Polens Außenminister Radoslaw Sikorski hat die Ignoranz der Deutschen bei historischen Fragen kritisiert. "Sie schämen sich für den Holocaust, und sie wissen, dass sie in Stalingrad geschlagen wurden", sagte Sikorski der ZEIT. "Aber sie geben sich wenig Mühe, zu erfahren, wie ihre Väter oder Großväter sich bei uns aufgeführt haben." 

In dem ZDF-Weltkriegsdrama Unsere Mütter, unsere Väter sei die Darstellung der Polen skandalös falsch. "Sie werden verstehen, dass wir es nicht gut vertragen, von Deutschen als Antisemiten stigmatisiert zu werden", sagte Sikorski. Der Film wurde in Polen mehrfach kritisiert, weil Partisanen der Heimatarmee (AK) als judenfeindlich dargestellt wurden.

Dagegen sagte Sikorski, dass viele Menschen in Polen mit der aktuellen Politik der Deutschen zufrieden seien, was die enorme Beliebtheit von Kanzlerin Angela Merkel in Polen erkläre. Gleichzeitig aber forderte der Außenminister von einer neuen deutschen Regierung, dass sie in der europäischen Finanzpolitik neue Wege gehe. Sikorski sprach sich etwa vorsichtig für eine gemeinsame Schuldenaufnahme in der Währungsunion aus.

"Wir hoffen sehr, dass jetzt nach der Wahl mehr getan wird", sagte er. Er glaube, dass die EU nur dann eine wahre politische Union werde, wenn einige vielleicht die "neuen finanziellen Verpflichtungen gemeinsam getragen" würden. Dann würde der Zinsaufschlag für Krisenländer im Vergleich zu Deutschland geringer, und der Süden könnte sich erholen.  

Auf die Frage, ob er Euro-Bonds befürworte, sagte der Außenminister: "Sicher für zukünftige Projekte. Ich weiß, wie schwer dies dem deutschen Publikum zu verkaufen ist." Vielleicht sei dies genauso schwer, wie die Öffentlichkeit in Polen davon zu überzeugen, dem Euro beizutreten.

In einer vorherigen Version dieses Textes war fälschlicherweise davon die Rede, der polnische Außenminister spreche sich gegen eine gemeinsame Schuldenaufnahme aus. Das Gegenteil ist der Fall. Wir entschuldigen uns für den Fehler. // Die Redaktion

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