ArbeitsmarktGriechenland will Schwarzarbeit eindämmen

Die Schwarzarbeit habe jede "erduldbare Grenze" überstiegen, sagt der griechische Arbeitsminister. Er will sie bekämpfen. Mit mehr als 1.000 Kontrolleuren.

Griechenlands Regierung will mit harten Strafen die weit verbreitete Schwarzarbeit bekämpfen. Zudem sollen Privilegien von Staatsbediensteten abgeschafft werden, wie der griechische Arbeitsminister Giannis Wroutsis mitteilte. Für Unternehmer, die Menschen schwarz beschäftigen, "tickt die Uhr", sagte er der halbamtlichen Nachrichtenagentur Amna. Ab Montag würden täglich mehr als 1.000 Beamte landesweit Kontrollen durchführen. 

Zuvor hatte der für Reformen zuständige Minister Kyriakos Mitsotakis angekündigt, den sechstägigen Sonderurlaub für Staatsbedienstete abzuschaffen, die mehr als fünf Stunden am Tag vor einem Computer arbeiten. Die Staatsbedienstetengewerkschaft kündigte an, sie werde dagegen klagen.

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Griechenland hatte in den vergangenen Monaten immer wieder Maßnahmen gegen Schwarzarbeit angekündigt. Die Regierung drohte bereits Unternehmern, die Menschen schwarz beschäftigen, sie sollen künftig pro Fall 10.550 Euro Strafe zahlen. Zudem sollen bei Wiederholung die betroffenen Betriebe geschlossen werden. Arbeitsminister Wroutsis sagte im August, die Schwarzarbeit habe mittlerweile "jede erduldbare Grenze übertroffen".

Im Rahmen mehrerer Kontrollen des Arbeitsministeriums und der größten Rentenkasse des Landes, IKA, war festgestellt worden, dass knapp 40 Prozent der Arbeitnehmer gar nicht versichert sind. Die Renten- und Versicherungskassen des von der Pleite bedrohten Landes hätten allein 2012 rund sechs Milliarden Euro verloren.

Wegen der hohen Arbeitslosigkeit von derzeit 27,9 Prozent sind immer mehr Menschen bereit, irgendeine Arbeit aufzunehmen. Besonders auf den Touristeninseln soll im Sommer fast jeder zweite Arbeitnehmer ohne Versicherung und Arbeitgeberbeiträge tätig sein.

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Leserkommentare
  1. Die ganze Schwarzarbeit grassiert viel im sonnigen Süden und in Griechenland ist es jetzt in der Krise besonders schlimm. Aber es bringt nicht das Land weiter und ich meine, wenn wir gut und gerne unsere Steuergelder nach Griechenland schicken dann dürfen wir auch erwarten dass da Steuern eingetrieben werden und alles getan wird für mehr Ehrlichkeit.

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    • Aronia
    • 15. September 2013 0:23 Uhr

    wenn ich Grieche wäre und vor der Wahl stünde, als Geringverdiener mit meinen Steuern Zinsvorderungen u.a. deutscher Banken zu bezahlen oder einfach meiner Familie ein Überleben mit ausreichend Nahrung und Dach über´m Kopf zu sichern - meine Entscheidung wäre klar!

  2. 2. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

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    ...die kommt bekanntlich erst wenn man hart gelandet ist.
    Man hätte sich nur raushalten sollen bis die Pleite den Wunsch nach Korrektheit vorantreibt.

  3. ...die kommt bekanntlich erst wenn man hart gelandet ist.
    Man hätte sich nur raushalten sollen bis die Pleite den Wunsch nach Korrektheit vorantreibt.

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    Antwort auf "[...]"
  4. Auch in der spanischen Region, in der wir leben, hat die - ja man muss schon sagen traditionell hohe - Schwarzarbeit seit der Krise noch weiter zugenommen. Trotz drakonischer Strafen, die verhängt wurden. Was bleibt den Menschen auch anderes übrig: Länder wie Spanien und Griechenland haben - ebenfalls seit langem - ein sehr grobmaschiges, soziales Netz.

    Wer hier das Glück hat, eine "angemeldete" Arbeit zu finden, etwa im Tourismus, verdient im Durchschnitt unter 1.000 Euro brutto bei einer 48-Stundenwoche. In vielen Hotels arbeiten 90% der Belegschaft zudem nur auf befristeter Basis für eine Saison. Schön fürs Portemonnaie der Urlauber, schlecht für die Menschen hier.

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  5. Ein weit verbreiteter "Trick" ist hier, Mitarbeiter nur für die Hälfte oder ein Drittel der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit anzumelden. Kommt einer der wenigen Kontrolleure tatsächlich vorbei, können Arbeitspapiere selbstverständlich vorgelegt werden.

    Kaum einer wagt es, den Arbeitgeber deshalb anzuzeigen; die Menschen sind einfach froh, irgendwo in Hungerlohn und Brot zu stehen.

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    • Aronia
    • 15. September 2013 0:10 Uhr

    "Ein weit verbreiteter "Trick" ist hier, Mitarbeiter nur für die Hälfte oder ein Drittel der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit anzumelden. Kommt einer der wenigen Kontrolleure tatsächlich vorbei, können Arbeitspapiere selbstverständlich vorgelegt werden."

    Viele Großbetriebe in Deutschland, die überwiegend mit schlecht bezahlten Arbeitnehmern aus Osteuropa reicher werden, wenden diesen "Trick" auch gern an.

    • Aronia
    • 15. September 2013 0:10 Uhr

    "Ein weit verbreiteter "Trick" ist hier, Mitarbeiter nur für die Hälfte oder ein Drittel der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit anzumelden. Kommt einer der wenigen Kontrolleure tatsächlich vorbei, können Arbeitspapiere selbstverständlich vorgelegt werden."

    Viele Großbetriebe in Deutschland, die überwiegend mit schlecht bezahlten Arbeitnehmern aus Osteuropa reicher werden, wenden diesen "Trick" auch gern an.

    11 Leserempfehlungen
    • Aronia
    • 15. September 2013 0:23 Uhr

    wenn ich Grieche wäre und vor der Wahl stünde, als Geringverdiener mit meinen Steuern Zinsvorderungen u.a. deutscher Banken zu bezahlen oder einfach meiner Familie ein Überleben mit ausreichend Nahrung und Dach über´m Kopf zu sichern - meine Entscheidung wäre klar!

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    Wo es was zu holen gibt das nutzt man auch. Würd ich wahrscheinlich auch so machen wenn es nicht kontrolliert wird. Aber da liegt doch der Hase im Pfeffer, der springende Punkt. Vertrauen ist gut und Kontrolle ist besser. Und wenn es alle trifft, nix mit Schwarzarbeit, Schicht im Schacht, dann raufen die sich auch zusammen. Krisen kann man schaffen wenn es sein muss und dabei noch die Steuergelder von uns und andere EUländer hinsprudeln sollte das wohl nicht zuviel verlangt sein. Fördern gut und schön ,aber es gibt auch Pflichten, also: Herausfordern und auch mal gucken, wie es andere Länder mit bessere Gesetze und Zahlungsmoral geschafft haben. Der Erfolg der "Nordländer" ist wohl kein Geheimnis und die Grundlage sind Fleiß, Pünktlichsein und auch mal hart arbeiten, wenn es um die Wurst geht, meine ich.

    • ZPH
    • 15. September 2013 8:06 Uhr

    wenn ich die Wahl hätte entweder Steuern zu zahlen oder meinen Staat von den Steuerzahlern anderen Ländern bezahlen zu lassen, dann würde ich auch lieber die anderen bezahlen lassen. Wenn anderen doof genug sind das tun, klar.

    Darf ich Ihren Kommentar dann so verstehen, dass Sie vollstes Verständnis für Uli Hoeneß haben oder ist Steuerhinterziehung nur bei Reichen verwerflich?

  6. oder kann ich vor dem EuGH jetzt 6 Urlaubstage extra einklagen?

    "Zuvor hatte der für Reformen zuständige Minister Kyriakos Mitsotakis angekündigt, den sechstägigen Sonderurlaub für Staatsbedienstete abzuschaffen, die mehr als fünf Stunden am Tag vor einem Computer arbeiten. Die Staatsbedienstetengewerkschaft kündigte an, sie werde dagegen klagen."

    Nee, bin ja kein griechischer Staatsbediensteter, sondern nur in der wertschöpfenden deutschen Industrie tätig, ziehe die Frage also zurück...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, fin
  • Schlagworte Arbeitsmarkt | Griechenland | Schwarzarbeit | Arbeitgeberbeitrag | Arbeitnehmer | Arbeitslosigkeit
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