Der Rücktritt von fünf Ministern aus der Partei Volk der Freiheit (PdL) des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ist von der italienischen Presse scharf kritisiert worden. "Der Verurteilte lässt Italien untergehen", titelte am Sonntag die linke Zeitung Il Fatto Quotidiano mit Blick auf den wegen Steuerbetrugs verurteilten Berlusconi. La Stampa und die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore bezeichneten Berlusconis Vorstoß als "Verrücktheit". La-Stampa-Chefredakteur Mario Calabresi rief der politischen Klasse zu: "Jetzt reicht's, denkt an das Land!"

"Der Cavaliere dreht das Spiel", schrieb La Repubblica. Ihr Gründer Eugenio Scalfari verglich Berlusconi mit dem zynischen Verbrecher Mackie Messer aus Bertolt Brechts "Dreigroschenoper": "Mackie Messer hat ein Messer, doch man sieht es nicht." Auch die Corriere della Sera kritisierte das Manöver Berlusconis. "Gemäßigte, wo seid ihr?" fragte die Mailänder Zeitung. Falls sich die Krise verschärfe, werde es schwieriger, die wirtschaftlichen Probleme in den Griff zu bekommen und grundlegende Reformen auf den Weg zu bringen.

Die Minister der PdL hatten am Samstagabend auf Aufforderung Berlusconis ihren Rücktritt erklärt. Damit hat Exregierungschef Silvio Berlusconi in Italien erneut eine politische Krise provoziert. Die Koalitionsregierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Enrico Letta steht vor dem Aus.

Letta bezeichnete den Rücktritt der Minister als "törichten und unverantwortlichen" Schritt. Angesichts des ständigen Widerstands der Konservativen hatte Letta angekündigt, kommende Woche im Parlament die Vertrauensfrage stellen zu wollen.

Hintergrund des Konflikts ist der Streit um die politische Zukunft Berlusconis. Dem rechtskräftig wegen Steuerbetrugs verurteilten Politiker und Unternehmer droht wegen des Gerichtsbeschlusses der Entzug seines Senatssitzes. Der Immunitätsausschuss des Senats muss am kommenden Freitag in zweiter Abstimmung entscheiden, ob der langjährige Regierungschef seinen Sitz in der zweiten Parlamentskammer behalten kann. In einer ersten Abstimmung hatte der Ausschuss dies mehrheitlich abgelehnt.