Kolumne Fünf vor 8:00Westerwelle taucht wieder auf

Cyber-Beauftragter, Geheimdienst-Abkommen und dann noch eine Ägypten-Reise. Will der Außenminister vor der Wahl etwa noch mal eben die Welt retten? Von Robert Leicht von 

Robert Leicht, 68, ist Politischer Korrespondent der ZEIT. Von 1992 bis 1997 war er ihr Chefredakteur. Seit 2010 ist er Vorstandsvorsitzender der Schule Schloss Salem e.V.

Robert Leicht, 68, ist Politischer Korrespondent der ZEIT. Von 1992 bis 1997 war er ihr Chefredakteur. Seit 2010 ist er Vorstandsvorsitzender der Schule Schloss Salem e.V.  |  © Nicole Sturz

Volle Sommersaison, und nur noch knapp sieben Wochen bis zur Bundestagswahl: Alle sogenannten und selbsternannten Spitzenpolitiker sind entweder auf Urlaubsreise oder aufgebrochen zu ihren Sommerreisen, auf denen sie die im Lande gebliebenen Bundesdeutschen in deren Ferienquartieren beehren. Ob das deren Urlaubsfreude und Erholung vom normalen Leben gut bekommt?

Ganz anders Außenminister Guido Westerwelle! Mit einem Mal tritt er wieder in Erscheinung. Als gehe es darum, in den letzten Wochen seiner Amtszeit doch noch die Welt zu retten. Oder liest er aus den derzeitigen Umfragewerten für die FDP heraus, dass seine Regierungsrolle noch längst nicht beendet ist, sodass es auch keinen Grund dafür gibt, die restlichen Wochen eher locker angehen zu lassen?

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Jedenfalls hat er im Auswärtigen Amt, ohne spekulative Rücksicht auf einen möglichen Amtsnachfolger aus einer anderen Partei, einen "Cyber-Beauftragten" bestellt, ohne dass man erkennen könnte, was der bis zum Wahltag am 22. September noch groß ausrichten wird. Außer vielleicht, sich sein Büro einzurichten. 

Dass unterdessen ein Abkommen über geheimdienstliche Tätigkeiten unserer früheren Siegermächte auf bundesdeutschem Boden förmlich aufgehoben wurde, jedenfalls schon mit Unterschrift des amerikanischen und des britischen Botschafters, ist eine so aufregende Sache nicht, wenn es denn schon seit 1990 nicht mehr angewandt wurde. 

Aber die noch ausstehende Unterschrift des französischen Ambassadeurs – vielleicht wird die zum Ereignis der Woche, vor allem dann, wenn sie ausbleiben sollte?

Sodann hat Westerwelle Ägypten besucht, um dort zwischen den zerstrittenen Kräften des drohenden Bürgerkrieges zu vermitteln. Anders als die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die immerhin den gestürzten Präsidenten Mursi sehen konnte, freilich nicht erfuhr, wo, durfte unser Mann in Kairo Mursi nicht einmal sprechen. 

Weshalb man sich erst recht fragen darf, warum der deutsche Außenminister wenige Tage danach der EU-Außenbeauftragten aus noch schwächerer Position Konkurrenz machen musste. Was vermag er, was sie schon nicht kann?

Immerhin passt in diese Torschluss- oder Neuaufbruchs-Aktivität die zum Wochenanfang wohl nicht ohne Absicht lancierte Meldung, wonach Guido Westerwelle als Außenminister die Krone des "Reisekönigs" trägt, weil er mehr Dienstreisen pro Jahr absolvierte als seine Vorgänger Steinmeier und Kinkel. Zu Joschka Fischer seien allerdings ebenso wenig Zahlen vorrätig wie zu Hans-Dietrich Genscher.

Von dem allerdings behaupteten einst Lästerer seiner hektischen Aktivität, über dem Atlantik seien zwei Flugzeuge zusammengestoßen – und in beiden habe Genscher gesessen. Genschers eigene Erklärung dafür, dass er dennoch nicht abgestürzt sei: Es sei noch nie ein Meister vom Himmel gefallen …

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Leserkommentare
  1. Doch wohl eher -Panik .....

    Die FDP muss ja etwas für den Bürger tun. Wie in Hessen jetzt Herr Rentsch. Er hat "verordnet", dass vor allen stationären Blitzgeräten in Hessen Warnschilder aufzustellen sind.

    Na also .... geht doch. ;-)

    2 Leserempfehlungen
  2. 2. […]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jp

    6 Leserempfehlungen
    • krabak
    • 05. August 2013 8:11 Uhr

    Wir haben es immerhin beim Kabinett Merkel mit einer Truppe multimedial höchst professioneller Volksveräppeler, -verarscher, -verhöhner und -verdummer zu tun, deren Karriereskript nicht von der operativen Professionaliät politischer Volksvertreter repräsentiert wird, sondern von jenem, mit dem schon zu Zeiten der DDR-Elite auch in der FDJ Karriere gemacht wurde: "Niemand hat die Absicht, ......."

    Die geistig-moralische Wende von 1982 durch die Gruppe Kohl-Genscher hat aus Deutschland mit dem Karriereskript: "Können? Können muss nicht sein! KENNEN! Kennen muss sein!" den modernen Besitzstandsfeudalstaat gemacht. Die Gruppe Schröder-Fischer und Merkel-Müntefering/Steinmeier/Westerwelle/Rösler hat diese Gesellschaft sogar noch in jene neue deutschen Herrenmenschengesellschaft deformiert, die dem Arbeiter- und Bauernstaat so auffällig gleicht.

    Wer da wohl die Endaufbereitung organisierte? Und das wahnsinnig beeindruckend: Niemand hatte die Absicht und niemand hat das bemerkt.

    Typisch deutsch eben.

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    • EHR19
    • 05. August 2013 8:58 Uhr

    Ich habe mich heute morgen angemeldet, um Ihren Kommentar zu unterstützen. Danke!
    EHR19

    "Wir haben es immerhin beim Kabinett Merkel mit einer Truppe multimedial höchst professioneller Volksveräppeler, -verarscher, -verhöhner und -verdummer zu tun"
    ----------------------------
    Woran liegt es, dass Sie sich "veräppelt, verarscht, verhöhnt und verdummt" fühlen?

  3. Wir haben ja noch einen Außenminister (der bezahlt werden muss) ....

    Ich dachte, das macht Mutti inzwischen höchstselbst.

    4 Leserempfehlungen
  4. Seine Limousine wird nicht auf das Rollfeld gelassen - Außenminister Westerwelle bekommt in Kairo zu spüren, dass niemand auf ihn gewartet hat. Am nächsten Tag während der Pressekonferenz muss Westerwelle sich die Sache mit Hitler von einer Journalistin noch einmal anhören. "Mit einer gewissen Betroffenheit" verbittet er sich daraufhin Vergleiche "mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte". Einmal wenigstens während seiner Reise darf der Außenminister deutlich werden, und er wirkt fast dankbar dafür. http://www.sueddeutsche.d... http://www.sueddeutsche.d...

    Westerwelle bewegt sich mit seiner Zurückweisung von Vergleichen "mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte" auf sehr dünnem Eis. Er müsste eigentlich wissen, dass gegenüber dem deutsch-ägyptischen Schriftsteller Hamed Abdel-Samad genau wegen derartiger Vergleiche eine Todesfatwa ausgesprochen wurde und er deshalb in Deutschland unter Polizeischutz steht.
    http://www.ardmediathek.d... http://www.ardmediathek.d...

    3 Leserempfehlungen
    • EHR19
    • 05. August 2013 8:58 Uhr

    Ich habe mich heute morgen angemeldet, um Ihren Kommentar zu unterstützen. Danke!
    EHR19

    2 Leserempfehlungen
  5. aber die FDP und vor allem - sich selbst!
    Damit sich GELB oberhalb der 5% -Hürde mit ROT-GRÜN in einer AMPEL neu positionieren kann,
    was durchaus einer lange propagierten Option der Frau Leutheusser-Schnarrenberger entspricht:
    Die stellvertretende FDP-Vorsitzende und Bundesjustizministerin empfahl bereits 2011 ihrer Partei im Abendblatt-Interview eine Öffnung zur SPD.
    Denn:
    "Mit der SPD gibt es Schnittmengen in der Außen- und Verteidigungspolitik"
    http://www.abendblatt.de/...
    Dann wäre auch die SPD fein raus und könnte gemeinsam mit GRÜN ihr Wahlversprechen einhalten, auf keinen Fall die LINKE ins Boot zu holen.

    In diesem Wahlkampf trägt Guido keine "feinen Budapester" (mit 18% Sohlenaufdruck), sondern Mutter Sabine hat vorsorglich zu strapazierfähigen "Wanderstiefeln" geraten...

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    Westerwelle ist und bleibt der mit Abstand schwächste Außenminister der BRD.
    Er ist als Diplomat eine komplette Null und verfügt über keinerlei Kompetenzen. Er hat weder direkten Einfluss auf Merkel, noch über seine Partei einen indirekten Einfluss. Dieser Mann hat seinen Gepsrächspartnern nichts anzubieten und ist eher eine Belästigung, als eine Hilfe. Wenn man sich die notwendigen Aufwendungen für Protokoll und Sicherheit anschaut, dann ist Westerwelle eher als Heimsuchung zu betrachten.

    Nun darf er moch einmal ins Rampenlicht und als Vielflieger Tatkraft vortäuschen. Der FDP-Michel wird es an der Wahlurne schon danken.

  6. Westerwelle war immer da und hat als Außenminister gewirkt; objektiv meistens sogar mit Substanz. Aber für die links- grünen Meinungsmacher ist und war Westerwelle nicht mehr existent, hatte er doch eben jenen erklärt, er werde sich von ihnen seinen Schneid nicht abkaufen lassen. Wenn er jetzt wiederentdeckt wird, dann liegt es an besserer Einsicht der links- grünen Meinungsmacher sondern vielmehr daran, dass das Wirken von Westerwelle einfach nicht mehr zu übersehen ist.

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    Wo sind bloss die Ironie Tags hin? Sind die ihnen ausgegangen?;-p Ich persönlich nehme an Westerwelle war bisher voll damit ausgelastet englisch zumindest auf dem Niveau zu lernen wie es jeder 8. Klässler automatisch bereits kann. Wo war er bloss seinerzeit in der Schule? Gefehlt so wie in der Regierung? Wie ist er überhaupt durchs Studium genommen? Ach ja, Jurist, da muss man nichts können, intelligent sein oder was drauf haben. Da reicht stures pauken. Englisch, Intwgrität und Ethik waren aber nicht unter den Lehrfächern. ;-)

    Vielleicht ist Herr Westerwelle ja wirklich der "normalste" in dieser Regierung.

    Da wo er nichts zu sagen hat oder dort wo er besser nichts sagen sollte, hält er einfach mal die Klappe - und macht seinen Job.

    Und das er nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Welt jettet um Aktivismus vorzutäuschen - irgendwie wohltuend.

    Das er außerdem in seinem Ministerium für Ordnung sorgen kann, so das man diesem Ministerium tatsächlich das Prädikat: "Arbeitet für Deutschland und die Deutschen" verleihen könnte - noch erstaunlicher.

    Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, das er eben kein Außenminister eines souveränen Staates ist - das macht das Arbeiten im Endeffekt etwas stressfreier.

    Westerwelle spricht offenbar besser Englisch als so mancher Forist der deutschen Sprache und ihrer Orthografie mächtig ist.

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