Man kann es ganz einfach sehen: Militärisch ist die britische Absage für einen Angriff in Syrien zu vernachlässigen. Das Problem ist eher ein strategisches als eines, das an Fähigkeiten und Ressourcen scheitern würde, die zur Verfügung stehen. Die bevorstehende, sehr begrenzte Aktion könnten die Amerikaner gut auch allein bewerkstelligen.

Denn das erklärte Ziel von US-Präsident Barack Obama ist, sich in den syrischen Bürgerkrieg nicht hineinziehen zu lassen. Nur deshalb hat es nicht schon längst eine Intervention gegeben. Er macht sich keine Illusionen darüber, die Lage in dem Konflikt entscheidend verändern zu können. "Die Vorstellung, dass die USA dieses konfessionelle, komplexe Problem innerhalb Syriens irgendwie lösen könnten, ist manchmal übertrieben", sagte er kürzlich in einem CNN-Interview.

Der Angriff soll weder direkt das Assad-Regime stürzen, noch die militärische Balance im Land derart verändern, dass – womöglich islamistische – Rebellengruppen die Oberhand gewinnen. Das liegt nicht im Interesse der USA. "Sehr limitiert" wollen sie deshalb vorgehen. Eine Intervention, die deutlich macht: Der Einsatz von Chemiewaffen wird bestraft, die Drohung mit der "roten Linie" war kein hohles Geschwätz. Ein, zwei Tage könnte das im Idealfall dauern, während der vor allem Cruise-Missiles – und das ist die größte Aufgabe – klug gewählte Ziele zerstören, ohne die Verhältnisse in Syrien zu beeinflussen.

Nicht gegen internationalen Widerstand

Ein solch begrenztes Vorgehen kann letztlich kaum mehr zum Zweck haben, als das Gesicht der USA zu wahren. Deshalb ist die britische Absage gleichwohl von großer Bedeutung.

Denn die größte Sorge der Amerikaner muss sein, dass ein möglicher Angriff eben nicht als einsame Entscheidung begriffen wird, die sie gegen den Widerstand der internationalen Gemeinschaft treffen. Allein dass er angesichts der Haltungen Russlands und Chinas mit keinem Mandat des UN-Sicherheitsrats versehen wäre, stellt schon die Legitimität infrage. Deshalb kann Obama keinen Alleingang wollen, die amerikanische Bevölkerung stemmt sich ohnehin gegen eine Intervention.

Befürworter des Einsatzes wie Frankreich betonen, wie wichtig es sei, grundlegende internationale Regeln zu schützen – also in diesem Fall dem Einsatz chemischer Waffen mit einer definitiven Antwort zu begegnen. Am Ende entscheiden sich die Glaubwürdigkeit und der Einfluss der USA aber eben nicht nur an dieser Frage. Sie brauchen eine tragfähige Koalition, die den Angriff nicht nur duldet, sondern ihm durch eine zur Not symbolische Beteiligung Legitimität verschafft. Nur dann hätten die Amerikaner strategisch etwas gewonnen. Der bestmögliche Fall wäre ein Nato-Beschluss.

Die Absage Großbritanniens ist insofern ein schwerer Rückschlag für Obama. Zu sehr hat er sich darauf verlassen, dass der traditionelle Verbündete der USA die Intervention abnickt. Zu sehr hat seine Regierung in den vergangenen Tagen den Eindruck erweckt, die "Koalition der Willigen" sei längst geschmiedet und der Einsatz stehe bereits kurz bevor. Diese Eile war ein Fehler dieses sonst so vorsichtigen Präsidenten.    

Die Briten sind raus. Jetzt wird Obama andere potenzielle Partner überzeugen müssen. Leicht wird es nicht werden, Unterstützer zu finden, die sich auf ein Vorhaben mit ungewissem Ausgang einlassen. Doch gleichwohl ist klar: Eine Antwort auf die Verletzung seiner "roten Linie" wird Obama geben müssen.