USADie Republikaner suchen eine neue Identität

Konservativ, männlich, weiß: Das ist das Image der republikanischen Partei. Jetzt will sie sich neu erfinden. Hoffnungsträger ist ein undogmatischer Gouverneur.

US-Präsident Barack Obama und der Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey Chris Christie (l.)

US-Präsident Barack Obama und der Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey Chris Christie (l.)  |  © Saul Loeb/AFP/Getty Images

Die Republikaner in den USA gelten als konservativ und verschlossen gegenüber Minderheiten. Doch die Partei will dieses Image jetzt abstreifen: Auf dem Sommertreffen des Republikanischen Nationalkomitees (RNC) vergangene Woche wählte sie vier Jungpolitiker zum Aushängeschild, die nicht zu den alten Klischees passen.  

Die 30-jährige Marilinda García etwa, deren Eltern italienischer und spanischer Abstammung sind. García kritisierte auf dem Treffen, die meisten Republikaner seien "alt, weiß, britischstämmig und männlich".

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In der Kritik steckt viel Kalkül: Die Gruppe der US-Bürger mit lateinamerikanischem Migrationshintergrund wächst stetig, und sie hat bei der Wiederwahl Obamas im vergangen Herbst eine entscheidende Rolle gespielt. Wollen die Republikaner die nächste Wahl gewinnen, müssen sie um die Stimmen dieser Wähler werben, mit Leuten wie García.

Für das neue Image der Republikaner steht auch der 52-jährige Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey. Er ist zwar weiß, männlich und nicht mehr ganz jung. Doch mit seiner pragmatischen Art könnte er eine wirkliche Gefahr für die Demokraten werden. Christie kritisiert, was ihm nicht passt, und nimmt dabei keine Rücksicht auf die eigene Partei. Deutlich wurde das etwa nach dem Hurrikan Sandy im vergangenen Jahr. Christie wetterte gegen Parteikollege John Boehner, der eine Abstimmung über 60 Milliarden Dollar verhinderte, die für die Opfer des Wirbelsturms bestimmt waren. 

Der Bundesstaat New Jersey wurde damals schwer vom Wirbelsturm getroffen. Auch beim Besuch Barack Obamas in New Jersey setzte sich Christie über parteipolitische Grenzen hinweg. Er lobte die zügigen Hilfsmaßnahmen der Regierung. Obama wiederum gab das Lob an den Gouverneur zurück. 

Schon vor der US-Wahl 2012 war Christie als Präsidentschaftskandidat im Gespräch. Für die nächste Wahl 2016 handeln Beobachter ihn erneut als möglichen Kandidaten der Republikaner. Laut New York Times schaffe er gerade die Grundlagen für eine Kandidatur. Unter anderem habe Christie ein Netzwerk aus Großspendern aufgebaut.

Christie ist bei Migranten beliebt

Auch Christie setzt auf die Wählergruppe mit Migrationshintergrund. Laut New York Times investierte er etwa 275.000 US-Dollar in einen spanischsprachigen Fernsehspot. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Quinnipiac University würden 43 Prozent der lateinamerikanischen Einwanderer Christie bei der Gouverneuerswahl im November im Amt bestätigen. Damit liegt er knapp vor seiner demokratischen Herausforderin Barbara Buono (41 Prozent). Unter den Frauen ist Christie ebenfalls beliebter.

Auf dem Republikaner-Treffen der vergangenen Woche stellte die Partei neben García noch drei weitere neue Gesichter vor: Karin Agness, die 2004 einen konservativen Studentinnenklub gegründet hat, Scott Erickson, ein kalifornischer Polizist, der nebenbei schreibt, und T.W. Shannon, der 35-jährige Fraktionsvorsitzende seiner Partei im Repräsentantenhaus von Oklahoma. Shannon hat schwarze und indianische Vorfahren.

Keine Reform der Einwanderungspolitik

Der RNC-Vorsitzende Reince Priebus hofft, dass die Neuen der Partei ein offeneres Image geben. Dennoch: Grundsätzliche Neuerungen, wie eine Wende der Einwanderungspolitik beispielsweise, sieht er nicht unmittelbar bevorstehen. "Ich kann nicht verhehlen, dass das ein extrem schwieriges Thema ist", sagte er. "Aber es ist auch nicht die Antwort auf alle Fragen."  

Der RNC-Vorsitzende Michael Steele fordert dagegen einen Sinneswandel. Er weist darauf hin, dass seine Partei noch immer im Repräsentantenhaus eine grundlegende Reform des Einwanderungsgesetzes blockiert.

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 haben die Republikaner vor allem Stimmen unter den Minderheiten und den Frauen verloren. Elf Prozentpunkte lag Obama bei den Wählerinnen vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Seit der Wiederwahl Reagans im Jahr 1984 konnte kein republikanischer Kandidat mehr Stimmen von Frauen erzielen als sein jeweiliger demokratischer Gegenpart.

Sollte New Jerseys Gouverneur Christie diesmal Präsidentschaftskandidat werden, steht ihm die enge Bindung zu Obama nicht im Wege. Denn Obama darf 2016 nicht noch einmal antreten.

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Leserkommentare
  1. " weiß, männlich und nicht mehr ganz jung." oder lieber
    " italienischer und spanischer Abstammung" statt "alt, weiß, britischstämmig und männlich".

    Vielleicht darf es auch ein "lateinamerikanischen Einwanderer" sein, "schwarze und indianische Vorfahren" wären natürlich auch nicht schlecht.

    Schwierig, schwierig!

    Wie wäre es mit einem Gummibätchen als Präsident, wobei ich keine Farbe praeferieren möchte.

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    Was, bitte, ist das?

    • StefT
    • 18. August 2013 18:31 Uhr

    Er interessiert sich nur für seine eigene politisch Zukunft. Das heißt seine Präsidentschafts-Kanditatur. Dazu schleimt er sich ständig beim ultra-konservativen extrem rechten Rand ein und gibt vor konservativer zu sein als er eigentlich ist. Wieviele Leute und Gruppen unter dieser Politik zu leiden haben ist ihm vollkommen egal.

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    Christie gibt vor, moderater zu sein, als er eigentlich ist.

    Sein Record in NJ zeigt klar, wo er steht. Seine Kritik an Parteikollegen im Hinblick auf die Hurrikanhilfe war nichts als wohlkalkulierte Eigenwerbung.

    • RGFG
    • 18. August 2013 18:33 Uhr

    Nennen Sie mal *einen* weiteren Kandidaten außer Christie, der so etwas wirklich versuchen würde.

    Marco Rubio ist von der Tea-Party schon zum Bettvorleger gemacht worden. Boehner und McConnell sind schon blau im Gesicht vor lautern Nichts-Sagen. Ted Cruz und Rick Perry sind durchgenknallt wie eh' und je.

    Ich glaube es ist genau anders herum. Christie ist der letzte verbliebene prominente Kandidat, der noch vom wahren Gesicht der Republikaner ablenken kann: Weiß, dogmatisch, rassistisch, durchgeknallt...

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    ... auch geistig. Das Problem wird bald erledigt sein, Senator wird der nicht werden wollen.

    Aber Cruz, der fängt erst richtig mit der Durchknallerei an. Ich habe den einmal im Original gehört und habe mehr oder weniger konstatiert, dass der Kerl aus der Psychiatrie abgehauen sein muss.

  2. Was, bitte, ist das?

  3. Entschuldigung, Chris Christie hat keine enge Bindung zu Obama. Was soll der Unsinn?

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  4. ... auch geistig. Das Problem wird bald erledigt sein, Senator wird der nicht werden wollen.

    Aber Cruz, der fängt erst richtig mit der Durchknallerei an. Ich habe den einmal im Original gehört und habe mehr oder weniger konstatiert, dass der Kerl aus der Psychiatrie abgehauen sein muss.

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  5. Christie gibt vor, moderater zu sein, als er eigentlich ist.

    Sein Record in NJ zeigt klar, wo er steht. Seine Kritik an Parteikollegen im Hinblick auf die Hurrikanhilfe war nichts als wohlkalkulierte Eigenwerbung.

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    ... kommen Sie mit moderat nicht weit. In den grösseren Städten - allen voran Newark - geht es wirklich zu, wie bei "The Sopranos" oder "Boardwalk Empire". Allerdings macht der CC daran gemessen wirklich einen guten Job.

  6. ... kommen Sie mit moderat nicht weit. In den grösseren Städten - allen voran Newark - geht es wirklich zu, wie bei "The Sopranos" oder "Boardwalk Empire". Allerdings macht der CC daran gemessen wirklich einen guten Job.

    Antwort auf "Richtiger wäre: "

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, jam
  • Schlagworte USA | Barack Obama | Hurrikan | Minderheit | Mitt Romney | Präsidentschaftskandidat
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