Jahrelang soll der US-Geheimdienst CIA zusammen mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz ein Geheimprojekt in Neuss betrieben haben. Die Nachrichtendienste bauten unter dem Namen Projekt 6 eine Anti-Terror-Datenbank auf, wie der  Spiegel berichtet. Eine Software namens PX habe es den Spionen ermöglicht, das Umfeld von mutmaßlichen Terrorunterstützern zu untersuchen. 

Die Datenbank sei ab 2005 unter dem Eindruck der Anschläge in London und Madrid auf Initiative der USA aufgebaut worden, berichtete das Magazin weiter. 2010 sei die Kooperation wieder beendet worden.

Die sogenannte Neusser Gruppe habe in der Zeit Zugriff auf Daten mutmaßlicher deutscher Islamisten und unbeteiligter Dritter gehabt. Dazu gehörten nach Spiegel-Informationen Fotos, Kfz-Kennzeichen, Internetrecherchen und Verbindungsdaten.

Dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar sei eine solche Datei nicht bekannt, hieß es. Nach dessen Ansicht sei die Datenbank jedoch vergleichbar mit der Anti-Terror-Datei und hätte gemeldet werden müssen.

Ins Visier der Geheimdienste geriet auch ein Journalist. Das Magazin zitierte aus Vermerken zu einem Reporter des Senders NDR, der zu Islamisten recherchiert. Die CIA hatte die Passnummer und das Geburtsdatum des Mannes.

Nach Angaben des Spiegel hat der BND die Existenz von "P6", wie das Projekt 6 auch genannt wurde, bereits eingeräumt. Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums hingegen äußerten sich überrascht. Sie hätten nichts davon gewusst, obwohl die Bundesregierung darüber hätte informieren müssen.