Russlands Präsident Wladimir Putin © Sasha Mordovets/Getty Images

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich im Konflikt um die syrischen Chemiewaffen direkt an die amerikanische Bevölkerung gewandt. In einem Online veröffentlichten Meinungsartikel der New York Times warb Putin für seinen Vorschlag, das Giftgas-Arsenal des Regimes von Baschar al-Assad unter internationaler Kontrolle zu vernichten und warnte zugleich vor den Folgen eines US-Militärschlages gegen Syrien.

Ein US-Angriff gegen Syrien würde zu mehr unschuldigen Opfern und zur Eskalation führen, schrieb Putin. Er betonte, dass es keinen Zweifel am Einsatz von Giftgas in Syrien gebe. "Aber es gibt jeden Grund zu glauben, dass es nicht von den syrischen Streitkräften, sondern von den Oppositionskräften benutzt wurde, um eine Intervention … zu provozieren."

Putin nannte es weiter "alarmierend", dass ein militärisches Eingreifen in interne Konflikte ausländischer Staaten für die USA zur Gewohnheit geworden sei. Millionen Menschen rund um die Welt sähen Amerika zunehmend "als einen Staat, der sich allein auf brutale Gewalt verlässt". Er bezweifle, dass solche Interventionen im langfristigen Interesse der USA seien, schrieb Putin.

Putin wiederholte seinen Standpunkt, dass es aus seiner Sicht jeden Grund dafür gebe, dass die syrischen Rebellen und nicht die Truppen von Präsident Baschar al-Assad für den Giftgasangriff bei Damaskus am 21. August verantwortlich seien.

Russland  hatte am Montag vorgeschlagen, die syrischen Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen und zu vernichten. Syrien will sich nach eigenen Angaben darauf einlassen, und könnte so den drohenden Militärschlag der USA und Frankreichs abwenden.  

Versuch einer Einigung

Am heutigen Donnerstag wollen sich US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow in Genf treffen, um über den Plan zu beraten. Sie werden von Expertenteams begleitet, die die praktischen Details des Plans ausarbeiten sollen. Die Positionen sind noch weit auseinander, obwohl Präsident Barack Obama in seiner Fernsehansprache am Dienstag der Diplomatie mit Blick auf die russische Initiative den Vorrang gegeben hatte.

Auch der Gesandte der Arabischen Liga für Syrien, Lakhdar Brahimi, reist nach Genf, um sich gegebenenfalls mit Kerry und Lawrow treffen zu können. Aus diplomatischen UN-Kreisen verlautete, im ersten Treffen der beiden Außenminister am Donnerstag werde es darum gehen, ob es eine Basis dafür gebe, sich der "Herkulesaufgabe" zu widmen, syrische Chemiewaffen zu entsorgen, während das Land im Bürgerkrieg ist.