FernsehanspracheObamas Syrien-Rede ist ein Zeichen der Stärke

Kein anderer US-Präsident hat Zweifel zugelassen, wenn es um Krieg und Frieden ging. Obama aber bindet sein Volk ein und lässt Raum für Diplomatie. Ein Kommentar von 

Es war ein ungewöhnlicher Auftritt des US-Präsidenten am Dienstagabend, der historisch keine Parallele kennt. Es war eine Fernsehansprache an ein kriegsmüdes Volk, vorgetragen von einem Präsidenten, der selber kriegsmüde ist, aber keinen anderen Ausweg sieht, sollte auch die letzte diplomatische Offensive scheitern.

Man mag sich fragen, warum Barack Obama nach allem, was in den vergangenen Tagen passiert ist, immer noch zu seinem Volk sprechen wollte. Schließlich droht einstweilen kein Krieg und auch der Kongress wird in den nächsten Tagen nicht darüber abstimmen. Die Abgeordneten haben ihr Votum vertagt.

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Der Grund dafür: Die Russen haben in letzter Sekunde vorgeschlagen, Syriens Chemiewaffen möglichst unverzüglich unter internationale Kontrolle zu bringen. Und Obama hat sich einverstanden erklärt, diesen Vorschlag zu prüfen. Der Präsident hat also Zeit gewonnen und kann aufatmen. Die drohende Abstimmungsniederlage im kriegsskeptischen Kongress ist jedenfalls für den Augenblick gebannt.

Obama erhält Druck aufrecht

Aber gerade deshalb hielt Obama an seiner Rede fest. Weil er den Druck auf Syrien aufrechterhalten will. Weil er die Sorgen der Amerikaner beantworten möchte. Und weil er seinem Volk und der Welt deutlich machen will, dass Russlands und Syriens Einlenken nur einem einzigen Umstand zu verdanken ist: der Entschlossenheit der amerikanischen Regierung, notfalls Raketen auf syrische Militärstellungen zu schießen.

Obama hat wahrscheinlich recht: ohne die amerikanische Drohung hätten die Russen nie vorgeschlagen, die syrischen Chemiewaffen einzusammeln und zu vernichten. Ohne den drohenden Militärschlag hätten auch die Syrer nie eingestanden, im Besitz von Chemiewaffen zu sein. Und sie hätten sich auch nicht bereit erklärt, dem internationalen Chemiewaffenverbot beizutreten.

Es bleibt abzuwarten, ob Russen wie Syrer am Ende ihre Versprechen einhalten. Zweifel sind angebracht. Allzu oft geht es nur um Zeitgewinn und taktische Spielchen. Irak und Iran sind traurige Lehrstunden. Auch deshalb will Obama sein Militär bis auf weiteres in Bereitschaft halten. Und auch deshalb wird er den Kongress weiter um Zustimmung zu einem begrenzten Angriff ersuchen.

Gut möglich, dass die Chancen auf Genehmigung eines Militärschlags gewachsen sind. Sollten Russland und Syrien die Weltgemeinschaft an der Nase herumführen, sollten sie verzögern und blockieren, dann wird der Kongress eher geneigt sein, Obama zu folgen.

Ungewöhnliche Kriegsrede

Bemerkenswert aber war die Ansprache des Präsidenten vor allem aus einem Grund: Obama griff die Bedenken seiner Kritiker auf. Er zitierte aus sorgenvollen Briefen und versuchte, die Ängste zu entkräften.

Kein anderer amerikanischer Präsident, der seiner Armee den Marschbefehl gab, hat dies je getan. In Kriegsreden wurde bislang immer laut in die Posaune geblasen, Zweifel hatten darin keinen Platz.

Manche sagen, Obama sei schwach, weil er das Parlament um Rückhalt ersuche. Und weil er immer wieder die eigenen Skrupel durchschimmern lasse. In Wahrheit aber ist es ein Zeichen der Stärke.

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Leserkommentare
    • APGKFT
    • 11. September 2013 6:56 Uhr
    61 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir nicht auf diese Inhalte verlinken möchten. Danke, die Redaktion/jk

    UND ja nicht sagen das Russland wohl dieses mal eindeutig gewonnen hat, und die komplette Kriegsretorik gegen die wand laufen lies.

    Es schafte es ebend nicht unter druk eine Lösung zu finden, sonder sprach die Lösung an die andere schon länge hätten vorschlagen können, aber es nicht machten weil sie ebend nur Militärschläge haben wollten.

    Nach den bekannt werden das Assad sich immer wieder explizit gegen einen Giftgas einsatz ausgesprochen hat, hätte man als westen dort ansetzen können. Man war aber zu beschäftigt das eigene Volk Kriegsbereit zu machen so das man der öffentlichen Menung keinen Ausweg lassen wollte.

    nun hat Russland mit einen kurtzen einwurf gezeigt das all das umsonst war und immer die ide auf Verhandlung und Diplomatie setzen wollten recht hatten.

    Aber nun muss man es ja so aussehen lassen als hätte der Druck des Westens das ermöglicht. Wobei der Druck eher ein nicht zustandekommender Druck war do klar war das die Bevölkerung der USA und Britaniens den Krieg nicht wollten, und aus einen Angeriffplans schon vorher ein, 2 wochen bomben und dann Assad gewinnen lassen gewoden ist. Und die Beweislage ebenfalls die Kriegsstimmung nicht anheitzen konnte da sie ebend nicht gegen Assad sprach.

    Hier hat die USA Politisch mit ihrere Kriegstreiberei komplett verloren. Ihre Kriegskoalition war unwillig und nicht überzeugend. Und Russland konnte alles mit einen einfachen Vorschlag vom Tisch wischen.

    Klingst: "Es bleibt abzuwarten, ob Russen wie Syrer am Ende ihre Versprechen einhalten (...) Allzu oft geht es nur um Zeitgewinn und taktische Spielchen. Irak und Iran sind traurige Lehrstunden."

    Martin Klingst betreibt zynische Geschichtsfälschung, gerade Irak und Iran zeigen US-Verbrechen, und zwar nicht nur beim völkerrechtswidrigen Irakkrieg, in dem sich bekanntlich keine C-Waffen fanden!

    Unser aller Doppelmoral illustriert auch der Erste Golfkrieg, den der Irak begann, aufgerüstet und unterstützt von Frankreich und den USA. Wikipedia: "Das C-Waffenprogramm des Irak bestand von 1979–1991. Dem Genfer Protokoll über das Verbot der Verwendung (...) trat der Irak am 7. April 1931 bei (...) Trotz dieses Verbots entwickelte der Irak von 1979–1991 im Project 922 C-Waffen und setzte diese im Ersten Golfkrieg (1980–1988) sowie bei der Anfal-Operation (1988) bei militärischen Operationen ein. Über 10000 Menschen wurden dabei von Chemiewaffen getötet, mehr als 50000 schwer verletzt (...) Wegen der schlechten Beziehungen des Iran zur internationalen Gemeinschaft, kam es nur zu verhaltenen Protesten gegen den Irak bezüglich dessen Giftgaseinsatz. Dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen lagen am 26. März 1984 stichhaltige Beweise für den Giftgaseinsatz auf irakischer Seite vor. Das State Department war darauf bedacht, bei der Frage nach dem Einsatz von Giftgas gegenüber der irakischen Regierung, das richtige „Timing“ zu erwischen, um die bilateralen Beziehungen nicht zu gefährden."

    • doch40
    • 11. September 2013 6:56 Uhr

    Man muss schon eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Realität haben, um einene derart einseitige Lobenhymne auf Obama zu schreiben. Wie seltstverständlich wird der Irak bemüht als Beispiel für ein Land, das wie Syrien stets geleugnet hat, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dabei hatte der Irak tatsächlich keine. Wie selbstverständlich wird der Iran als Beispiel herangeführt, dass ein Land den USA entwas an Waffen verheimlichen würde. dabei ist glaubhaft noch nie nachgewiesen wordem, dass der Iran tatsächlich an einer A-Bombe bastelt. Wie selbstverständlich werden die Russen dargestellt, als tantzten sie den USA auf der Nase.
    Nun muss man kein Freund des Irak oder den Iran sein, man muss auch Putin nicht mögen, aber die von Herr Klingst entworfene angebliche Wirklichkeit ist doch zu sehr schwarz-weiß-gebürstet.

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    Na ja, Anfang der 90er Jahre waren im Irak ganz sicher Chemiewaffen gelagert, welche bei Halabja auch eingesetzt worden sind. Nur 2003 waren dann eben keine mehr da. Da haben Sie dann Recht. Was mit diesem Arsenal passiert ist wird man wohl nie erfahren schätze ich.

    die es braucht, um diese Gasangriffe auszuführen:

    "Human Rights Watch [HRW] analyzed witness accounts of the rocket attacks, information on the likely source of the attacks, the physical remnants of the weapon systems used, and the medical symptoms exhibited by the victims as documented by medical staff.
    ... strongly suggests that these are weapon systems known and documented to be only in the possession of, and used by, Syrian government armed forces,"

    http://www.hrw.org/news/2...

  1. Die Rede war eine einzige Aneinanderreihung von Lügen und platten Verdrehungen. Als Beweis für den Giftgasanschlag wurden Youtubevideos und Facebookkonten genannt.
    Die angeheuerten Terroristen, Pardon, Rebellen, die den Bürgerkrieg erst entfesselten, wurden von Obama als moderate Opposition bezeichnet. Der Dreistigkeiten nicht genug, stellt er sich auch noch als Friedensstifter da, er habe in seinen 4,5 Jahren Kriege beendet, nicht angefangen. - Hat wohl Lybien ganz vergessen, oder all die Drohneneinsätze in Pakistan und Jemen.

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  2. und zu recht.
    Obamas Politik ist bestimmt durch einen völligen Mangel an Klarheit und Logik.

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    • mumpes
    • 11. September 2013 8:56 Uhr

    Wenn das Volk die Zusammenhänge klarer sieht, als der Präsident, dann stimmt am System etwas nicht. Dort wirken wahrscheinlich große Kräfte, die eine bestimmte Interessenpolitik herbei führen. Einerseits dürfte das der berüchtigte militärisch-industrielle Komplex sein, andererseits ein bestimmtes Interesse in unmittelbarer Nachbarschaft des Krisenherdes. Gegen die kann man nur verlieren!

    Eigentlich muss man bekloppt sein, diesen Job zu machen. Obama hatte bei Amtsantritt Irak und Afghanistan an der Backe, und dazu eine massive Wirtschaftskrise, die schon beim Vorgänger angefangen hatte. Dass er dann derartig den Hampelmann geben müsste, hatte er sich wohl nicht vorgestellt. Er wird ja regelrecht vorgeführt. Auf dessen ganz private, ehrliche Memoiren wäre ich sehr gespannt.

    ...lässt Obama nackt dastehen.

    Ok, die ZEIT erzählt uns noch verzweifelt das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern... geschenkt.

    "Der Kongress-Abgeordnete Steve Stockman hat Präsident Obama einen ungewöhnlichen Deal vorgeschlagen: Wenn Obama den Friedens-Nobelpreis zurückgibt und 10 weitere, unangenehme Fragen ehrlich beantworten kann, werde er für einen Militärschlag gegen Syrien stimmen...."
    http://deutsche-wirtschaf...

    • Atan
    • 11. September 2013 7:12 Uhr

    mal der Sachlichkeit weichen lassen. Dass er ein guter Redner ist wird in der Regel ja auch allgemein anerkannt. Ansonsten könnte man genau so gut behaupten, dass ohne Bushs Irakkrieg Russland keine diplomatische Initiative gestartet hätte, denn die ständig minimierten Bombendrohungen Obamas waren rein symbolischer Art - gefürchtet haben alle anderen nur das unberechenbare Eskalationspotential eines großen Krieges.

    Was ist so furchtbar an einer realistischen Sicht Obamas? Durch eine Reihe halbgarer Pläne zur Gesichtswahrung entstand durch russisches Einlenken am Ende ein letztes Fenster für diplomatische Optionen - eher ein abschreckendes Beispiel internationaler Leichtfertigkeit statt politischer Berechenbarkeit.

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    • einszwo
    • 11. September 2013 8:45 Uhr

    >>Dass er ein guter Redner ist wird in der Regel ja auch allgemein anerkannt.<<

    Also ich habe Obama noch nie eine Rede halten sehen, die er nicht vom Teleprompter abliest (die zwei transparenten Platten rechts und links vom jeweiligen Rednerpult). Man sieht dann immer seinen Blick von rechts nach links wechseln, und wieder zurück.

    Und die Reden schreibt er ja wohl auch kaum selber...

    • Heekhof
    • 11. September 2013 7:12 Uhr

    dem kann man zustimmen oder auch nicht....
    Aber wo er Recht hat:

    In Wahrheit aber ist es ein Zeichen der Stärke.

    Dies ist es, ohne wenn und aber. Terroristen oder Rebellen, Kriegespropaganda oder Aufklärung, Verbündete und Abtrünnige, allem hin und her zum Trotze. Schade nur, das ich irgendwie noch nicht daran glauben kann, das sich offene Kommunikation als Stilmittel in der US - Außenpolitik durchsetzen könnte.

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    und eher ein Zeichen der Schwäche angesichts dieser neuen Realitäten.

    Denn früher hatten Regierungschefs niemals Probleme, mittels Hofberichterstattung und Zensur ihrer Gegner die Zustimmung zu ihren Kriegen zu erhalten.

    Das ist heute anders. Heute gibt es ein immer noch weitgehend zensurfreies Internet, in dem sich jederman nicht nur die Quellen der Hofberichterstattung der anderen Seite, sondern auch völlig unabhängige Seiten ansehen kann. Und damit sind die Lügen, die faktisch für jeden Krieg notwendig sind, nicht mehr so wirkungsvoll wie früher. Dies ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Der Irakkrieg ging seinerzeit noch durch, obwohl es schon ein Internet gab. Aber dieser Prozess findet statt, auch im Augenblick, wie man an dem Gegenwind sehen kann, den die deutsche Hofkriegsberichterstattung schon in den Kommentaren ihrer eigenen Zeitungen bekommt.

    Und der Leser lernt auch in den Kommentaren, wie man wirklich recherchiert, findet Links zu anderen Zeitungen und Internetseiten, die ihm vorführen, wie Berichterstattung auch aussehen könnte. Beispielsweise so wie http://www.atimes.com/ati... wo die letzten Entwicklungen etwas anders bewertet werden.

  3. Mein Verständnis für die Neigung, sich die Wahrheit mit kleinen Tricks zurecht zu biegen ist wirklich groß.

    Dennoch sollten sich die Kollegen bei Gelegenheit die Landkarte mit den US-Militär-Stützpunkten rund um den Iran noch einmal anschauen. Es schadet auch nicht, sich daran zu erinnern, wer aus welchen Motiven heraus den Konflikt ausgelöst hat.
    Wenn man sich dann noch vorstellt, wie die USA selbst mit Mächten verfahren würde, die Söldner, Scharfschützen und AlKaida-Kämpfer aus aller Welt über eine offene Nordflanke in das Land schleusen würden, dann wäre der Artikel vermutlich etwas anders ausgefallen.

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    könnte man diese Neigung nennen.
    [Dokumentation über die US-Militärbasen: http://www.youtube.com/wa... ]
    Harte Fakten, würde ich so etwas nennen.

    Die Rede in der Nacht war das Vorlesen eines PR-Textes. Von Stärke keine Spur: die US-Administration hat sich in Zugzwang gebracht und muss nun Stück für Stück zurück rudern, den MIK und die Geostrategen dabei im Nacken.
    Kommentar #1 sagt es knapper.

  4. Zitat Artikel: "... Ansprache an ein kriegsmüdes Volk, vorgetragen von einem Präsidenten, der selber kriegsmüde ist, aber keinen anderen Ausweg sieht als ...."

    Das ist so wie wenn mir nachts ein Typ entgegenkommt: "Hey - ich bin zwar Gewaltmüde, meine Freundin kanns auch nimmer sehen, aber es gibt jetzt keine anderen Ausweg als dir eine reinzusemmeln...."

    Verdammt nochmal: Die USA sollen endlich die Pfoten aus der Welt rauslassen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Militär | Brief | Drohung | Parlament | Präsident
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