Auf Befehl der Bundeswehr sind im Norden Afghanistans Aufständische von einem Kampfjet bombardiert worden. Der Einsatz erfolgte am Samstagnachmittag. Zuvor hatte es einen Angriff auf einen Außenposten der afghanischen Streitkräfte bei Isa Khel in der Nähe des deutschen Feldlagers von Kundus gegeben. Die Streitkräfte hatten Unterstützung aus der Luft angefordert, nachdem sie sich in einem dreieinhalbstündigen Gefecht nicht gegen die Taliban durchsetzen konnten.

Bei dem Abwurf der Bombe sind vermutlich drei Aufständische getötet worden, sagte ein Bundeswehrsprecher. Ersten Untersuchungen zufolge sollen durch die Bombe keine Zivilisten getötet worden sein, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mit. Bundeswehrsoldaten seien nicht direkt beteiligt gewesen.

Bei dem Bombardement sollen alle Vorschriften der internationalen Schutztruppe eingehalten worden sein. Vor dem Abschuss habe die US-Maschine vom Typ A-10 das Gebiet zweimal zur Warnung überflogen. Laut Einsatzführungskommando erzielte dies jedoch keine Wirkung, die Rebellen setzten ihren Angriff fort. Daher habe der zuständige deutsche Kommandeur in Kundus schließlich um 19:34 Uhr die Anweisung zum Abwurf einer Bombe auf die Gruppe Aufständischer gegeben.

Der Waffeneinsatz aus der Luft gegen die Taliban ist im nordafghanischen Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr äußerst selten. Vor zweieinhalb Jahren schoss laut Einsatzführungskommando zuletzt ein von deutscher Seite angeforderter US-Flieger mit seiner Bordkanone auf Aufständische. Am 4. September 2009 bombardierte die US-Luftwaffe auf Befehl des deutschen Oberst Georg Klein zwei Tanklaster, die auf einer Sandbank des Kundus-Flusses festgefahren waren. Bei dem Bombardement kamen mindestens 91 Menschen ums Leben, darunter viele Zivilisten.

Erst am Samstag sind bei einem NATO-Luftangriff im Osten Afghanistans nach örtlichen Angaben mindestens zehn Zivilisten getötet worden. Die afghanische Polizei sprach von mindestens zehn Toten, darunter neun Zivilisten. Die Nato dagegen teilte mit, es seien zehn Aufständische getötet worden und es lägen keine Berichte über zivile Opfer vor.