In Tunesiens Hauptstadt Tunis sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die islamistisch geführte Regierung zu demonstrieren. Wie die Behörden mitteilten, verlief die Demonstration friedlich. Es waren deutlich weniger Teilnehmer gekommen als noch vor drei Wochen: Etwa 10.000 hatten sich zur Demonstration versammelt. 

Die Demonstration war der Auftakt für eine Woche von Protesten einiger Oppositionsparteien, die sich unter dem Namen Nationale Rettungsfront zusammengeschlossen haben. Sie fordern den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Ali Larayedh und bis zu Neuwahlen die Einsetzung eines Kabinetts aus Technokraten.

Tunesiens größte Gewerkschaft UGTT vermittelt bereits zwischen beiden Seiten, um die geforderte Expertenregierung ins Leben zu rufen. Die regierende Ennahda-Partei stimmte einem solchen Kabinett "im Prinzip" zu, allerdings nur nach weiteren Verhandlungen.

Das wertete die Opposition jedoch als Hinhaltetaktik. Die Opposition sei erst zu Gesprächen bereit, wenn die Regierung aufgelöst ist, sagte Karima Souid von der linksgerichteten Al-Massar-Partei. 

Larayedhs Ministerrunde wird vorgeworfen, die Sicherheit im Land nicht ausreichend zu garantieren und die Wirtschaft nicht zu stärken. "Wir haben Euch ausprobiert, Ihr seid gescheitert, jetzt geht!", riefen die Demonstranten am Samstag.

Aus Protest gegen die Regierung haben Oppositionspolitiker ihre Arbeit im Parlament mittlerweile ausgesetzt. An der Demonstration vom Samstag nahmen sie mit Leibwächtern an ihrer Seite teil — viele von ihnen hatten Morddrohungen bekommen.

Die Lage in Tunesien ist seit der Ermordung des Oppositionspolitikers Mohamed Brahmi Ende Juli angespannt. Er war vor seinem Haus mit 14 Schüssen getötet worden. Bereits im Frühjahr hatte es nach dem Mord an einem zweiten Oppositionspolitiker, Chokri Belaïd, Unruhen in dem Land gegeben, das als Ausgangspunkt des Arabischen Frühlings gilt.

Die Regierung vermutet hinter beiden Morden islamische Extremisten. Die Opposition ihrerseits sieht darin ein Zeichen, dass die Regierung ihre Bürger nicht schützen kann. Ende Juli hatte die Regierung für den 17. Dezember eine Neuwahl angekündigt. Rücktrittsforderungen hatte sie zurückgewiesen. Die islamistische Ennahda-Partei regiert seit der Wahl 2011 zusammen mit zwei weltlichen Koalitionspartnern.  

Anfang 2011 war Machthaber Zine el Abidine Ben Ali unter dem Druck der Proteste zurücktreten, was als der Beginn des Arabischen Frühlings gilt.