Uruguay will als erstes Land in Lateinamerika Marihuana legalisieren. Das Unterhaus in der Hauptstadt Montevideo stimmte nach elf-stündiger Debatte in der Nacht zu Donnerstag mit knapper Mehrheit für das entsprechende Gesetz. Nun geht der Entwurf an den Senat, wo ebenfalls eine Mehrheit erwartet wird.

Der Konsum von Marihuana ist in Uruguay erlaubt, Kauf und Verkauf, Herstellung oder Besitz von Marihuana-Pflanzen sind aber verboten. Tritt das Gesetz in Kraft, könnten sich in Uruguay ansässige Personen in ein Register eintragen lassen und bis zu 40 Gramm pro Monat in lizenzierten Apotheken kaufen. Alternativ dürften sie selbst sechs Pflanzen kultivieren oder sich offiziellen Klubs anschließen.

Mit dem Vorhaben will Uruguay einen staatlich kontrollierten Markt für Marihuana schaffen und Lizenzen für die Herstellung, Verteilung und den Verkauf der Droge vergeben. Dadurch soll die organisierte Drogenkriminalität eingedämmt werden.

Zehntausende Tote durch Drogenhandel

Der amerikanische Kontinent leidet stärker als jede andere Weltregion unter der Drogenkriminalität: Auf 100.000 Einwohner kommen pro Jahr 16 Morde, die zweithöchste Rate nach Afrika . Hauptursache dafür ist der Verteilungskampf um das Milliardengeschäft mit Kokain, Marihuana und anderen Betäubungsmitteln. Die Drogenkartelle destabilisieren im Kampf um Handelsrouten ganze Staaten.

In Lateinamerika werden Forderungen nach einer neuen Drogenpolitik deshalb lauter. Unter anderem fordert der ehemalige mexikanische Präsident Vicente Fox ein Ende der Prohibition. Jeden Tag würden allein in Mexiko 40 junge Menschen durch den Drogenkrieg ums Leben kommen , rechnete er kürzlich vor. Das Land setzt wie Kolumbien im Kampf gegen Drogenhandel auf Gewalt. Häufig werden auch Unbeteiligte Opfer. 

Bericht schlägt alternative Drogenpolitik vor

Fox ist wie die ehemaligen Präsidenten von Brasilien , Chile und Kolumbien sowie dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan Mitglied der Weltkommission für Drogenpolitik . Die Vereinigung versucht seit 2011, den weltweiten Krieg gegen Drogen zu beenden.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte im Mai Vorschläge für eine neue Drogenpolitik ohne Gewalt präsentiert. Mehrere Szenarien wie zum Beispiel Entkriminalisierung, Regulierung oder Legalisierung des Handels könnten Verbote ablösen, heißt es darin. Auch das UN-Drogenabkommen soll reformiert werden. Es sei an der Zeit, dass Regierungen aller Staaten mit Regulierungen experimentierten, die an die Realitäten und lokalen Bedürfnisse angepasst seien.

Bevölkerung laut Umfragen gegen Liberalisierung

Kritiker warnen jedoch, dass Marihuana eine Einstiegsdroge sei. Eine Legalisierung würde zu mehr Abhängigen führen. Während seines Besuchs in Brasilien lehnte Papst Franziskus eine Liberalisierung der Drogenpolitik ab . Auch die USA als eines der Hauptabnehmerländer der Drogen aus Lateinamerika sind dagegen.

In der Bevölkerung ist die Skepsis ebenfalls groß. Jüngste Umfragen in Uruguay zeigen, dass zwei Drittel der Bewohner gegen die Legalisierung sind – obwohl Präsident José Mujica die Abstimmung über die Pläne bereits um sechs Monate verschoben hatte, um mehr Unterstützung zu bekommen.