Parteichef Nikolaos Michaloliakos nach seiner Festnahme am Samstag © John Kolesidis/Reuters

Die am Samstag festgenommene Führung der griechischen Neonazi-Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) bleibt vorerst in Haft. Parteichef Nikolaos Michaloliakos und vier weitere Abgeordnete bekamen in der Nacht zum Sonntag eine dreitägige Frist, ihre Verteidigung vorzubereiten, und müssen am Dienstag wieder vor der Justiz erscheinen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft von Athen am Morgen mit. Der Parteiführung wird vorgeworfen, die Goldene Morgenröte in eine kriminelle Vereinigung umgewandelt zu haben.

Wie die Polizei mitteilte, wurden bisher 20 Personen festgenommen. Nach der Verhaftungswelle gegen die Partei-Führungsriege stellte sich zudem ein weiterer gesuchter Abgeordneter den griechischen Behörden. Laut Staatsanwälten handelt es sich bei dem Politiker um Christos Pappas, den Vizechef der Goldenen Morgenröte. Er tauchte am Sonntag auf einer Polizeiwache in Athen auf. Elf weitere Parteifunktionäre würden noch gesucht. Die Führung der Neonazi-Partei verbrachte die Nacht in den Zellen der Polizeidirektion von Athen, sagte ein Polizeioffizier.

Das Bild des in Handschellen gelegten Michaloliakos, der die Polizeiwache verlässt, um zum Gericht gebracht zu werden, zeigten sämtliche griechischen Fernsehsender. Tagsüber versammelten sich Hunderte Neonazis mit griechischen Fahnen vor der Polizeiwache und riefen Parolen wie "Blut, Ehre, Goldene Morgenröte!"

Der Minister für Öffentliche Ordnung und Bürgerschutz, Nikos Dendias, sprach von einem "historischen Tag für Griechenland und Europa". Der Rechtsstaat habe sich auf der Höhe seiner Aufgaben gezeigt. Kritiker warfen der Regierung immer wieder vor, den Hetzreden und Gewalttaten der Partei viel zu lange tatenlos zugesehen zu haben.

Chrysi Avgi wird für zahlreiche zum Teil tödliche Angriffe auf Einwanderer und Linke verantwortlich gemacht, darunter der Mord an dem linken Rapper Pavlos Fyssas. Ein mutmaßliches Parteimitglied, der ebenfalls in U-Haft sitzende Giorgos Roupakias, soll gestanden haben, den 34-jährigen Musiker am 18. September erstochen zu haben. Die Tat löste eine Welle der Empörung sowie antifaschistische Demonstrationen aus und führte zu Ermittlungen gegen die Partei.

Lange blieben die Behörden tatenlos

Den Neonazis werden zudem Körperverletzung und Erpressung, illegaler Waffenbesitz, Sprengstoffanschläge sowie Geldwäsche zur Last gelegt. Aus Sicht der Ermittler gibt es außerdem Beweise dafür, dass Mitglieder der Partei Schutzgelder von zahlreichen Geschäftsinhabern, aber auch von Migranten kassiert haben sollen. 

Der Aufstieg der rassistischen und antisemitischen Chrysi Avgi ist eine Folge der jahrelangen Wirtschaftskrise in Griechenland und der von der Troika aus EU, IWF und EZB diktierten Austeritätspolitik, die zu einem enormen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt hat. Der Partei bescherten ihre nächtlichen Fackelmärsche, ihre Suppenküchen nur für Bedürftige "mit griechischer Abstammung" und die Ansage, Griechenland "von Ausländern zu säubern" großen Zulauf.