US-Whistleblower-ProzessManning muss für 35 Jahre ins Gefängnis

Die Militärrichterin ist mit dem Strafmaß für WikiLeaks-Informant Manning hinter der Forderung der Anklage geblieben. Eine vorzeitige Entlassung ist rechtlich möglich.

Der WikiLeaks-Enthüller Bradley Manning ist zu einer Haftstrafe von 35 Jahren verurteilt und unehrenhaft aus der Armee entlassen worden. Richterin Denise Lind verkündete das Strafmaß in Fort Meade im US-Staat Maryland für den bereits schuldig gesprochenen US-Soldaten. Die Ankläger hatten mindestens 60 Jahre Haft für Manning gefordert. Die Verteidigung bat dagegen um Milde, ohne eine spezielle Strafe zu empfehlen.

Insgesamt dreieinhalb Jahre werden von der Strafe abgezogen, weil Manning bereits seit Mai 2010 in Untersuchungshaft sitzt und neun Monate in Einzelhaft verbringen musste. Eine Entlassung Mannings aus dem Gefängnis vor Ablauf seiner Strafe ist rechtlich möglich. Bei guter Führung und unter Einberechnung seiner bereits abgesessenen Haft könnt er bereits in etwas mehr als acht Jahren freikommen. Militärgefangene in den USA können ihre Strafe mit guter Führung um bis zu 120 Tage pro Jahr reduzieren.

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Das Militärgericht in Maryland hatte Manning Ende Juli unter anderem der Spionage und des Diebstahls für schuldig befunden, ihn allerdings freigesprochen vom Hauptvorwurf der Unterstützung des Feindes. Mannings Verteidiger David Coombs kündigte an, Obama formell um eine Begnadigung seines Klienten zu bitten. Das Weiße Haus kündigte an, die Petition wie alle anderen Petitionen auch zu prüfen.

Angesichts einer möglichen vorzeitigen Haftentlassung hat WikiLeaks die Strafe für Manning als einen "entscheidenden strategischen Sieg" bezeichnet. Der US-Soldat könnte bereits "in weniger als neun Jahren" aus dem Gefängnis entlassen werden, schrieb das Enthüllungsportal auf Twitter.

WikiLeaks-Gründer Julian Assange sagte, dass das "einzige gerechte Resultat" des Verfahrens eine Freilassung und eine Entschädigung für das Vorgehen gegen ihn in einem Militärgefängnis sei. Assange bezog sich dabei auf 112 Tage, in denen Manning illegalerweise zu harten Bedingungen in einem Militärgefängnis des Marinekorps interniert war. Diese 112 Tage werden Manning für die Strafe ebenso angerechnet wie der Rest seiner bisher insgesamt dreieinhalb Jahre Haft.

Der heute 25-Jährige hatte 2010 während seiner Zeit als Geheimdienst-Analyst beim US-Heer im Irak rund 700.000 vertrauliche Dokumente aus Armeedatenbanken an WikiLeaks weitergegeben. Auf ihn geht die Veröffentlichung eines Videos zurück, das zeigt, wie eine US-Hubschrauberbesatzung in Bagdad Menschen erschießt. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem US-Gefangenenlager Guantánamo festgehalten wurden.   

Manning hatte sich in der Anhörung bereit gezeigt, jede Strafe zu akzeptieren. "Ich weiß, dass ich den Preis zahlen muss", sagte er. Er bedaure, dass seine Taten Menschen verletzt und den Vereinigten Staaten geschadet hätten.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisierte die Haftstrafe für Manning als unverhältnismäßig hart. Mit dem Strafmaß von 35 Jahren Haft sei die US-Militärrichterin zwar hinter der Forderung der Anklage zurückgeblieben, dennoch werde Manning viele Jahre im Gefängnis verbringen. "Das Urteil gegen Bradley Manning ist ein weiterer Beleg, dass die USA endlich ein Gesetz zum Informantenschutz brauchen", sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. 

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Leserkommentare
    • workman
    • 21. August 2013 16:32 Uhr

    für seinen grossen Mut. Besonders das Hubschrauber Video war ein echter Augenöffner.
    Das Urteil finde ich völlig unangemessen..

    89 Leserempfehlungen
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    ... wenn man jemanden in seinem Bekanntenkreis hat, der sich des mehrfachen Mords schuldig macht, und man davon weiß, aber dieses Geheimnis nicht verrät, dann macht man sich sicherlich strafbar.

    ... wenn sich eine Regierung des hundert- bis tausendfachen Mordes schuldig macht, und man davon weiß, dieses Geheimnis aufdeckt, dann macht man sich strafbar.

    Irgendetwas ist da doch verkehrt.

    Das Video war gar nicht geheim.

    Der Mann,der Kriegsverbrechen aufdeckte wandert für 35 Jahre ins Gefängnis.

    Die Oberbefehlshaber der Kriegsmaschinerie (Bush/Cheney) sind in Freiheit.

    Ihr habt genau das Gegenteil von dem geschafft, was ihr wolltet.

    Immer weniger sind von Euch eingeschüchtert, immer weniger reagieren auf Eure Angstmacher-Masche.

    Es wird immer mehr Whistleblower geben.

    Wir werden immer mehr, ihr werdet immer weniger. Bis Ihr und das Unrechtsregime, dem ihr dient, vollständig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

  1. Diese Urteil wird in den unrühmlichen Teil der amerikanischen Geschichte eingehen. Ein klarer Fall von Demokratieversagen.

    Wach bleiben!

    43 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Behauptungen und Spekulationen. Danke, die Redaktion/jk

    • Visier
    • 21. August 2013 16:33 Uhr

    ..des Lebens beraubt,
    aber für die kommenden 350 Jahre in den Geschichtsbüchern unserer Kinder fest verankert!

    40 Leserempfehlungen
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    • memoe
    • 21. August 2013 16:43 Uhr

    "35 Jahre des Lebens beraubt, aber für die kommenden 350 Jahre in den Geschichtsbüchern unserer Kinder fest verankert!"

    Hoffentlich!
    Kommt drauf an wer diese schreibt. Aber wenn er in der Erinnerung der Menschen bleibt, als Hinweis wie fragil eine Demokratie ist und wie schnell sie verloren gehen kann, dann hat er der Welt schon einen großen Dienst erwiesen.
    Hut ab!

    Von wegen. Nach den ersten 3 Jahren und 5 Monaten in Leavenworth wird kaum noch jemand über Manning reden. Verrat hat halt seinen Preis.

    ... 15 minutes of fame :-)

    Aber in 350 Jahren gibt es noch Buecher?
    Sie muessen Optimist sein...

    Cheers

    Man wird Manning schnell vergessen haben... oder wissen sie noch den Namen des russischen Filmemachers, der die letzten Überlebenden von Auschwitz filmte? Selbst der Fotograf des berühmten Fotos, welches einen vietnamesischen Offizier zeigt, wie er einen Gefangenen per Kopfschuss exekutiert, ist eigentlich vergessen. An die Bilder des Hubschraubers wird man sich erinnern und an den überheblichen selbstgefälligen J. Assange, aber Manning wird man vergessen.

  2. Wenn man Verbrechen der Mächtigen aufdeckt bekommt man 35 Jahre Haft. Eine Haftstrafe länger als sein bisheriges Leben.
    Wenn man Kriege führt, alle Völker als Terror-Verdächtige einstuft, sie deswegen ausspioniert, Menschen foltert und ohne Gerichtsverfahren tötet, dann bekommt man einen Friedensnobelpreis.

    68 Leserempfehlungen
  3. Hochachtung für Bradley Manning!

    29 Leserempfehlungen
  4. würdig einer lupenreinen....äh, ach ja....Demokratie. 35 Jahre?! Was macht eigentlich Michail Chodorkowski?

    7 Leserempfehlungen
  5. nobelpreis wenigstens zum Teil rechtfertigen.

    Schlösse er zu seiner Amtszeit auch noch Guantanamo, könnte er erhobenen Hauptes die politische Weltbühne verlassen.

    Wach bleiben!

    30 Leserempfehlungen
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    könnte er auf der selben Insel auch endlich den Helms Burton Act zurückziehen

    • L.J.
    • 21. August 2013 16:35 Uhr

    Mannings 35 Jahre im Bau, Mubarak dafür draussen, schon wirr...

    Meine Hoffung liegt darin das es noch Gerechtigkeit geben wird und die USA wieder zu ihrer Constitution zurückfindet auf die sie seit dem War on Terror rumtrampelt, ihr Geheimdienste etwas bändigen das sie etwas weniger Terror aus der Büchse zaubern, sich in fremden Staaten bei Umstürzen einmischen(aktuell die Geheimdienste in der FSA beim Giftgas rumgeheule).

    7 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte bleiben sie beim Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, mpi, kmi
  • Schlagworte Gefängnis | Strafe | Twitter | USA | WikiLeaks | Irak
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