Als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen der ägyptischen Armee gegen islamistische Demonstranten hat US-Präsident Barack Obama ein gemeinsames Militärmanöver abgesagt. Auch werden vier Kampfflugzeuge vom Typ F-16 zunächst nicht an das Land geliefert. Weitere Sanktionen gegen Ägypten gibt es bislang nicht aus den USA. Laut einem Medienbericht sind dafür Kooperationsvereinbarungen zwischen beiden Staaten verantwortlich. 

Nach Angaben der New York Times brauchen die USA das ägyptische Militär unter anderem, weil es der US-Luftwaffe sehr schnell Überflugrechte gebe. Das betreffe etwa Versorgungsflüge zu den US-Truppen in Afghanistan, Aktionen gegen mutmaßliche Terroristen im Nahen Osten, am Horn von Afrika, Ostafrika oder in Südwestasien. Andere Staaten brauchten dafür oft eine Woche, die Ägypter gäben diese Überflugrechte deutlich schneller.

Ähnlich sei es beim Transit durch den Sueskanal. Auch hier erhielten US-Marineschiffe Vorfahrt, selbst wenn sich die Container- und Ölfrachter dort stauten wie Autos im Berufsverkehr. Damit spare die US-Marine Tage, um vom Mittelmeer in den Indischen Ozean zu gelangen und umgekehrt.

"Wir brauchen sie für den Sueskanal, wir brauchen sie für die Überflugrechte, wir brauchen sie wegen des Friedensvertrags mit Israel und wir brauchen sie für den fortgesetzten Kampf gegen gewaltsame Extremisten, die genauso eine Bedrohung sind für Ägyptens Übergang zur Demokratie wie für amerikanische Interessen", sagte dem Blatt General James N. Mattis, der in diesem Jahr als Chef des Zentralkommandos des US-Militärs ausgeschieden ist. Das Zentralkommando mit Sitz in Tampa, Florida, ist das Regionalkommando für den US- Einsatz im Nahen Osten, Ostafrika und Zentralasien. Ihm unterstellt sind zum Beispiel die Truppen in Afghanistan und dem Irak.

Mit diesen Vorzugsleistungen hätten die ägyptischen Militärs einigen Einfluss in Washington, berichtete die New York Times. Und die Absage des Manövers Bright Star sei möglicherweise nicht nur ein Akt gegen das ägyptische Militär; es sei ohnehin wohl schwierig, in der gegenwärtigen Situation die Sicherheit von Tausenden US-Soldaten in Ägypten zu garantieren.