SyrienUN-Generalsekretär warnt vor voreiligem Angriff

Ban Ki Moon lehnt einen Alleingang Großbritanniens und der USA in Syrien ab. Er fordert, die Giftgas-Inspektion abzuwarten und den Sicherheitsrat entscheiden zu lassen.

Der UN-Sicherheitsrat in New York

Der UN-Sicherheitsrat in New York  |  © Lucas Jackson/Reuters

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat nachdrücklich vor einem voreiligen Militärschlag gegen Syrien gewarnt und mehr Zeit für die UN-Inspekteure gefordert. Das UN-Team brauche noch vier Tage, um Spuren des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien zu sichern, sagte der Generalsekretär. Sobald der Untersuchungsbericht vorliege, sei es Aufgabe des Sicherheitsrates, über Konsequenzen zu entscheiden.

Einen Alleingang Großbritanniens und der USA wies er zurück. "Jede Aktion muss im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen geschehen", sagte Ban. Der Weltsicherheitsrat müsse seine politische Verantwortung wahrnehmen. Ban plädierte weiterhin für eine diplomatische Lösung des Konflikts.  

Anzeige

Die Vereinten Nationen haben laut ihrem Syrien-Gesandten Lakhdar Brahimi erste Hinweise auf den Einsatz von Chemiewaffen bei Damaskus aufgespürt. Es seien "chemische Substanzen" entdeckt worden, teilte Brahimi mit. Es scheine, dass dadurch viele Menschen, auf jeden Fall mehr als einhundert, getötet wurden, sagte er. "Einige sprechen von 300 Toten, andere von 600, vielleicht 1.000, vielleicht mehr als 1.000", führte er aus.

USA könnten abgehörtes Telefonat als Beweis nutzen

Das Team der Inspekteure hatte bei einem ersten Besuch am Montag mit Ärzten und Patienten gesprochen sowie Proben entnommen, um den vermuteten Einsatz von Giftgas in dem Bürgerkrieg zwischen Rebellen und Regimetruppen nachzuweisen.

Laut einem Medienbericht wollen die USA die Schuld des syrischen Regimes an den Giftgasangriffen mit abgehörten Telefonaten belegen. Der US-Geheimdienst habe Gespräche zwischen dem syrischen Verteidigungsministerium und dem Chef der Chemiewaffen-Einheit abgehört, berichtete das US-Außenpolitikmagazin Foreign Policy.

Darin heißt es, in den "panischen" Gesprächen habe das Ministerium von der Einheit Erklärungen für den Giftgasangriff mit Hunderten Toten am 21. August verlangt. Foreign Policy behauptet, dass die Anrufe von den Amerikanern als Beweis dafür genutzt würden, dass das Regime für den Chemiewaffenangriff verantwortlich war.

Die US-Regierung sagt, es gebe "unwiderlegbare" Beweise für einen großangelegten Chemiewaffeneinsatz vergangene Woche. Syriens Regierung weist die Vorwürfe entschieden zurück. Als ausschlaggebend für das weitere Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gilt nun das Ergebnis des UN-Berichts. Großbritannien treibt im UN-Sicherheitsrat bereits die Vorbereitungen für einen möglichen Militärschlag voran. 

Nato macht Assad für Giftgas-Angriff verantwortlich

Die USA erwägen gemeinsam mit Verbündeten, darunter Großbritannien und Frankreich, einen Militärschlag gegen syrische Truppenkommandozentralen. Derzeit verhandeln die Regierungen miteinander, binden die Parlamente ein und prüfen die Rechtslage – denn der Einsatz könnte unter Umgehung des UN-Sicherheitsrats erfolgen, wo Russland und China noch immer Sanktionen gegen Syrien blockieren.

Auch die Nato macht die syrische Regierung für den Einsatz von Chemiewaffen verantwortlich, will aber weiter nicht militärisch in den Konflikt eingreifen. "Jeder Einsatz solcher Waffen ist inakzeptabel und kann nicht unerwidert bleiben", heißt es in einer Erklärung des Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen. Bei einem Brüsseler Treffen der Botschafter der 28 Nato-Länder habe aber Einvernehmen darüber geherrscht, dass die Nato weiterhin keine eigene militärische Rolle im Syrien-Konflikt spiele, sagten Diplomaten.

Darüber hinaus forderte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) ein "entschiedenes Handeln" gegen die syrische Regierung. Das Generalsekretariat der Organisation, in der 57 muslimische Staaten zusammengeschlossen sind, machte die syrische Regierung "rechtlich und moralisch" für "dieses abscheuliche Verbrechen" verantwortlich. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Foreignpolicy hat vorgestern geheime CIA-Dokumente veröffentlicht, die noch einmal Belegen, dass die USA Saddam Hussein geholfen haben, Giftgas gegen den Iran und gegen die Kurden einzusetzen.

    Die gleichen USA, insbesondere Aussenminister Kerry, der selbst aktiv am Morden in Vietnam beteiligt war, tun nun so, als ob Giftgaseinsatz ein Grund für Bombardements seien.

    Nach dieser Logik müsste Washington sich zu selbst bombardieren.

    Die USA haben also längst bewiesen, dass sie mit Giftgaseinsätzen gar kein Problem haben.

    Da es vollkommen idiotisch von Assad wäre Giftgas einzusetzen, ist vollkommen klar, dass dieses Massaker von den sogenannten Rebellen ausgeführt wurde und man kann annehmen, dass sie dabei die gleiche Unterstützung hatten, wie seinerzeit Saddam.

    Das Ziel ist klar: Assad hat die Oberhand bekommen und die westlichen Kriegstreiber fürchten nichts mehr, als dass er das Land befriedet und aus erneuten Wahlen erneut als Sieger hervorgehen würde.

    Syrien soll zusammen geschlagen werden, um den Iran zu treffen, sagt Scholl-Latour und hat damit vollkommen recht.

    Deshalb werden die USA den Krieg am Kochen halten. Die Zahl der Opfer, der Toten, Verkrüppelten und Vertriebenen ist den USA so egal, wie die 500.000 Kinder im Irak, die man nach UN-Angaben allein durch Sanktionen getötet hat, nachdem Saddam in Ungnade gefallen war.

    Madeleine Albright sagte später, die 500.000 toten Kinder seien es wert gewesen.

    98 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber sie verhalten sich nicht notwendigerweise rational. Die Politik einer Diktatur folgt den Regeln des unbedingten Machterhalts. Wäre es anders, wären sie keine Diktatoren.

    wenn Saddam einfach die Hilfslieferungen an sie zugelassen hätte. Er hatte ja genug Geld um Lebensmittel und Medikamente einzukaufen. Gerade dies war ihm ja trotz UN-Sanktionen erlaubt worden. Saddam zog es vor das eigene Volk krepieren zu lassen um so ein moralisches Druckmittel gegen die bösen Sanktionen zu gewinnen.

    Bitte kehren Sie zum konkreten Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/ls

    • xel_bar
    • 28. August 2013 13:06 Uhr

    "Foreignpolicy hat vorgestern geheime CIA-Dokumente veröffentlicht, die noch einmal Belegen, dass die USA Saddam Hussein geholfen haben, Giftgas gegen den Iran und gegen die Kurden einzusetzen."

    Und Gott behüte uns, wenn wir aus unseren Fehlern einmal etwas lernen und in Zukunft das Richtige tun wollen! Sie und Ihre Gesinnungsgenossen verzeihen jedem noch so brutalen Despoten sämtliche Untaten, selbst das Feuern auf friedliche Demonstranten, aber wehe der Westen lässt sich etwas zu Schulden kommen, dann muss er die volle Wucht der Moralkeule spüren. Das ist ja fast so absurd, wie die Idee, dass Deutschland aufgrund seiner Vergangenheit nie wieder den Zeigefinger erheben dürfe.

    Ihre Rhetorik macht mich jedenfalls krank, Kerry bezeichnen Sie als Mörder, Assad aber als Befrieder. Sie haben sich ihre Meinung wohl vor einer langen Zeit gebildet, und daran werden wohl selbst Beweise der UN-Inspekteure nichts ändern.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Verschwörungstheorien. Danke. Die Redaktion/kvk

    "Madeleine Albright sagte später, die 500.000 toten Kinder seien es wert gewesen."

    Danke für den Tipp! Das wusste ich noch gar nicht. Habe mal bei Youtube geschaut:
    http://www.youtube.com/wa...

    Es schaudert mich nur noch.

    Dazu passt dann auch das hier:
    http://www.youtube.com/wa...

    http://www.youtube.com/wa...

    Der Beginn war ja noch unterhaltsam, aber mit

    "Da es vollkommen idiotisch von Assad wäre Giftgas einzusetzen, ist vollkommen klar, dass dieses Massaker von den sogenannten Rebellen ausgeführt wurde"

    hört es dann auf. rebellen zünden also (sehr wahrscheinlich auf geheiß der usa) in ihrer vordersten front chemiewaffen um damit zeitlich limitierte missile beschüsse zu erwirken und töten damit die zivil bevölkerung die ihnen schutz gewehrt.
    das ist natürlich viel logischer!
    Und das Assad gepokert hat, a la "ok kontrolleure sind da, keiner hält mich für so doof jetzt chemiewaffen zu zünden" ist natürlich nicht halbsologisch wie der eigenenbeschuss der rebellen unter der hilfe der usa (die ja auch schon ihr WTC zerstört haben, nehme ich an).

    Wo es dann komplett versagt, ist bei der Aussage, dass die USA Assad beseitigen wollen. Davon haben sie nämlich garnichts, außer nochmehr machtvakuum als schon im Irak.
    Die USA und Frankreich waren sehr lang verhältnismäßig glücklich mit assad und der "stabilität" die er brachte. Klar ein Regim, aber eins, dass man halbwegs abschätzen konnte.
    Kein Mensch/Staat bei klarem verstand, kann ernsthaft wollen, dass Assad auf kosten eines neuen Iraks geht.

    aber ihre logik ist natürlich ebenfalls überzeugend... -.-

    • merr.b
    • 28. August 2013 15:56 Uhr

    1."Da es vollkommen idiotisch von Assad wäre Giftgas einzusetzen, ist vollkommen klar, dass dieses Massaker von den sogenannten Rebellen ausgeführt wurde und man kann annehmen, dass sie dabei die gleiche Unterstützung hatten, wie seinerzeit Saddam.
    Das Ziel ist klar: Assad hat die Oberhand bekommen und die westlichen Kriegstreiber fürchten nichts mehr, als dass er das Land befriedet und aus erneuten Wahlen erneut als Sieger hervorgehen würde."

    ja,Sie haben recht,!das wissen wir alle alles längst!
    die Frage nun,was sollen wir tun???

    "Da es vollkommen idiotisch von Assad wäre Giftgas einzusetzen, ist vollkommen klar, dass dieses Massaker von den sogenannten Rebellen ausgeführt wurde und man kann annehmen, dass sie dabei die gleiche Unterstützung hatten, wie seinerzeit Sadddam"

    Mahir steckt dahinter. Mahir ist der Bruder des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und jüngster Sohn des ehemaligen Präsidenten Hafiz al-Assad. Er wurde zunächst als dessen potenzieller Nachfolger gehandelt, aber dann vermutlich als zu impulsiv verworfen. Dafür spricht auch der Bauchschuss auf seinen Schwager Assef Schawkat während eines Streits im Oktober 1999, den dieser überlebte.

    Mahir ist Kommandeur der Republikanischen Garden. Wer seinem eigenen Schwager in den Bauch schiesst, dem ist auch ein Gasangriff zuzutrauen.

    ..die reaktionen Auf ihren Kommentar gehen ja hin und her, aber am essentiellsten ist doch wirklich die Frage, was jetzt tun ?? Es wissen ja tatsächlich viele, was uns gerade für ein verlogenes Spiel in den Medien vorgespielt wird (gnade denen, die es nicht bemerken), aber wir müssen trotzdem tatenlos zusehen wie einige traurige gestalten, die sich politiker nennen, den Westen in den "Krieg" führen. ( <= wohl eher 'plattwalzen von einer wirtschaftlich erstrebenswerten region' )

    Es sollte sich jeder nochmal klarmachen, wie wichtig es jetzt ist, seine Meinung und Stimme gegen diesen Sinnlosen Kampf laut zu machen!

    In der Hinsicht sei einem die EU-zurückhaltenden BAN KI MOON tausend Dank.. !

    Seit die Bilder von mit Napalm verbrannten Frauen und Kindern aus dem Vietnamkrieg große Anti-Kriegsbewegungen bewirkt haben, wird nicht mehr über derartige Begleiterscheinungen von Kriegseinsätzen berichtet. "Embedded Journalism" heißt das und ist praktisch eine Informationssperre bzw. Zensur.
    Im Ergebnis wird nun selbst von Feiglingen und Muttersöhnchen hier und anderenorts Kriegspropaganda geführt. In der Vorstellung, dass es abläuft wie bei ihren Ballerspielen am PC mit Bier und Chips.
    Und wenn ein US-Soldat doch mal den Schleier lüftet und auf skrupellose Kriegsverbrechen hinweist, dann kommt der Mann für 35 Jahre in den Knast.
    Zum Kot..... diese Scheinheiligkeit und Verlogenheit "demokratischer" Politik.

    Sie schreiben: Zitat-- Das Ziel ist klar: Assad hat die Oberhand bekommen und die westlichen Kriegstreiber fürchten nichts mehr, als dass er das Land befriedet und aus erneuten Wahlen erneut als Sieger hervorgehen würde). Wer unterdrückt das Volk",wer schürt Hass und Gewalt wer führt Krieg gegen das Eigene Volk?Das Politik nicht aufrichtig ist das Staaten einen gegen das andere ausspielt wird Rechtfertigt nicht Krieg und Vertreibung von Millionen von Menschen wer letztendlich Giftgas eingesetzt hat ist auch meiner Meinung nicht erwiesen dennoch macht es die Sache nicht besser. Auch ich bin der Meinung das jedwede Art von Militäreinsätze von außen zu unterbleiben sind! Ob Afghanistan Irak Libyen Gewalt führt zu immer mehr statt weniger Hass, meine Lösung ich habe keine.

  2. ruhigen Gewissen in den Krieg, ja wir müssen!

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    " ... Darin heißt es, in den "panischen" Gesprächen habe das Ministerium von der Einheit Erklärungen für den Giftgasangriff mit Hunderten Toten am 21. August verlangt. ..."

    Es beweist, dass das Giftgas nicht von den Rebellen eingesetzt wurde, zudem lässt es zu dem Schluss kommen, dass es keine Anweisung von Oben (Assad) war, wenn das Ministerium davon nichts weiß.

    Beste Grüße
    FSonntag

    • jagu
    • 28. August 2013 12:53 Uhr

    wer sich da zu so einer Verzweiflungstat hingerissen gefühlt hat.

    Die Rebellen, die von 1300 statt der verifizierten 300-400 Opfer sprechen, haben ja immerhin schon mal angekündigt, aus Rache 4-5 Dörfer mit Mann und Maus auszumerzen.

    Da könnte etwas mehr Deckung aus der Luft...

    Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hoffentlich ist Zeit.de seriös genug:

    http://www.zeit.de/politi...

    Darin ist zu lesen: "Im syrischen Bürgerkrieg will die islamistische Rebellengruppe Al-Nusra-Front für die mutmaßlichen Angriffe mit Chemiewaffen Vergeltung üben. "Die alawitischen Dörfer werden den Preis für jede chemische Rakete zahlen, die unser Volk in Damaskus getroffen hat", sagte der Kommandeur der Al-Nusra-Front, Abu Mohammed al-Dschawlani, in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft. "Zusätzlich werden wir tausend Raketen vorbereiten, die wir auf ihre Städte feuern, um das Massaker in Ghuta bei Damaskus zu rächen.""

    Klingt für mich jedenfalls ziemlich eindeutig und deckt die "Behauptungen" des Vorkommentators.

    • DerDude
    • 28. August 2013 12:54 Uhr

    zu klären, von wem der Angriff ausging?

    Dass es einen Giftgas-Einsatz gegeben hat, wurde ja weder von Assad noch von den Rebellen bestritten.

    Insofern mehr Gewissheit, aber keine wirkliche Neuigkeit.

    31 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und jetzt rate mal, warum nicht. Wer blockiert denn alle möglichen Maßnahmen der UN bezüglich Syrien?

    sonst hätte man sie erst gar nicht ins Land gelassen.
    Aber die Ergebnisse verschaffen zumindest die traurige Gewissheit, dass Giftgas eingesetzt wurde. Dies wurde ja von manchen vor einigen Tagen ja noch vehement bestritten.

    " Gehörte nicht zum Mandat der Inspekteure zu klären, von wem der Angriff ausging?"

    ... ist tatsächlich nicht der Fall.
    Die Inspekteure haben tatsächlich nur das Mandat, zu klären, ob Chemische Kampfmittel eingesetzt wurden, nicht von wem.

    Es ist ganz im Gegenteil:
    Das Mandat der Inspekteure verbietet es Ihnen explizit, die Frage nach den Verantwortlichen zu beantworten.

    Sie dürfen lediglich das beweisen, an was eh nie jemand Zweifel hatte: Dass Chemiewaffen eingesetzt wurden. (und vielleicht noch, welche)

    Es wäre mal höchst interessant zu erfahren, wie es in der Praxis zu diesem seltsamen Mandat mit seiner höchst seltsamen Zielsetzung gekommen ist. Also: Wer oder was war(en) beim Beschluss des Mandats die treibende(n) Kräft(e) dahinter, dass die UN-Inspektoren nicht die Frage nach den Verantwortlichen beantworten dürfen?

    Interessant ist übrigens auch, wie es überhaupt ursprünglich zu diesem Mandat der UN-Chemiewaffen-Inspektoren gekommen ist:

    Es war die syrische Regierung selbst, die kurz nach einem vermeintlichen Giftgasangriff in Aleppo die UN um eine unabhängige Untersuchung gebeten hat. Warum wohl? Offensichtlich, weil die syrische Regierung völlig überzeugt war, dass der Angriff in Wahrheit auf das Konto der Rebellen geht, und das durch eine unabhängige, externe Untersuchung bestätigt sehen wollte.

    Diesen Antrag hat die syrische Regierung schon im März gestellt - passiert ist dann monatelang nix. Und genau jetzt, wo endlich die Inspekteure im Land sind, will man uns erzählen, dass die Regierung, die selbst um die UN-Chemiewaffeninspekteure gebeten hat, so blöd ist, nur drei Tage nach Eintreffen der Inspekteure selbst einen grossen Chemiewaffen-Angriff zu ordern?
    Das ist und bleibt völlig absurd.

    Das abgehörte panische Telefonat spricht sehr dafür, dass die Regierung nicht wusste.

    Dass das nun als Beweis gegen die Regierung verwendet wird, irritiert. Wenigstens.

  3. Assad mag zwar ein von sich selbst eingenommener, grausamer Diktator sein, aber völlig bekloppt in Puncto Machterhalt ist er sicher nicht. Warum also eine (auch militärisch) sinnlosen Giftgasattacke starten und dann noch die Inspekteure angreifen?

    Was auch immer dahintersteckt, es scheint einfach wahrscheinlicher, daß andere Stellen dies angerichtet haben (welche, weiß ich nicht), als daß Assad hier freiwillig einen Casus Belli liefert.

    Was genau nun dahintersteckt, das wird man in vielleicht ein oder zwei Dekaden erfahren.

    27 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • welll
    • 28. August 2013 13:31 Uhr

    Der Völkermord vor den Augen von Blauhelmen war im Grunde eine sehr ähnliche Situation.

    -Gefühl der militärischen Überelegenheit
    -Demonstrative Schwäche und Untätigkeit der UN und der Staatengemeinschaft
    -Blockadesituation im Sicherheitsrat
    -Russische Unterstützung für die Serben

    Bis vor kurzem habe ich ähnlich wie sie argumentiert. Ich dachte stets dass Assad doch nicht so dumm sein könne dieses oder jenes zu tun. Dummerweise wurde ich eines besseren belehrt. Manche, nicht alle der ihm zur last gelegten Verbrechen scheint er wirklich begangen zu haben. Die Wahrheit gibt es natürlich wie immer erst ein paar Jahre später.

    Assad hat sehr viele Fehler gemacht und sich selbst in diese Lage gebracht. Wie verzweifelt er ist kann ich nicht beurteilen. Ich traue ihm sehr wohl den Giftgaseinsatz, allerdings traue ich gleiches den "Rebellen" zu.

    nannte es Assad, das er dafür verantwortlich sein soll. Das kann ebenso auch ein Grund sein, der dafür spricht das gerade Assad dahintersteckt, da er sich anmaßte zu denken, das die Bevölkerung die Opposition die Schuld dafür gibt und er genügend Mitstreiter hat die ihn propagandistisch aus der Patsche helfen. Es spricht ja vieles dafür das die Rebellen ein Motiv hätten, also könnte es möglich sein, das er es einsetzte um es anschließend den Rebellen anzuhängen.
    Er kann im Grunde nur den Kampfstoff besitzen und eingesetzt haben, falls es von den Inspektoren bestätigt wird.
    "Chemische Stoffe" ist auch noch etwas breit gefächert, da Medikamente ebenso chemisch sind...

    Es gab Zeiten, die lange her, da wurden solche Aussagen als Verschwörungstheorien hier zensiert.
    Ein Hoch auf die Pressefreiheit, weiter so...

  4. aber sie verhalten sich nicht notwendigerweise rational. Die Politik einer Diktatur folgt den Regeln des unbedingten Machterhalts. Wäre es anders, wären sie keine Diktatoren.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Syrer flohen vor dem Beschuss in die Keller, um dort Schutz zu suchen. Dort sammelte sich das Giftgas, was zu vielen Todesfällen führte. Jetzt wird der Bevölkerung klar, dass sie keinen Schutz findet, wenn Assad nicht unterstützt!

    [...]

    Da Assad die Einsätze der UN-Mission kontrolliert, kann er die Beweisführung erschweren. Und da seine gesäten Zweifel an seiner Urheberschaft in Europa gerne angenommen werden, kann er den USA sagen, dass sie machtlos seien. Schließlich wird er von Russland gedeckt!

    Nichts davon muss so sein. Aber es sind realistische Möglichkeiten, die man nicht von der Hand weisen kann.

    Nichts davon ist rational. Es basiert einzig auf der vorhandenen Macht eines Diktators!

    Das wären jetzt zwei Vorteile für Assad!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als verharmlosend wahrgenommen werden. Danke, die Redaktion/ls

    In jeder Herrschaftsform hat der Machterhalt oberste Priorität. Deswegen hält sich jede Staatsform auch für alternativlos. In der Demokratie will das Volk (zumindest meistens) nicht auf sein Stimmrecht verzichten und die Regierung tut alles, um wiedergewählt zu werden, in der Aristokratie will der Adel oben bleiben und in der Plutokratie wollen die Reichen reich bleiben. Selbst in der Wirtschaft wird ja gepredigt, dass das oberste Ziel der Selbsterhalt ist, ähnliches gilt in der Organisationssoziologie. Da passt dann auch kein "allgemeiner" Rationalitätsbegriff, da sich Akteure mit Macht nach der Rationalität eben dieser handeln. Rationalität braucht nun mal einen Bezugspunkt, eine Intention. In der Hinsicht sind Diktatoren nicht anders als Parlamente oder Verfassungen. Alles will sich selbst erhalten und nicht will sich selbst unnütz machen.

  5. um das geht es doch. Alles andere ist Propaganda auf unterstem Niveau.

    28 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber in der Berichterstattung lässt sich ein Muster finden das sich hier mit zahllosen seriösen Quellen aus machen lässt.

    http://www.freitag.de/aut...

    Es gibt keine Beweise und bei den Blindgängern die nicht explodiert ist soll es sich um selbstgebastelte Behältnisse gehandelt haben. Sicherlich ein Punkt der besprochen werden muss, wo Assads Leute doch mit feinsten Stingerraketen aus Russland bestückt sind. Warum minderwertige Waffen benutzen und diese in einem Gebiet abfeuern wo es gar keine klare Linie zwischen Rebellen und Regierungstruppen gibt. Für mich gibt es bisher keine schlüssigen Beweise. Logisch ist das ganze absolut nicht. Die Rebellen wären schon lange niedergeschlagen wenn der Westen nicht mit Panzerfäusten und Sprengstoff nachgeholfen hätte.

    ICH KANN JEDEM NUR EMPFEHLEN DIESEN ARTIKEL ZU LESEN!!!
    sich die Quellen anzugucken und dann nochmal überlegen ob wir wirklich an einem Krieg beteiligt werden wollen der aus meiner Sicht so falsch wie Lybien war und so oder noch schlimmer enden wird.

  6. Und jetzt rate mal, warum nicht. Wer blockiert denn alle möglichen Maßnahmen der UN bezüglich Syrien?

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • olegj
    • 28. August 2013 13:26 Uhr

    Hm, mir erschließt sich Ihre Logik nicht. Was hat der nicht vorhandene Auftrag zur Klärung der Fragen nach dem Angreifer mit Russland und China zu tun?

    22/08/2013: Giftgaseinsatz in Syrien: Ban fordert sofortigen Zugang für UN-Experten
    Der Sicherheitsrat rief lediglich dazu auf, die Vorwürfe der syrischen Opposition aufzuklären. Eine explizite Untersuchung forderte er nicht. Eine solche Formulierung fand sich zwar in einem Entwurf der westlichen Ratsmitglieder, wie Reuters erfuhr. Sie scheiterten damit jedoch am Widerstand der Vetomächte Russland und China, die bereits mehrfach seit Beginn des Aufstands Resolutionen gegen die syrische Führung zu Fall brachten. "Ich bedauere, dass Russland und China eine förmliche Erklärung des Sicherheitsrats verhindert haben", sagte Westerwelle.
    http://derstandard.at/137...

    Das sollte als Quelle reichen, dass Russland und China die Untersuchung der Urheberschaft blockierten.

    Was nutzt den USA der Nachweis von Giftgas, wenn er nicht Assads Urheberschaft nachweisen kann. Er könnte doch nie die Überschreitung seiner roten Linie nachweisen, wie man auch hier im Forum ersehen kann.

    Nur Assad und Russland haben ein Interesse an der abgeschwächten Erklärung. Anderenfalls hätte sie doch sofort über ihre Staatsmedien den Westen attackiert, der nur Beweise gegen Assad fälschen wolle!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, afp, AP, zz
  • Schlagworte Ban Ki Moon | Syrien | Nato | UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen | Verteidigungsministerium
Service