Was ist bloß in die Bundeskanzlerin gefahren? Seit Tagen sagt sie, dass man die Giftgasangriffe von Syriens Machthaber Baschar al-Assad nicht hinnehmen dürfe. Dass ein solcher Vorfall geahndet werden müsse. Doch als sie jetzt auf dem G-20-Gipfel vor der Alternative stand, entweder einem begrenzten Schlag der USA gegen Assad zuzustimmen oder sich faktisch auf die Seite Wladimir Putins und gegen Barack Obama zu stellen, hat sie sich für Putin entschieden.

Anders als alle anderen westeuropäischen Staats- und Regierungschefs lehnte Merkel eine Erklärung ab, die zu keinerlei aktiver Teilnahme an einer Militär-Intervention verpflichtet, sondern Obama nur den Rücken gestärkt hätte. Und das von der Frau, die einst um Haaresbreite dem mit gefälschten Beweisen herbeigelogenen Irak-Einsatz zugestimmt hätte.

Man muss sich schon irre im Recht fühlen, um sich so zu isolieren, wie es die Kanzlerin nun mit ihrem Land getan hat. Oder man muss furchtbare Angst haben, dass sich der Wahlkampf unversehens politisieren könnte. Noch dazu auf unkalkulierbare Art und Weise.

Natürlich wäre es viel besser, für eine Bestrafungs- und Abschreckungsaktion gegen Assads Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein UN-Mandat zu bekommen. Doch konnte die Kanzlerin beim G-20-Gipfel selbst erleben, wie feindselig Putin gegenüber dem Westen ist. Ihm geht es nicht um die Stabilität in der Region, sonst hätte er seinen Partner Assad schon längst an den Verhandlungstisch gezwungen. Ihm geht es um die Sabotage jedweder westlichen Politik. Dies ist ihm, jedenfalls, was Deutschland angeht, hervorragend gelungen.

Ein begrenzter militärischer Einsatz, an dem man nicht mal teilnehmen muss, ausgeführt durch einen alles andere als kriegslüsternen Präsidenten, gerichtet gegen ein evidentes Verbrechen – einfacher kann man es nicht haben, einen Bündnispartner zu unterstützen. Dass Angela Merkel sich trotzdem verweigert, weil sie im Wahlkampf ist, markiert den bisherigen Tiefpunkt ihrer Kanzlerschaft. Glaubt sie eigentlich, dass Deutschland nie mehr Freunde brauchen wird?