Der britische Premierminister David Cameron hat im Unterhaus eine Abstimmung zu einem Militärschlag gegen Syrien verloren. Mit 285 zu 272 Stimmen lehnte das Parlament am Donnerstagabend im Prinzip militärische Schritte gegen Syrien ab. Die Abstimmung ist nicht  bindend, Cameron will sie dennoch respektieren. Er werde sich bei der Entscheidung über einen Angriff nicht über den Willen der Abgeordneten hinwegsetzen, sicherte Cameron anschließend zu.

Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond sagte nach der Abstimmungsniederlage in der Sendung "Newsnight", es werde nun keine britischen militärischen Schritte gegen das Land geben. Aus einer Umfrage war zuvor hervorgegangen, dass fast zwei Drittel der Bevölkerung gegen ein Eingreifen der britischen Streitkräfte sind.

Eine Sondersitzung der UN ist derweil nach nur knapp einer Stunde zu Ende gegangen. Im Anschluss gab keiner der Diplomaten eine Erklärung ab. Anzeichen dafür, dass sich die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates Russland , USA , Großbritannien , Frankreich und China , in der Syrien-Frage angenähert haben, wurden nicht verlautet.

Die USA, Frankreich und Großbritannien treiben seit Tagen Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen Syrien wegen eines mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs durch das Regime voran. Premierminister David Cameron schloss einen Einsatz ohne Rückendeckung der UN aus : "Es wäre undenkbar voranzuschreiten, wenn es im UN-Sicherheitsrat überwältigenden Widerstand gäbe."

Die Entscheidung Obamas ist noch nicht gefallen

Auch in Frankreich wurden Stimmen für eine militärische Intervention zurückhaltender. Präsident François Hollande verlangte nach einem Treffen mit dem Chef der oppositionellen Nationalen Syrischen Koalition, Ahmed Assi al-Dscharba, eine "angemessene Reaktion" der Weltgemeinschaft. Zuvor hatte er davon gesprochen, die Verantwortlichen für den Giftgas-Angriff zu "bestrafen".

US-Präsident Barack Obama versicherte, die Entscheidung über einen Einsatz sei noch nicht gefallen . Ein Sprecher wies außerdem einen Vergleich zum Irak-Krieg zurück. Eine Reaktion der USA auf den Giftgas-Einsatz in dem Bürgerkriegsland wäre sehr begrenzt und hätte keinesfalls ein offenes Ende, hieß es.

Russland forderte eine Ausweitung der Giftgaskontrollen durch die UN-Inspekteure auf weitere Orte. Chinas Außenminister Wang Yi warnte, eine "externe militärische Einmischung" würde die ganze Region weiter destabilisieren.

Merkel telefoniert mit Veto-Mächten

Derweil wartet Bundeskanzlerin Angela Merkel auf eine gemeinsame Antwort des UN-Sicherheitsrates. In Telefonaten rief sie Russland und China dazu auf, eine gemeinsame Haltung zu suchen. In einem Telefonat mit Obama sprach sie sich dafür aus, dass die Ergebnisse der UN-Untersuchung im Sicherheitsrat behandelt werden.

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad bestritt erneut den Vorwurf des Gaseinsatzes. Im Staatsfernsehen kündigte er an: " Syrien wird sich gegen jeden Angriff verteidigen ." Regierungstruppen schirmen Einrichtungen ab und bringen Kampfmaterial in Sicherheit . Nach Informationen der Opposition wurden am Donnerstag dutzende Raketen von einem Stützpunkt im Norden Damaskus abgezogen. Außerdem seien Raketenwerfer, andere Waffen sowie diverse Ausrüstung verlagert worden.