Völkerrecht und den Menschenrechten. Doch rechtfertigt das, die Führung des Landes militärisch anzugreifen, wie es die USA, Großbritannien und Frankreich vorbereiten?

Die militärischen Interventionen im Irak, in Afghanistan und zuletzt Libyen haben gezeigt, dass ausländische Bomber und fremde Soldaten Probleme und Konflikte nicht lösen, sondern nur viele neue, größere schaffen. Im Irak wurde Diktator Saddam Hussein beseitigt. Statt seiner Schreckensherrschaft herrscht dort jetzt, nach Hunderttausenden Toten, ein endloser Terrorkrieg zwischen Schiiten und Sunniten. In Afghanistan wurden die Taliban von der Macht vertrieben. Aber wenn die USA und die Nato nächstes Jahr abziehen, werden sie bald zurückkehren, die Lage am Hindukusch hat sich trotz zwölfjährigen Kriegseinsatzes nicht wesentlich verbessert. Und Libyen, nach dem durch westliche Bomben erzwungenen Ende der Tyrannei von Muammar al-Gaddafi längst wieder vergessen, steht weiter vor dem Zerfall.

In Syrien ist nicht einmal mit letzter Sicherheit erwiesen, ob es Assad war, der Hunderte Menschen in einem Vorort der Hauptstadt Damaskus mit Giftgasgranaten töten ließ. Trotzdem fahren die USA und ihre Verbündeten bereits ihren gesamten militärischen und propagandistischen Apparat auf. Mit "begrenzten" Luftschlägen wollen sie politische und militärische Einrichtungen des Assad-Regimes zerstören.

Aber mit dem geplanten Beschuss mit Marschflugkörpern wird Präsident Barack Obama die von ihm selbst beschworene "rote Linie" überschreiten: Aus einem innerstaatlichen Krieg mit Beteiligung ausländischer Kräfte und jetzt schon 100.000 Toten kann ein noch größerer, womöglich regionaler Konflikt werden. Die Folgen sind unabsehbar.

Was aber können die USA und ihre Alliierten erreichen? Sie möchten Assad und sein Regime "bestrafen", aber sie wollen ihn erklärtermaßen nicht stürzen und auch nicht den Rebellen zum Sieg verhelfen. Zumal diese inzwischen aus etlichen, teilweise dschihadistischen Gruppierungen bestehen, die sich nicht selten gegenseitig bekämpfen.

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Kommentare

164 Kommentare Seite 1 von 21 Kommentieren

Unterschied zwischen Irak/Libyen vor u nach Diktatur

Ich bin entschieden gegen eine Bombardierung von Syrien.

Aber es gibt schon einen großen Unterschied des Irak und Libyen vor und nach der Diktatur. Zu Zeiten von Saddam Hussein und Gaddafi hatten die gemässigten freiheitsliebenden und toleranten Muslime keine Hoffnung.

Heute haben die Bürger in Libyen und Irak schon Hoffnung auf ein besseres Leben.

Allerdings sollten die Geheimdienste von Saudi Arabien, Iran und den Emiraten sich raushalten.

Hisbollah widerstand Israel, dann wird Assad auch USA überleben

Assad wird das Bombardement politisch überleben und als arabischer Held in die Geschichte eingehen. Assad ist der Diktatorenheld, der Chemiewaffen behalten, sie aber nicht benutzen darf. Dass die Atommächte Syrien das Chemiewaffenarsenal nicht mit Bodentruppen wegnehmen können, ist die eigentliche Schande des sogenannten Weltsicherheitsrates.