Der frühere ägyptische Außenminister Amr Mussa ist zum Vorsitzenden des Verfassungskonvents gewählt worden. Mussa setzte sich bei der Abstimmung gegen den einflussreichen Anwalt Sameh Aschur durch. Der einstige Präsidentschaftskandidat und frühere Generalsekretär der Arabischen Liga erhielt 30 der 50 Stimmen.

Die Mitglieder des Verfassungskonvents waren vor einer Woche von Übergangspräsident Adli Mansur ernannt worden. Der Konvent umfasst Vertreter verschiedener politischer Strömungen, darunter auch Künstler, Schriftsteller, Jugendaktivisten, Vertreter des Al-Azhar Islam-Instituts und der koptischen Kirche.

Allerdings gab es zur ersten Sitzung bereits Ärger. Die Islamisten, die bei den Wahlen nach dem Sturz von Hosni Mubarak stets Mehrheiten erzielt hatten, fühlen sich nicht ausreichend repräsentiert. Salafisten kritisierten, der Verfassungsrat werde von "Feinden der Scharia" dominiert. Die Teilnahme ihres Vertreters an dem Gremium war zunächst unklar. Die islamistische Muslimbruderschaft lehnte eine Beteiligung ganz ab. Sie betrachtet den gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi weiterhin als legitimes Staatsoberhaupt.  

Das Gremium soll die umstrittene Verfassung überarbeiten, welche die Regierung unter Mursi ausgearbeitet hatte. Dafür haben die Mitglieder 60 Tage Zeit. Danach will Interimspräsident Mansur die Bevölkerung über die überarbeitete Version abstimmen lassen. Sie soll die Grundlage für Parlaments- und Präsidentenwahlen und eine Rückkehr zu einer Zivilregierung Anfang 2014 bilden.

Ein erster Entwurf für eine neue Verfassung sieht vor, die von Mursi eingeführten Zusätze zu streichen, die als zu islamistisch kritisiert werden. Außerdem sollen Passagen gekippt werden, die eine rasche Rückkehr von ehemaligen Mitgliedern der Mubarak-Regierung in öffentliche Ämter verhindern. Zudem soll das Wahlsystem wieder in die Form gebracht werden, wie es unter Mubarak bestand.