Bürgerkrieg : US-Militär bereitet sich auf Eingriff in Syrien vor

Das US-Militär bringt seine Truppen laut Verteidigungsminister Hagel für einen Einsatz in Syrien in Stellung. Obama hat sich noch nicht für einen Angriff entschieden.

Die USA bereiten sich auf die Möglichkeit eines militärischen Eingriffs in Syrien vor. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte, mehrere Optionen seien für den Fall vorbereitet worden, dass sich US-Präsident Barack Obama für einen Militärschlag gegen die Führung in Damaskus entscheiden sollte. Dazu gehöre auch, amerikanische Truppen in Stellung zu bringen.  

Ein hoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums sagte dem Sender CNN, die Liste für Ziele von möglichen Luftangriffen sei auf den neusten Stand gebracht worden. Die Planungen würden die Verwendung von Marschflugkörpern einschließen.

Auch der US-Sender CBS berichtete von Pentagon-Planungen für einen Cruise-Missile-Angriff auf syrische Regierungstruppen. Es werde erwartet, dass US-Generalstabschef Martin Dempsey am heutigen Samstag Optionen für einen Angriff bei einem Treffen im Weißen Haus vorlegen werde, hieß es bei CBS weiter.

Ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums berichtete, die USA würden wegen der Eskalation des Bürgerkriegs ihre Flotte im Mittelmeer verstärken. Die Präsenz werde mit einem vierten mit Marschflugkörpern bewaffneten Kriegsschiff ausgebaut. Die U.S. Navy habe jedoch bislang keinerlei Anweisungen erhalten, sich auf einen militärischen Eingriff in Syrien vorzubereiten, sagte der Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte, weil er sich nicht öffentlich äußern durfte.

Zuvor hatte ein weiterer hochrangiger Mitarbeiter des Ministeriums berichtet, die USA erwögen eine Reihe von Optionen, um auf die Berichte über den massiven Einsatz von Giftgas zu reagieren. Dazu gehöre die Möglichkeit, Raketen von Schiffen aus abzufeuern.

Nach den Berichten über einen möglichen Einsatz von Giftgas durch die syrischen Regierungstruppen gerät US-Präsident Barack Obama unter Druck. Die syrischen Regierungstruppen sollen bei Angriffen auf Dörfer östlich von Damaskus 1.300 Menschen getötet und dabei auch Giftgas eingesetzt haben. Obama hatte den Einsatz von Giftgas als "rote Linie" bezeichnet.

Obama trifft sich mit Sicherheitsberatern

Obama trifft sich Regierungskreisen zufolge noch an diesem Wochenende mit seinen Sicherheitsberatern. Außenminister John Kerry soll dem Gespräch per Videokonferenz zugeschaltet werden. Bei dem Treffen wird jedoch noch keine Entscheidung über einen möglichen Einsatz erwartet.

Der Republikaner John McCain drängt Obama zu einem militärischen Eingriff. Am Freitag forderte auch Eliot Engel, der ranghöchste Demokrat im Auslandsausschuss des Repräsentantenhauses, den Präsidenten dazu auf, Luftangriffe gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad anzuordnen. Andernfalls würden Länder in aller Welt die Untätigkeit der USA als Freischein für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen interpretieren, sagte er.

Großbritannien geht inzwischen davon aus, dass das Regime von Machthaber Baschar al-Assad hinter dem angeblichen Giftgas-Angriff steckt. Einen sicheren Beweis dafür gibt es aber weiter nicht. Das Assad-Regime verweigerte einem Team von UN-Inspekteuren bislang den Zugang.  

Kritik an Veto-Politik von Russland und China

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte Russland und China im Streit um die Frage, ob und von wem Giftgas in Syrien eingesetzt wurde. Es gehe darum, den  UN-Inspekteuren schnellstmöglich Zugang zum Ort des Geschehens zu verschaffen, sagte sie dem Magazin Focus. "Leider hat der Widerstand Russlands und Chinas eine eindeutige Aufforderung des UN-Sicherheitsrats an das syrische Regime verhindert, den freien Zugang zu gewährleisten."

Beide Länder hatten mit ihrem Veto-Recht im Sicherheitsrat ein härteres Vorgehen gegen Syrien mehrfach blockiert. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief im Hamburger Abendblatt Moskau auf, "den Druck auf Damaskus" zu erhöhen, damit die Inspekteure unabhängig untersuchen könnten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon entsandte seine deutsche Abrüstungsexpertin Angela Kane nach Syrien. Etwa 20 UN-Experten sind im Land, um drei angebliche Giftgaseinsätze im Frühjahr zu untersuchen. Regierung und Rebellen werfen sich gegenseitig die Nutzung der geächteten Waffen vor.   

Ruhani ruft zur Besonnenheit auf

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die Giftgasangriffe in Syrien ebenfalls verurteilt und zugleich der internationalen Gemeinschaft zu Besonnenheit geraten. Als Opfer von Giftgasangriffen habe der Iran diese stets verurteilt, sagte Ruhani. Im Iran war 1988 am Ende des Iran-Irak-Krieges Giftgas zum Einsatz gekommen. 

Viele unschuldige Menschen in Syrien seien bei den Angriffen ums Leben gekommen. Die internationale Gemeinschaft müsse jedoch besonnen reagieren, um in erster Linie die Lage zu beruhigen, sagte Ruhani.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte am Donnerstag bezweifelt, dass die syrische Regierung die Giftangriffe verübt hätte. Er warf Terroristen in Syrien vor, mit solchen Angriffen die Krise noch weiter vorantreiben zu wollen. 

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Kommentare

241 Kommentare Seite 1 von 29 Kommentieren

Ich kann auch kaum erwarten,

dass es endlich losgeht. Es wird kein sinnloser Krieg sein, sondern eine Gute sache, ein heftiger Faustschlag der Freiheit mitten ins Gesicht der Despoten. Wenn die USA Krieg gegen einen Diktator führen kann das Grundsätzlich garnicht sinnlos sein und die möglichkeit Islamisten übernähmen anschließend die Macht ist einzig und allein der Unfähigkeit zur Demokratie in der Muslimischen Welt allgemein geschuldet. Die Tatsache dass der Westen Rebellen bewaffnet hat war oder ist eine Vorsichtsmaßnahme, denn falls es keine Intervention geben sollte braucht es dennoch eine Instanz die sich Assad angemessen zur wehr setzt. Es geht hier nicht darum Terroristen zu unterstützen, sondern um das Recht auf Sicherheit und Selbstbestimmung der unschulgigen Zivilisten, die im normalfall keine Extremisten sind. Man denke nur allein an die nahezu 1300 Opfer der Giftgas-Angriffe. So einen Völkermord können die USA als Demokratische Weltmacht Nr. 1 nicht zulassen.
Und die Konfrontation mit Russland und China, die wird doch gerade jetzt bitter notwendig, denn eigentlich sind die Schurken in Syrien, Iran und Nordkorea nur deren Marionetten, die aufmarschieren weil Rus und China im Gegensatz zu den USA zu feige sind selbst für ihre sache zu Kämpfen. [...]

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich und wahren ein Mindestmaß an Pietät. Danke, die Redaktion/ls

Hört, hört!

"ich finde das unglaublich,immer gegen die USA hetzen,und dann bei den superdreckigen Jobs sollen sie herhalten."
Danke, ganz meine Meinung. Es grassiert wieder der ach so typische militante Pazifismus (hihi), bequem auf dem iPad von der heimischen Couch, hinter dem Ofen hervor sozusagen. Immer brav mit dem Finger auf jemanden zeigen, aber wenn es dann dreckig wird und es "ja jemand erledigen muss", dann sind die bösen USA wieder lieb Kind.
Schickt doch China! Der Drache wartet sicher drauf, seine tollen neuen Spielzeuge, die sie auch von deutschen Waffenschmieden "raubkopiert" haben, auszuprobieren. Ist doch angeblich die neue Vorzeigenation unseres Planeten. Also, Jahr des Drachen!

(Ironie/Satire off. Kommentar darf gerne ignoriert werden. ;) )

Schwächung der Sowjets ... Jihadisten, rekrutiert, finanziert,

ausgebildet! ...

Global jihadistische Ambitionen wurden denen erst später eingeflüstert; nach dem Abzug der Sowjets haben die sich mit sich selbst beschäftigt, was auch von denen zu vertreten ist:

http://de.wikipedia.org/w...(1989%E2%80%932001)#Regierung_der_Mudschahidin_1992.E2.80.931996

Auch die Amerikaner können nicht einfach ein Volk auflösen und sich ein neues wählen.

Verschwörungstheorien machen Spaß

Wenn der Giftgaseinsatz nicht von Assad durchgeführt wurde - wieso lässt er dann keine Inspekteure ins Land?
Und der Verweis auf russische Medien ist ja mal wohl der größte Witz. Ich habe ein Video von RT (ich vermute darauf nimmst du Bezug) gesehen, und das wird das letzte gewesen sein. So EXTREM unseriös. Es ging um die türkische Polizei. Wenn man etwas genauer hinschaute, war jedoch in einigen Auschnitten die "Policia" zu sehen, die Polizei aus einem spanischsprachigem Land. Es wurde alles so zusammengeschnitten, wie es der Redaktion (und der dahinterstehenden Regierung) so passte.

Scheinwelt Medien

Man kann die Medien kritisieren für tendezielle Berichterstattungen. Doch haben wir die freie Wahl und können Russia Today genauso lesen wie Bild oder Zeit oder BBC.

Am Ende bleibt als Schnittmenge das Objektive übrig, und defacto gibt es in Syrien Gasangriffe und auch sonstige Angriffe der Armee Assads auf Zivilisten. Defacto schafft es Assad trotz Unterstützung von Iran, Russland, China und Libanon nicht, ein Volk unter kontrolle zu bringen, welches nicht mal im Ansatz über die militärischen Mittel verfügen wie Assad.

Defacto versuchen sich die westlichen Staaten seit Jahren da raus zu halten.

Nur irgendwann müssen die Karten auf den Tisch.

Nee, S.L., ich heiße ja nicht Gerhard.

Putin ist für mich der Präsident Russlands.

Und ich persönlich bin der Meinung, dass er einen recht ordentlichen Job macht.
Meine Presse versucht zwar permanent, mich vom Gegenteil zu überzeugen, ist dabei aber nicht sehr erfolgreich.

Um zum Thema rt zurückzukehren: ich sehe die deutschen Sender, ich sehe ab und zu (immer seltener) CNN, ich sehe ab und zu BBC, und ich sehe ab und zu rt.

und von allen diesen Sendern berichtet rt imho am glaubhaftesten über die Lage in Syrien.

Das erschreckende ist nicht dieser törichte Kommentar...

sondern der Zuspruch auf Worte einer scheinbar im sommerlich sorgloser Urlaubsstimmung befindenden Person, deren Kinder egal von was auch immer ob Giftgas, Machete oder Gewehrkugel, NICHT umgebracht wurden. Da kann man aus sicherer Ferne Klugexkremente verlautbaren, die erschreckender Weise auch noch so vielzählig bestätigt werden. Da wünscht man sich als Lektion eine brisante Zuspitzung der Eurokrise als harmloses Werkzeug, damit die Maden im Speck auch Mal wieder ein bisschen Druck kriegen vom Elend dieser Welt. Dort werden 100000 Menschen umgebracht und hier sagt sich der Kopf, was kümmert es mich, wenn der Daumen verfault. Das ist kein besonders kluger Kopf.

Nennen Sie mir ein stichhaltiges Motiv

dafür, dass der sog. Westen ein verstecktes Eigeninteresse daran haben sollte, hier militärisch einzugreifen. Bei all den Kosten und der Überstrapazierung der militärischen Ressourcen. Bei der deutlichen Ablehnung in der Bevölkerung in USA und Europa. Nein, wenn "wir" eingreifen, dann (ob Sie es glauben oder nicht) nur als den kleinen - vielleicht hilflosen oder auch naiven - Versuch, hier der Gewalt Einheit zu gebieten. Wenn es ein Eigeninteresse seitens des Westens gibt, dann dass die Region stabil wird, und wir Absatzmärkte für unsere Waren wiederherstellen. Dieses Motiv ist in hohem Maße kompatibel mit dem Interesse der allermeisten Syrer, in einem friedlichen Land zu leben. Immer dieses argumentationslose Westen-bashing - ich kann es nicht mehr hören!

Zum Beispiel?

In welchem Fall haben sich diese als Wahrheit entpuppt?

Im Zusammenhang mit 9/11 kann ich mich an viele Theorien erinnern (z.B. die Geheimdienste hätten dies selbst verursacht). Ich erinnere mich an diese ganzen Video die belegen wollten, dass die Türme so hätten gar nicht zusammenstürzen können. Hängengeblieben ist davon aber wenig, und ich bezweifel stark, dass diese Theorien inzwischen noch viele Anhänger haben.

Aber vielleicht kannst du mir bessere Beispiele nennen?

BTW: Ich duze generell jeden. Das ist für mich sogenannte Internetkultur, und ich fände es auch super, wenn es sich im Alltag in Deutschland durchsetzen würde. Ich werde sicherlich nicht damit anfangen eine Liste zu führen, wen ich hier im Forum offiziell duzen kann - daher im Zweifel einfach alle, ist persönlicher.

Motiv gefällig?

Moin,

das Motiv könnte einfach sein, jeden Staat in der Region so weit zu destabilisieren, dass Opposition gegen die Politik Israels und der islamischen Diktaturen am Persischen Golf (und ich meine NICHT den Iran) nicht mehr aufkommen kann und wieder "ungleiche Verträge" machbar werden.
Die dann durchaus inoffizielle Optionen zu Lieferstopps an z.B China enthalten können.
Die lautesten Vertreter einer bellizistischen Politik (UK und USA) sind mangels ausreichend breit aufgestellter Exportindustrie nur noch begrenzt an Absatzmärkten interessiert aber dafür sehr an billigen Rohstoffen. Dafür benötigt man keine funktionierenden Staaten. Da reichen ein paar bezahlte Warlords an den Fördergebieten und Pipelines vollkommen.

CU

Kein stichhaltiges Motiv

Wenn man nämlich die Region destablisieren wollte, dann müsste man eher Interesse daran haben dass das schiitische Regime hier als Fremdkörper in der Region weiterhin dem Iran ermöglicht, zu zündeln. Insofern müsste man das Assad-Regime eher stützen als stürzen. Denn man kann sicher sein, dass der Stellvertreterkrieg mit Saudi-Arabien dann weitergeht. Opposition gegen die Politik Israels kommt ja wahrlich nicht nur aus Iran. Was die billigen Rohstoffe anbelangt, daran müssten gerade eher exportorientierte industrie-starke Länder ein Interesse haben. Fazit: das ist KEIN stichhaltiges Motiv.