ChemiewaffenSyrien verbietet Giftgas-Inspektoren Untersuchung des Massakers

Bis zu 1.300 Menschen sollen bei Angriffen mit Chemiewaffen in Syrien gestorben sein. Die Regierung aber will die UN-Inspektoren nicht an den Ort des Massakers lassen.

Angehörige trauern um die Opfer eines mutmaßlichen Giftgas-Angriffs in Syrien

Angehörige trauern um die Opfer eines mutmaßlichen Giftgas-Angriffs in Syrien   |  © AP Photo/Local Committee of Arbeen

Die syrische Regierung will kurzfristig keinen Besuch der UN-Experten in einem umkämpften Gebiet östlich von Damaskus erlauben. Der syrische Informationsminister, Omran al-Soabi, sagte dem Sender Russia Today, die Chemiewaffen-Experten könnten nicht einfach spontan den Bezirk Al-Ghuta Al-Scharkija inspizieren. Dafür bedürfe es vorab einer "Vereinbarung mit der Regierung".

Die Vereinten Nationen hatten angekündigt, neuesten Vorwürfen nachzugehen, denen zufolge die syrische Regierung Giftgas gegen die Opposition in Al-Ghuta nahe Damaskus eingesetzt habe. Er selbst habe nur Fernsehbilder des Anschlags gesehen, von dem die Opposition berichte, sagte der Chef des UN-Expertenteams für Chemiewaffen, Åke Sellström, der schwedischen Nachrichtenagentur TT.

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"Die erwähnte hohe Anzahl Verletzter und Getöteter klingt verdächtig. Es klingt wie etwas, das man untersuchen sollte", zitierte TT den Experten. Für eine Untersuchung müsste sich Sellström zufolge ein UN-Mitgliedsstaat an den Generalsekretär der Vereinten Nationen wenden. Ein Vertreter der oppositionellen Nationalen Syrischen Allianz hatte zuvor berichtet, Regierungstruppen hätten bei Angriffen auf Dörfer östlich von Damaskus 1.300 Menschen getötet und dabei auch Giftgas eingesetzt. Die Regierung dementierte den Giftgaseinsatz.

Experten zeigten sich von Zeit und Ort des angeblichen Giftgasangriffs überrascht. Nur drei Tage zuvor waren die Chemiewaffen-Inspektoren in ein wenige Kilometer entferntes Hotel in Damaskus eingezogen. "Es wäre sehr seltsam, wenn die syrische Regierung ausgerechnet in dem Moment zu solchen Mitteln greifen würde, wenn die Beobachter im Land sind", sagte der ehemalige schwedische Diplomat Rolf Ekeus, der in den 1990er Jahren ein Team von UN-Waffeninspektoren im Irak geleitet hatte. "Zumindest wäre es nicht sonderlich schlau."

Größter Chemiewaffeneinsatz seit Saddam Hussein

Außenminister Guido Westerwelle forderte bereits eine schnelle Klärung der Vorwürfe. "UN-Inspekteure müssen umgehenden Zugang erhalten und Vorwürfe vor Ort aufklären", teilte er mit. Diese Vorwürfe seien sehr gravierend und alarmierend, fügte Westerwelle am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel hinzu.


Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sprach in Berlin von überaus ernsten Vorwürfen. Die Bundesregierung könne diese jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit eigenen Quellen bewerten.

Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton reagierte "mit großer Sorge" auf die Berichte. Nach Angaben eines Sprechers forderte sie eine "unverzügliche und eingehende Untersuchung" der Berichte.

"Die EU bekräftigt, dass jeder Einsatz von chemischen Waffen in Syrien, von welcher Seite auch immer, völlig inakzeptabel wäre", sagte der Sprecher. Die Untersuchungsgruppe der UN müsse nun uneingeschränkten Zugang zu allen Gebieten in Syrien haben, die sie besuchen wolle. Die Regierung und alle anderen Parteien in Syrien müssten mit der UN-Mission zusammenarbeiten.

Die syrische Opposition wirft den Regierungstruppen vor, mit Nervengas bestückte Raketen vor Morgengrauen auf mehrere Vororte der Hauptstadt Damaskus abgefeuert zu haben. 90 Prozent der Opfer seien durch Nervengas umgekommen, der Rest durch Bomben und andere Waffen. Eine unabhängige Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Giftgas in der Vergangenheit als rote Linie bezeichnet und vor Konsequenzen gewarnt. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre es der schwerste Chemiewaffenangriff seit 1988, als der damalige irakische Staatschef Saddam Hussein Tausende Kurden in der Stadt Halabdscha mit Giftgas tötete.

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Leserkommentare
  1. dann könnte das von der Bundesregierung doch längst erledigt sein.
    Das wäre nützlicher als das unnütze Betroffenheitsgerede von AA und Ashton.

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    dann hätte ja Politiker Arbeiten müssenund keine Pr dafür gehabt ...... also wirklich

    ^^^^-------------------- SATIRE ---------------------------------

    Ja man fragt sich wirklich warum das nicht schnell erledigt wurde, aber warscheinlich ist da denn doch ein bischen mehr zu erledigen als einen formlosen Antrag zu stellen.

    Wir solltem mal warten bis sich der Staub gelegt hat und was dann daraus geworden ist. Heute morgan waren es noch unter 300 Opfer nun schon über 1ooo mehr. Das Propaganda nun mal zum Krieg gehört weis man ja, und auch den Mitglidern der Kommission kommt es schon verdächtig vor.

    Man wird wohl erst mal in Syrien selber prüfen wollen was los war, so das man sich nicht von der gegenseite verladen lässt, da ja auch die Rebellen ebenfalls Giftgas haben ( man hat sie ja beim schmugeln nach Syrien in der Türkei erwischt ).

    Aber ich glaub das in 3-4 Tagen die Erlaubnis da sein sollte und das der Vorfall nicht an den UN- Ispectoren dran vorbei gehen kann.

    • KaneZ
    • 21. August 2013 16:24 Uhr

    Wir sollten an dieser Stelle nichts überstürzen und auf keinen Fall bereits den Stab über der syrischen Regierung brechen. Es könnte sich dabei ebenfalls um eine geschickte Inszenierung durch die Rebellen handeln.

    Abwarten ist hier die Devise. Wir müssen hier an unsere politischen und wirtschaftlichen Interessen denken, bevor wir uns durch Menschenleben zum Handeln gezwungen sehen.

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    In dieser Art hatte sich ja auch schon Bundespräsident Horst Köhler geäußert.

    sollten Sie dann allerdings nicht den Stab brechen.

    möglichst schnell die gegen sie erhobenen Vorwürfe zu entkräften? Falls ja sollte sie so schnell als möglich den Inspektoren Zugang zu den Gebieten verschaffen. Warum zögert sie?

    • kries80
    • 21. August 2013 22:21 Uhr

    @ KaneZ Titel "Ruhe bewahren"

    Wie lange noch Ruhe bewahren?

    Und: In diesem Moment von "unseren politischen und wirtschaftlichen Interessen" zu sprechen, die wirtschafltichen immerhin an zweiter Stelle zu nennen, aber beide - Interessen - über das GEBOT "Wahrung von Menschenleben" (wie auch immer man das erreicht) zu stellen? Mit Verlaub: Das finde ich etwas geschmacklos; unabhängig davon, ob Giftgas eingesetzt wurde oder, ob es sich nur um Propaganda handelt.

  2. Damals hat es auch keinen Interessiert, dass UNO - Truppen im Land waren.
    Liebe Bundesregierung, bitte UNO anrufen!

    7 Leserempfehlungen
  3. In dieser Art hatte sich ja auch schon Bundespräsident Horst Köhler geäußert.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ruhe bewahren."
    • ReTaro
    • 21. August 2013 16:30 Uhr

    Ich glaube, das hier gezielt die A-Waffe der Probaganda gezündet wird. Der Zeitpunkt überschneidet sich zu sehr, so doof kann kein Diktator sein ! Das ist jetzt zu Durchsichtig; welcher Idiot holt sich die UNO ins Land und lässt die Bombe platzen. Wenn sich dies als Lüge herausstellt muss man die Verantwortlichen zu Gericht stellen ! Entspricht dies der Wahrheit; sollten JETZT die Waffen sprechen; gegen Assad. Nun ist auch mal Schluss.

    7 Leserempfehlungen
    • calmon
    • 21. August 2013 16:33 Uhr

    Assad ist alles möglich aber bestimmt kein Idiot der es sich mit Russland verscherzt.

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    Assad ist sicherlich kein Idiot - deshalb paßte die Inszenierung gut, um sie den Rebellen in die Schuhe zu schieben. - Abwarten und Tee trinken, die Toten können es nicht mehr. -

    Naja, wenn man bedenkt, wie begeistert die Rebellen von Anfang an den Steilpass von Obamas roter Chemiewaffen-Linie aufnahmen, ergibt es schon einen gewissen Sinn. Dazu noch die frisch eingetroffen UNO-Chemiewaffeninspektoren. Das kann kein Zufall sein. Die Meldungen zum Vorfall von der "anderen Seite" passen dazu:
    http://de.rian.ru/politic...

    So, wie sich die Akteure in der Syrien-Krise die Bälle zuspielen, erinnert das sehr an ein Kasperletheater aus der Vorschule. Nun, Weltpolitik ist das, was unsere Eliten dazu erklären. Wir könne uns nur zurücklehnen und es genießen - oder verzweifeln, je nach Gusto.

    Glaubt man die Welt wieder einmal täuschen zu können? Am lautesten schreit z. ZT.wieder einmal ein Engländer namens Cameron, nun endlich zu handeln, ganz in der Tradition wie schon sein Vorgänger Toni Blair? Der US Pudel nr. One bläst bläst zur Jagt, um vom eigenen politischen Versagen abzulenken?

  4. sollten Sie dann allerdings nicht den Stab brechen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ruhe bewahren."
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    • fx66
    • 21. August 2013 18:24 Uhr

    Wo hat er das denn getan? Er hat lediglich die Botschaft aus diesem Meinungsartikel mit einem Gegenbeispiel entkräftet ("könnte").

    > Es könnte sich dabei ebenfalls um eine geschickte Inszenierung durch die
    > Rebellen handeln.

  5. "Es wäre sehr seltsam, wenn die syrische Regierung ausgerechnet in dem Moment zu solchen Mitteln greifen würde, wenn die Beobachter im Land sind", sagte der ehemalige schwedische Diplomat Rolf Ekeus, der in den 1990er Jahren ein Team von UN-Waffeninspektoren im Irak geleitet hatte."

    Die 9to5 Jobber in London, mit ihren tollen Flipcharts und PP-Präsentationen, verstehen einfach nicht, dass Schummeln nicht mehr so einfach geht. Granaten über die Grenze genau auf ein türkisches Krankenhaus, wo zufällig Frauen und Kinder getötet werden, Satellitenbilder die zeigen sollen, dass Assad die Stadt zerbombt, und auf dem Foto sieht man nur Krater um die Stadt herum etc.

    Die sollen sich mal richtig ins Zeug schmeissen und etwas schlaueres bieten, oder die Projektgruppe vielleicht mal umstrukturieren.

    18 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, AP, zz
  • Schlagworte Guido Westerwelle | Bundesregierung | Barack Obama | Saddam Hussein | Vereinte Nationen | Auswärtiges Amt
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