Heute kommt Barack Obama in Russland an, zum G-20-Gipfel in St. Petersburg. Ursprünglich ging es um ein Routine-Treffen, bei dem eher unverbindlich geplaudert denn gehandelt wird.

Jetzt aber ist das Konklave plötzlich zur Bühne geworden, auf der Obama vor den Großen dieser Welt zeigen muss, ob er das Zeug zum Führer hat – und Amerika zur Ordnungsmacht.

Glänzend steht er nicht da, nachdem er die Entscheidung über einen Angriff auf das Assad-Regime wie einen Schwarzen Peter dem Kongress zugeschoben hatte.

Dies, obwohl die War Powers Resolution von 1973 den Präsidenten dazu ermächtigt, 60 Tage Krieg zu führen, ohne dazu den Segen des Parlaments einzuholen. Er muss bloß binnen 48 Stunden des Beginns Bescheid sagen.

Warum die Verantwortungsverlagerung? Böse Zungen behaupten zweierlei. Er sei in Panik geraten, nachdem der britische Premier die Kriegsabstimmung im Unterhaus verloren hatte.  

Oder: Er hat Angst vor seiner eigenen Courage – nach all den "roten Linien", die Assad schon überschritten hatte, nach den über 100.000 Menschen, die im syrischen Bürgerkrieg bereits umgekommen sind.

Eine Anti-Assad-Koalition in der G 20 zusammenzuschirren, ist seitdem nicht einfacher geworden. Die Briten sind draußen, die Deutschen machen sowieso nie mit. In Europa ist Obama nur Frankreich geblieben. Japan, Südkorea? Die glänzen auch gern mit Zurückhaltung.

Saudi-Arabien (G-20-Mitglied) und Katar? Die sähen nichts lieber als einen gestürzten (oder toten) Assad. Aber die Saudis, Zaunkönige aus Leidenschaft, werden jetzt erst recht keine Lust verspüren, sich mit dem Zauderer im Weißen Haus einzulassen. Ankara bläst zwar die Backen auf, fürchtet aber im Falle einer Beteiligung syrische Vergeltung.

Der Assad-Mäzen Moskau? Die Beziehung zu Washington (Stichwort "Snowden-Asyl") könnte schlechter nicht sein, aber es scheint sich ein winziger Lichtblick aufzutun. Putin deutet an, dass er sich einer Resolution im Sicherheitsrat nicht verschließen würde, wenn es "jenseits allen Zweifels" bewiesen werden könnte, das Assad Giftgas eingesetzt habe.

Am besten sieht es für Obama im Kongress aus. Am Dienstag hat sich der Präsident mit führenden Volksvertretern getroffen. Die Republikaner haben sich um Obama geschart, die Demokraten sowieso. Harry Reid, der Fraktionschef der Senats-Demokraten, glaubt fest daran, dass er eine Mehrheit für eine Angriffsresolution bekommt. Bloß bleiben die Hinterbänkler in beiden Parteien unsichere Kantonisten.

Und wenn es tatsächlich losgeht – zu welchem Zweck? Obama hat für jeden etwas. Er will eine Bestrafung, die "begrenzt und proportional" ist. Aber doch noch mehr, eine "breitere Strategie": Die Aktion soll "die Kräfte Assads empfindlich schwächen" und zugleich die "Fähigkeiten der Opposition stärken".  Zu guter Letzt würde sich "Syrien aus diesem furchtbaren Bürgerkrieg befreien" können.

So weit der Wunsch. Dagegen steht Winston Churchills Warnung: "Nie, nie an einen einfachen und glatt verlaufenden Krieg glauben. Oder dass irgendjemand die Gezeiten und Stürme berechnen kann, die ihm auf solcher Irrfahrt auflauern werden." 

Eine feste Hand am Steuerrad hat Obama bislang nicht gezeigt.