UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat nachdrücklich vor einem voreiligen Militärschlag gegen Syrien gewarnt und mehr Zeit für die UN-Inspekteure gefordert. Das UN-Team brauche noch vier Tage, um Spuren des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien zu sichern, sagte der Generalsekretär. Sobald der Untersuchungsbericht vorliege, sei es Aufgabe des Sicherheitsrates, über Konsequenzen zu entscheiden.

Einen Alleingang Großbritanniens und der USA wies er zurück. "Jede Aktion muss im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen geschehen", sagte Ban. Der Weltsicherheitsrat müsse seine politische Verantwortung wahrnehmen. Ban plädierte weiterhin für eine diplomatische Lösung des Konflikts.  

Die Vereinten Nationen haben laut ihrem Syrien-Gesandten Lakhdar Brahimi erste Hinweise auf den Einsatz von Chemiewaffen bei Damaskus aufgespürt. Es seien "chemische Substanzen" entdeckt worden, teilte Brahimi mit. Es scheine, dass dadurch viele Menschen, auf jeden Fall mehr als einhundert, getötet wurden, sagte er. "Einige sprechen von 300 Toten, andere von 600, vielleicht 1.000, vielleicht mehr als 1.000", führte er aus.

USA könnten abgehörtes Telefonat als Beweis nutzen

Das Team der Inspekteure hatte bei einem ersten Besuch am Montag mit Ärzten und Patienten gesprochen sowie Proben entnommen, um den vermuteten Einsatz von Giftgas in dem Bürgerkrieg zwischen Rebellen und Regimetruppen nachzuweisen.

Laut einem Medienbericht wollen die USA die Schuld des syrischen Regimes an den Giftgasangriffen mit abgehörten Telefonaten belegen. Der US-Geheimdienst habe Gespräche zwischen dem syrischen Verteidigungsministerium und dem Chef der Chemiewaffen-Einheit abgehört, berichtete das US-Außenpolitikmagazin Foreign Policy.

Darin heißt es, in den "panischen" Gesprächen habe das Ministerium von der Einheit Erklärungen für den Giftgasangriff mit Hunderten Toten am 21. August verlangt. Foreign Policy behauptet, dass die Anrufe von den Amerikanern als Beweis dafür genutzt würden, dass das Regime für den Chemiewaffenangriff verantwortlich war.

Die US-Regierung sagt, es gebe "unwiderlegbare" Beweise für einen großangelegten Chemiewaffeneinsatz vergangene Woche. Syriens Regierung weist die Vorwürfe entschieden zurück. Als ausschlaggebend für das weitere Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gilt nun das Ergebnis des UN-Berichts. Großbritannien treibt im UN-Sicherheitsrat bereits die Vorbereitungen für einen möglichen Militärschlag voran. 

Nato macht Assad für Giftgas-Angriff verantwortlich

Die USA erwägen gemeinsam mit Verbündeten, darunter Großbritannien und Frankreich, einen Militärschlag gegen syrische Truppenkommandozentralen. Derzeit verhandeln die Regierungen miteinander, binden die Parlamente ein und prüfen die Rechtslage – denn der Einsatz könnte unter Umgehung des UN-Sicherheitsrats erfolgen, wo Russland und China noch immer Sanktionen gegen Syrien blockieren.

Auch die Nato macht die syrische Regierung für den Einsatz von Chemiewaffen verantwortlich, will aber weiter nicht militärisch in den Konflikt eingreifen. "Jeder Einsatz solcher Waffen ist inakzeptabel und kann nicht unerwidert bleiben", heißt es in einer Erklärung des Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen. Bei einem Brüsseler Treffen der Botschafter der 28 Nato-Länder habe aber Einvernehmen darüber geherrscht, dass die Nato weiterhin keine eigene militärische Rolle im Syrien-Konflikt spiele, sagten Diplomaten.

Darüber hinaus forderte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) ein "entschiedenes Handeln" gegen die syrische Regierung. Das Generalsekretariat der Organisation, in der 57 muslimische Staaten zusammengeschlossen sind, machte die syrische Regierung "rechtlich und moralisch" für "dieses abscheuliche Verbrechen" verantwortlich. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden.