Die US-Regierung hält alle Zweifel für ausgeräumt, dass das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad am 21. August Chemiewaffen in einem Vorort von Damaskus eingesetzt hat. Außenminister John Kerry sagte, die Beweise für den Einsatz von Giftgas in Syrien seien "klar und schlüssig". Dabei seien 1.429 Menschen getötet worden, mehr als 400 davon Kinder.  Das vollständige Dokument findet sich auf der Website des Weißen Hauses.

Kerry sagte, es handele sich um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Assad sei ein "Verbrecher und Mörder". Die Frage sei nicht mehr, was bekannt sei, sondern was die Welt nun gemeinschaftlich dagegen unternehmen wolle. Er sagte, die USA würden sich bei der Entscheidung zu einer Reaktion auf den Giftgaseinsatz von ihren eigenen Interessen leiten lassen.

Kerry bezog sich unter anderem auf geheimdienstliche Erkenntnisse. Die US-Dienste hätten alle Fakten ausführlich überprüft und seien sich sicher, was exakt passiert sei. Die Ergebnisse der Untersuchung der Vereinten Nationen würden keine zusätzlich nötigen Beweise erbringen. 

Der Außenminister verwies darauf, dass Mitglieder der Assad-Regierung drei Tage zuvor am Schauplatz der Attacke aufgetaucht waren, um Vorbereitungen zu treffen, sagte Kerry weiter. Die USA wüssten auch, dass die mit Chemiewaffen bestückten Raketen von Gebieten abgefeuert wurden, die sich in der Hand der Regierung befinden. 


US-Präsident Barack Obama hatte sich vor Kerrys Auftritt vor der Presse im Weißen Haus mit ranghohen Beratern des Nationalen Sicherheitsrats getroffen, um einen möglichen Militärangriff gegen Syrien zu erörtern. Vor einem Jahr hatte Obama einen Einsatz chemischer Waffen durch das syrische Regime zur roten Linie erklärt. 

Das britische Parlament hatte einer Beteiligung des Landes an einem möglichen Angriff gegen Syrien abgelehnt. Die USA und Frankreich zeigten sich trotz anhaltender Warnungen aus Russland weiter zu einem militärischen Eingreifen in den Konflikt entschlossen. Doch die Zweifel an einem solchen Schritt sind auch in den USA groß: Einer Umfrage für den TV-Sender NBC zufolge unterstützt nur die Hälfte der Bevölkerung mögliche Luftangriffe.

Die syrische Opposition wirft den Truppen Assads vor, in der vergangenen Woche Hunderte Menschen bei Damaskus mit Giftgas getötet zu haben. Die syrische Führung weist dies zurück. Ein Bericht von Inspektoren der Vereinten Nationen, die prüfen sollen, ob es einen solchen Angriff gab, steht noch aus.