Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat sich gegen die Anschuldigungen gewehrt, seine Armee habe am 21. August Giftgas gegen Rebellen eingesetzt. Ob die syrische Armee überhaupt Massenvernichtungswaffen habe oder nicht, dazu wollte sich Assad in einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Figaro nicht äußern.

Auf die Frage, ob er nachweisen könne, dass die Regierungstruppen keine Chemiewaffen eingesetzt hätten, antwortete Assad mit einer Gegenfrage: "Nehmen wir an, dass unsere Armee Massenvernichtungswaffen benutzen möchte: Wäre es möglich, dass sie die Waffen in einer Zone einsetzt, in der sie sich selber befindet und in der Soldaten von den Waffen verletzt werden, wie es die Inspekteure der Vereinten Nationen bei ihrem Besuch in einem Krankenhaus festgestellt haben? Wo ist da die Logik?"

Vergangene Woche waren Inspektoren der UN in einem Militärkrankenhaus in Damaskus, in dem Soldaten lagen, die staatlichen Medien zufolge dem Giftgas ausgesetzt gewesen sein sollen. Der Bericht der Inspektoren darüber steht jedoch noch aus. Die gesammelten Proben sollen ab dem heutigen Montag in europäischen Labors auf Spuren von Giftgas untersucht werden.

Assad sagte, die USA und Frankreich wären außer Stande, Beweise für einen Einsatz der Massenvernichtungswaffen zu liefern. Die US-Regierung sieht es dagegen als erwiesen an, dass Assads Truppen nahe Damaskus mit Giftgas mehr als 1.429 Menschen getötet haben. Am Wochenende hatte US-Präsident Barack Obama als Oberbefehlshaber der Streitkräfte einen Angriff auf Ziele in Syrien befürwortet, kündigte aber an, sich die Zustimmung des Senats und des Repräsentantenhauses dafür zusichern. Der Kongress tritt nach der Sommerpause erstmals am 9. September wieder zusammen. Russland kündigte an, eine Parlamentsdelegation nach Washington zu entsenden. Die Delegation soll möglichst noch vor dem Ende der Sommerpause mit Vertretern des Kongresses Gespräche führen. Die russische Regierung will weiterhin einen möglichen Militärschlag auf Syrien verhindern.

Frankreich stellt Geheimdienst-Bericht online

Auch Frankreich sieht das syrische Regime in der Verantwortung für den Giftgaseinsatz. Die Regierung stellte einen neunseitigen Bericht des Geheimdienstes online, der einen solchen Einsatz belegen soll. Satellitenbilder würden darin zeigen, dass die Anschläge aus den Gebieten heraus geführt worden seien, die von der Regierung kontrolliert werden. Von diesen Gebieten aus sei auf Rebellen gezielt worden. Dabei sind den Erkenntnissen des französischen Geheimdienstes nach mindestens 281 Menschen getötet worden. Seit dem Anschlag habe Assads Armee die Gebiete bombardiert, um Beweise zu vernichten. 

In dem Bericht ist von einem "massiven und koordinierten" Einsatz von Chemiewaffen "gegen die Zivilbevölkerung" die Rede. Es heißt, Syrien habe einen der größten Bestände an chemischen Waffen. Darunter sollen sich jeweils "mehrere hundert Tonnen" der Kampfstoffe Senfgas und Sarin befinden. Daneben weist das Papier auf syrische Waffensysteme hin, mit deren Hilfe chemische Kampfstoffe eingesetzt werden könnten. Für den Bericht hatte der französische Geheimdienst 47 Videos analysiert und Augenzeugenberichte ausgewertet.

BND soll Informationen zu Giftgaseinsatz abgefangen haben

In Deutschland scheint der Geheimdienst die Einschätzung der US-Regierung zu teilen. Nach einem Bericht von Spiegel Online hat der Bundesnachrichtendienst (BND) Gespräche eines führenden Vertreters der libanesischen Hisbollah-Miliz mit der iranischen Botschaft abgehört. Der Funktionär der Hisbollah, die Assad militärisch unterstützt, sprach dabei über den Befehl des Regimes zum Giftgaseinsatz. Assad seien die Nerven durchgegangen, mit dem Befehl habe er jedoch einen Riesenfehler gemacht. BND-Präsident Gerhard Schindler hat ausgewählte Bundestagsabgeordneten über die Erkenntnisse unterrichtet. Zwar fehlt Schindler zufolge noch ein eindeutiger Beweis, der BND gehe aber nach einer Plausibilitätsanalyse von einer Täterschaft des Assad-Regimes aus. 

Assad warnte in dem Gespräch mit dem Figaro vor einem regionalen Krieg. Ein militärisches Eingreifen außer-syrischer Kräfte hätte böse Folgen, denn die Region sei ein Pulverfass. Bei einem Erstschlag von außen "würden alle die Kontrolle der Situation verlieren, weil das Pulverfass explodieren wird". Chaos und Extremismus würden sich verbreiten.

Auf die Frage, ob Frankreich ein Feind Syriens geworden ist, antwortete Assad, das französische Volk sei kein Feind seines Landes, die Politik Frankreichs stehe dem syrischen Volk jedoch feindlich gegenüber. Dies werde französischen Interessen schaden, drohte Assad.