Der Vizekommandeur der iranischen Streitkräfte, Massud Dschsajeri, hat die USA vor einer Militärintervention in Syrien gewarnt. Auch er spricht nun von einer roten Linie: Jegliche Überschreitung dieser Linie habe gravierende Folgen fürs Weiße Haus. Der Iran gilt als enger Verbündeter Syriens.   

Dass in Syrien Menschen durch Giftgas umgekommen sind, gilt inzwischen als sicher. Nur, wer genau Chemiewaffen gegen welche Gruppen eingesetzt hat, ist ohne die Untersuchung der Tatorte durch externe Inspektoren schwer nachzuweisen.  

Die US-Regierung lässt mögliche Schritte weiter offen. Stunden nach einem Treffen von Präsident Barack Obama und dessen Sicherheitsteam hieß es in einer knappen Mitteilung, die US-Geheimdienste sammelten weiterhin Fakten, um festzustellen, was vorgefallen sei.   

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte, das Militär habe sich auf Anweisung Obamas auf eine militärische Intervention in Syrien vorbereitet. Obama habe außerdem den von ihm angeforderten Überblick über die möglichen Optionen für die USA und die internationale Gemeinschaft erhalten.

Obama telefonierte am Samstag mit dem britischen Premierminister David Cameron. Beide seien besorgt, sagte ein Mitarbeiter des Weißen Hauses. Die USA und Großbritannien wollten sich weiterhin beraten, was mögliche internationale Reaktionen auf den Anschlag in Syrien beträfen. Sollte das Regime von Baschar al-Assad nachweislich für einen Einsatz von Giftgas in Syrien verantwortlich sein, kündigten sie eine "ernste Antwort" an.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hatte bestätigt, dass in von ihr unterstützten Krankenhäusern 3.600 Menschen mit Symptomen von Nervengift behandelt worden seien. 355 von ihnen sind nach Angaben der behandelnden Krankenhaus-Ärzte gestorben. Hinweise darauf, wer den Anschlag mit Giftgas verübt hat, konnte die Untersuchung der Patienten aber nicht liefern.

"Ärzte ohne Grenzen kann weder die Ursachen dieser Symptome nach wissenschaftlichen Kriterien bestimmen noch ermitteln, wer für einen möglichen Angriff verantwortlich ist", sagte Bart Janssens, Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel, in einer Presseerklärung. Die beschriebenen Symptome der Patienten zusammen mit dem epidemiologischen Muster der Ereignisse – ein massiver Zustrom von Patienten in kurzer Zeit, der Aufenthaltsort der Patienten vor der Einlieferung, die Kontaminierung von medizinischem Personal und Ersthelfern – deuteten aber "stark auf einen massenhaften Kontakt mit einem neurotoxischen Stoff hin."

Auch westliche Geheimdienste haben ein Netz an Informanten aufgebaut, die in Syrien Proben entnommen haben und Beweise für den Einsatz von Giftgas gesammelt haben sollen. Wer für den Anschlag verantwortlich ist, ist jedoch nicht klar. 

Die syrische Regierung bestreitet weiter, Giftgas eingesetzt zu haben. Sie veröffentlichte Informationen, nach denen die Rebellen für den Anschlag verantwortlich sein könnten. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte dagegen während eines Aufenthaltes in der palästinensischen Stadt Ramallah, alles deute darauf hin, dass in der Nähe von Damaskus ein Massaker mit chemischen Waffen stattgefunden habe. Und dass das Regime von Baschar al-Assad dahinter stecke.

Verhandlungen um Zutritt für externe Inspekteure

Ob und wann UN-Chemiewaffeninspekteure die Tatorte untersuchen können, ist weiterhin unklar. Die Hohe Repräsentantin der Vereinten Nationen für Abrüstung, Angela Kane, traf am Samstag in Damaskus ein, um darüber zu verhandeln.

Der iranische Außenminister sagte unterdessen dem Sender Press TV, die syrische Regierung habe zugesichert, dass die Inspektoren die Gebiete besuchen dürfen, wo mutmaßlich Giftgas zum Einsatz kam. Unklar ist, ob das auch den jüngsten Angriff betrifft oder nur frühere Fälle, in denen möglicherweise Chemiewaffen eingesetzt wurden.

Bislang wurde den Experten, die sich bereits seit dem vergangenen Sonntag in Syrien aufhalten, mit Hinweis auf die andauernden Kämpfe nicht erlaubt, die betroffenen Bezirke zu besuchen. 

Das syrische Regime warnte die USA ebenfalls vor einem Militäreinsatz. Dies würde nur noch mehr Gewalt in der gesamten Region nach sich ziehen, sagte der syrische Informationsminister Omran al-Subi dem libanesischen Fernsehsender Al Madschadin TV.