Syrien-InterventionExperten sehen keinen Sinn in Kurzangriff

Der US-Präsident will auf die Giftgasangriffe mit einem begrenzten Militäreinsatz antworten. Westliche Experten zweifeln an dem Zweck. Obama kündigte ein Statement an.

Demonstration vor dem Weißen Haus gegen den von Obama geplanten Militäreinsatz in Syrien

Demonstration vor dem Weißen Haus gegen den von Obama geplanten Militäreinsatz in Syrien  |  © Chip Somodevilla/Getty Images

Zahlreiche Nahost-Experten und US-Diplomaten zweifeln an der Sinnhaftigkeit eines begrenzten Militärangriffs der USA gegen Syrien. Wie die New York Times berichtete, hätte ein solcher Angriff laut US-Diplomaten zu viele unabsehbare Folgen für die Region und auch für das Ansehen der USA und die Verbreitung des Anti-Amerikanismus.

Der ehemalige US-Botschafter in Syrien, Ryan Crocker, sagte der Zeitung, die USA seien über das Land Syrien allgemein ziemlich unwissend. Ein Angriff könnte zwar Präsident Baschar al-Assads Militär treffen, die Dynamik des Bürgerkrieges würde dies allerdings kaum ändern. Gleichzeitig ist es nach Ansicht der Experten unwahrscheinlich, dass eine Bombardierung die streitenden Parteien in Syrien zu einer diplomatischen Lösung zusammenbringen könnte. Die Times zitiert einen westlichen Offiziellen, nach dem eigentlich keine Vorteile eines solchen Angriffs zu erkennen sind.

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Die US-Regierung um Präsident Barack Obama erwägt einen begrenzten Militäreinsatz in Syrien. Obama stützt sich dabei auf "klare und schlüssige" Beweise der amerikanischen Geheimdienste für Giftgaseinsätze des syrischen Regimes. Er sagte aber, er habe noch keine endgültige Entscheidung über eine Militärintervention getroffen. "Wir denken an eine kurze, begrenzte Aktion, die nicht nur Syrien, sondern auch anderen Staaten zeigt, dass die internationale Gemeinschaft darauf besteht, dass die Normen im Bezug auf den Bann von Chemiewaffen eingehalten werden", sagte Obama. Auf keinen Fall wolle er eine Militäraktion mit Bodentruppen.

Obama kündigte an, sich noch am Samstag öffentlich zum weiteren Vorgehen im Syrien-Konflikt äußern zu wollen. Um 19.15h (MEZ) werde der Präsident ein Statement im Rosengarten des Weißen Hauses abgeben, teilte sein Büro mit. Nach Angaben aus dem Weißen Haus will er darin keinen sofortigen Militärangriff ankündigen.

Putin fordert Beweise

Auch der frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach sich gegen einen Militärangriff aus. "Ich glaube nicht, dass ein Militärschlag zum Erfolg führt", erforderlich sei eine politische Lösung, sagte Jung der Frankfurter Rundschau. "In Syrien weiß man ja überhaupt nicht, wen man konkret unterstützen soll", sagte Jung. Auf der einen Seite sei er "betroffen" über den Einsatz von Giftgas und darüber, wie grausam Assad generell mit der eigenen Bevölkerung umgehe. Auf der anderen Seite seien bei den Rebellen Leute von Al-Kaida dabei.

Der Syrien-Konflikt verschärft die Spannungen zwischen den USA und Russland. Der russische Präsident Putin forderte, die USA sollten ihre Giftgas-Beweise unverzüglich den UN-Inspekteuren und dem UN-Sicherheitsrat vorlegen. "Wenn sie keine vorzeigen, heißt das, sie haben keine", sagte Putin. Es entspräche außerdem keiner Logik, "dass die syrische Armee Giftgas an einem Tag einsetzt, an dem UN-Beobachter ins Land kommen". Putin sprach sich zudem dafür aus, beim G20-Gipfel mit Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel in St. Petersburg am 5. und 6. September auch über Syrien zu diskutieren.

Die Bundesregierung hält die US-Angaben zu einem Giftgaseinsatz durch das syrische Regime für plausibel, schließt einen Einsatz der Bundeswehr ohne internationales Mandat aber weiterhin kategorisch aus. Außenminister Guido Westerwelle sprach in der Welt am Sonntag von schwerwiegenden Argumenten. "Sie weisen klar in Richtung des Assad-Regimes", sagte er. Das syrische Regime wies die Vorwürfe der USA als haltlose Lügen zurück. Diese basierten auf erfundenen Berichten von Rebellen.

Der ehemalige deutsche UN-Botschafter Gunther Pleuger forderte die USA auf, zunächst den Bericht der UN-Inspekteure abzuwarten. Im Deutschlandfunk sagte er: "Man wird natürlich schon an Irak erinnert, wo solche angeblichen Beweise vorgelegt wurden, und alle nicht stimmten." Auch der frühere KFOR-Kommandeur Klaus Reinhardt wies darauf hin, dass ein Militäreinsatz auf klaren Beweisen beruhen müsse. Das Grundproblem sehe er in der Glaubwürdigkeit der Argumentation und dem Nachweis, "dass tatsächlich das Assad-Regime die Chemiewaffen eingesetzt hat", sagte er dem Magazin Focus.

Leserkommentare
  1. “Syrien ist der Spielball in einem knallharten wirtschaftlichen Konflikt um den globalen Energie-Markt. Es geht um den Zugriff auf Erdöl und Erdgas und um die Währung, in der diese Ressourcen bezahlt werden. Die Amerikaner haben viel zu verlieren, die Russen auch. Der Strippenzieher im Hintergrund kommt aus Saudi-Arabien.

    In Syrien geht es um die Weichenstellungen für den internationalen Energiemarkt. Es geht, wie immer bei Kriegen, um Öl, Gas und Marktzugänge.

    Deutlich wurde dieser Konflikt aus den Notizen eines Treffens zwischen Russlands Präsident Wladimir Putin und dem saudischen Geheimdienst-Chef Prinz Bandar bin Sultan. Von diesem Treffen berichtete die Nachrichtenagentur AFP Anfang August.

    Für MPN schreiben sie, dass der saudische Geheimdienst für den Giftgas-Einsatz verantwortlich sei. Dies gehe aus zahlreichen Interviews hervor, die sie vor Ort geführt haben. Demnach sollen die Saudis die Waffen nach Syrien gebracht haben. Durch unsachgemäße Bedienung soll es dabei zu einer Explosion gekommen sein, bei der auch 12 Terroristen getötet worden seien.

    Für die Russen ist Syrien von enormer strategischer Bedeutung, weil die Russen verhindern wollen, dass Katar für den europäischen Energie-Markt zur Alternative wird. Wenn Russland seinen Einfluss in Syrien verliert, hätte dies zur Folge, dass dem russischen Energieriesen Gazprom ein ernster Konkurrent aus der Golf-Region erwachsen könne. Gegenwärtig ist Europa bereits vom russischen Gas-Monopol abhängig.“

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    Der investigative Journalismus ist wieder im kommen.

    Und hiermit öffnen Sie uns die Augen, mit solch einer detaillierten und qualifizierten Information, dass Sie jedes Konzern-Medium mit Kusshand engagiert!

    Dann können wir endlich wieder ausgewogene journalistische Recherche als Grundlage unseres Handelns nehmen.

    Ja wer soll denn nun für den Giftgasanschlag verantwortlich sein?

    Im ersten Kommentar wir der saudische Geheimdienst genannt, im dritten dann doch Israel, wobei Katar nebenbei auch noch groß mitspielt.

    Irgendwie unterscheidet sich ihre auf reiner Quantität basierende Auflistung von möglichen Schlussfolgerungen nicht von gängigen Mainstream-Versionen.

    Schade. Eigentlich las sich das ganz gut. Aber wahrscheinlich auch nur weil man es nicht so oft liest. ;-)

  2. Die Saudis haben allerdings ein starkes Argument auf ihrer Seite: Sie planen gemeinsam mit Katar eine Pipeline, die vom Golf bis in die Türkei verlaufen soll. Damit würde Gazprom einen echten Konkurrenten bekommen – vor allem im wichtigen europäischen Markt.

    Katar, das die syrischen Rebellen mit 3 Milliarden Dollar unterstützt hat, will über diese Pipeline Europa mit Erdgas beliefern. Doch solange Assad in Syrien herrscht, wird diese Pipeline nicht gebaut werden, weil Russland diese Konkurrenz unbedingt verhindern will.

    Neben der Kontrolle des europäischen Energiemarkts geht es jedoch auch um die Währung, in der Erdöl und Erdgas bezahlt werden. Der Dollar steht immer mehr unter Druck, seinen Status als Weltreservewährung und als Ölwährung zu verlieren. Saudi-Arabien als treuer Verbündeter der USA wird am Dollar festhalten. Im Falle von Russland ist das jedoch nicht der Fall.

    Wie wichtig sind die Erdölvorkommen im Nahen Osten für Amerika?

    Scholl-Latour: Das spielt sicher eine ungeheure Rolle und ist ein ganz wesentlicher Kernpunkt der gesamten Nahost-Strategie. Aber das gilt für alle Regierungen, übrigens auch für uns: Wir machen Erdölpolitik mit Russland zur Sicherung unserer Energieversorgung.“ Q: focus.de

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/31/schmutzige-deals-w...

    http://julius-hensel.com/2013/08/syrische-rebellen-bekennen-sich-zu-gift...

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  3. Das ist aber noch nicht alles und spielt evtl. sogar nur eine Nebenrolle. Stichwort: Israel/Iran

    “Französischer Ex-Minister: Syrien-Krieg seit 2009 geplant

    Er wies darauf hin, dass die Vorbereitungen auf die Ereignisse in Syrien bereits lange vor 2011 begonnen hätten mit dem Ziel, die syrische Regierung zu stürzen, da diese Israel als feindlich betrachtet. Laut Aussage der israelischen Regierung versuche man sich mit den Nachbarstaaten zu arrangieren, und falls dies nicht funktioniere, werde man deren Regierungen stürzen.“

    http://www.gegenfrage.com/franzoesischer-ex-minister-syrien-krieg-seit-2...

    Auch der Islamwissenschaftler Michael Lüders erwähnte dies in der Sendung “Beckmann“ (ARD).

    “Die Mayor Player der Region sind Israel und Iran, hinter denen sich ihre jeweiligen Partner aufreihen. Israels Ziel ist es, gemeinsam mit Lakaien wie NATO- und GCC-Staaten die iran-freundliche Achse des Widerstandes zu schwächen, oder besser noch, zu zerstören, damit Israel seine regionale Dominanz bewahren kann.“

    http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2013/05/20/in-syrien-gehts-nicht-...

    “Beweise für führende israelische Beteiligung an Giftgas-Attacke in Damaskus verdichten sich“

    http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2013/08/28/beweise-fur-fuhrende-i...

    Scholl-Latour hat also nicht ganz unrecht. Iran schwächen und Landbrücke verhindern.

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    • welll
    • 31. August 2013 20:00 Uhr

    und da fordere noch jemand von den USA Beweise.

    Keine Frage gibt es in dem Konflikt Interessen, die weit über das Fortbestehen und den Fall einer Diktatur hinaus gehen, aber was hier an Quellen angeführt bzw. zusammengewürfelt wird ist nicht wirklich als seriös zu werten.

  4. ... sehen keinen Sinn in einem Kurzangriff (= völkerrechtswidriger Kriegserklärung seitens der USA aufgrund von Spekulationen).

    Siehe diverse Umfragen in den Staaten, die es gar nicht erwarten können, einen neuen Krieg vom Zaun zu brechen (GB, F, USA und bei uns).

    Lediglich die Politik und die MEDIEN finden das mittlerweile unterstützenswert ...

    9 Leserempfehlungen
    • ReTaro
    • 31. August 2013 19:19 Uhr

    Ich glaube das Obama die Türken den Vortritt lässt; die sind ja schon Scharf.
    freesyria6.webnode.com/

    Eine Leserempfehlung
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    Ja, lasst den „Erschaffer“ des Osmanischen Reichs 2.0 mal ran. So ein richtig schicker Neo-Osmanismus fehlt noch in diesem brodelnden Polit-Gemisch des Nahen und Mittleren Ostens.

    Das ist bestimmt extrem friedensfördernd?

  5. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, einen Diktator zu stürzten und der Demokratie zum Sieg zu verhelfen, soll man sie einfach ergreifen.
    Aber warum sollte man in Syrien eine Kriegspartei, deren Sieg man nicht wünscht, militärisch unterstützen?

    Bush hat gelogen, aber er hat wenigstens an den Erfolg seiner Aktion geglaubt.
    Wie dumm muss man aber sein, um einen Militärschlag auszuführen, an dessen Erfolg man nicht glaubt?
    Selbst vielen Israelis dürfte klar sein, dass so eine Aktion nicht nur kontraproduktiv sondern auch äußerst gefährlich wäre.
    Es stellt sich ohnehin die Frage, ob die größte Bedrohung auch in Zukunft vom Iran ausgeht.

    Wer sollte den Amerikanern für einen wirkungslosen, symbolischen Militärschlag aus reiner Kraftmeierei dankbar sein?

    Let it be!

    Wenn die USA tatsächlich über Beweise verfügen, dann können sie sie auf den Tisch legen um damit moralischen Druck auf Russland, China und den Iran auszuüben.

    Besonders die Bevölkerung im Iran ist sehr sensibel, wenn es um Giftgas geht und lehnt das strickt ab.
    Der Iran hatte tausende Tote und zigtausende Verletzte durch Giftgasangriffe Saddam Husseins zu beklagen.
    Allerdings hatten die USA damals Saddam dabei durch ihre Satellitenaufklärung unterstützt.
    Der Iran wäre sicher bereit, zusammen mit den USA ein Abkommen zu unterzeichnen, dass den Besitz sämtlicher Chemiewaffen untersagt.
    So ein Abkommen würden die sogar mit Israel unterzeichnen.

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    • doof
    • 31. August 2013 19:21 Uhr

    wer hätte das vermutet dass die Sinnfrage gestellt wird?

    Allerdings bleibt offen, inwieweit die Experten Einblick in die Sinnhaftigkeit eines solchen Eingreifens aus Sicht ger USA gewonnen haben und, ob sich die US-Administration von solchen Nichtigkeiten wie Ineffizienz (von aussen betrachtet) von ihrem Abenteuer abhalten lassen.
    Das letzte Jahrzehnt hat gezeigt: Sinn oder nicht Sinn - diese Frage stellt sich für die US Regierung nicht.

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    Ich denke man kann davon ausgehen, dass die USA um die Sinnlosigkeit eines Kurzangriffs sehr gut Bescheid wissen. Das heißt, wenn wir den Amerikanern nicht plump Dummheit unterstellen wollen, dann ist die Frage welche Strategie die verfolgen. Ich denke dass man einfach nicht so direkt sagen will, was schon die ganze Zeit geplant ist, nämlich die Entsendung von Bodentruppen.

  6. Alle Experten sehen die Gefahren, sehen das Obama sinnlos handeln möchte, sehen das er kindisch handelt, Merkel unterstützt es Hollande unterstützt es Caeron hätte es gerne unterstützt. Und das traurige ist das dabei Menschen sterben werden, sinnlos geopfert, das es kein UNO Mandat gibt das nimmt einfach jeder hin es gibt keine internationale Entrüstung, keine scharfe Kritik, nein die Konsorten wie Merkel beschweren sich über Rußland. In Bahrein schlägt Saudi Arabien mit Deutschen Waffen den verzweifelten Aufstand der Unterdrückten nieder, und Merkel heuchelt und heuchelt. Man muss sich für diese Regierung schämen, und die Führer der sogenannten westlichen Welt selbstgerechte Eitle Pfaue denen das Wohl der Menschen weder im eigenen Land noch sonst wo am Herzen liegt, so lange sie ihre Pläne umsetzen können, das ist das einzige was für die Zählt und natürlich die Wiederwahl.

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