Russlands Präsident Wladimir Putin hat die USA und Frankreich dringend gewarnt, Syrien ohne UN-Mandat militärisch anzugreifen. Andernfalls habe Russland bereits Pläne für eine Reaktion, sagte Putin. "Wir haben unsere Ideen, was wir tun werden und wie wir es tun werden, falls die Situation sich hin zu dem Einsatz von Gewalt entwickelt", sagte Putin, der den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Es sei jedoch noch zu früh, darüber zu reden.

Der Präsident sagte, falls die Assad-Regierung tatsächlich nachweisbar Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt haben sollte, schließe er eine Zustimmung im UN-Sicherheitsrat zu einem militärischen Vorgehen gegen Syrien nicht aus. Zugleich bezweifelte er, dass das Regime für die Giftgasangriffe verantwortlich ist. Das anzunehmen, sei lächerlich, sagte Putin, ohne dies näher zu begründen.

Wenn es Hinweise darauf gebe, dass Assads Armee die Chemiewaffen einsetzte, "dann sollten diese Beweise dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt werden". Die müssten aber überzeugend ausfallen. Entscheidungen sollten sich nicht auf "Gerüchte und Informationen stützen, die Spezialdienste durch Abhören, durch Gespräche und solche Dinge erhalten haben". Selbst in den USA fänden einige Experten die von der Obama-Regierung vorgelegten Beweise nicht überzeugend. Die USA stützen sich auf Geheimdiensterkenntnisse. UN-Experten gaben nach Besuchen vor Ort bisher lediglich bekannt, dass Chemiewaffen zum Einsatz kamen, aber nicht, ob durch Assads Militär oder die Rebellen.


Die USA sind sicher, dass Assads Truppen am 21. August Giftgas einsetzten. Bei mehreren Angriffen nahe Damaskus starben damals nach US-Angaben mindestens 1.429 Menschen. US-Präsident Barack Obama entschied sich bereits für einen Militärschlag, will aber noch die Entscheidung des Kongresses abwarten. Dort zeichnet sich inzwischen eine Unterstützung führender Demokraten und Republikaner ab.

Putin erinnert an Irak-Krieg

Putin verglich das Material mit den angeblichen Beweisen für Massenvernichtungswaffen, mit denen die Bush-Regierung 2003 den Angriff auf den Irak begründet hatte. "Alle diese Argumente erwiesen sich als unhaltbar", sagte er. "Aber sie wurden genutzt, um eine Militäraktion zu starten, die viele in den USA als Fehler bezeichnet haben. Haben wir das bereits vergessen?"

Der Präsident sagte, es erscheine vollkommen absurd, dass die syrische Armee chemische Waffen einsetze. Sie sei derzeit in der Offensive, habe die Aufständischen an einigen Orten eingekesselt und "mache sie fertig". Die Armee müsse genau wissen, "dass dies als Vorwand für Sanktionen gegen sie dienen könnte, die auch Gewalt einschließen würden".

Einige Proben aus Syrien werden in Deutschland untersucht

Ein Teil der von UN-Inspektoren im Großraum Damaskus genommenen Proben, die Auskunft über den Giftgaseinsatz geben sollen, wird in Deutschland analysiert. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen habe das Wehrwissenschaftliche Institut für Schutztechnologien und ABC-Schutz im niedersächsischen Munster damit beauftragt, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Die Experten untersuchten unter anderem Betonteile und Textilfasern aus den betroffenen Gebieten in Syrien. Die UN hätten die Bundesregierung um Geheimhaltung gebeten. Sie äußere sich daher nicht zu den Untersuchungen in dem zur Bundeswehr gehörenden Institut, hieß es in dem Bericht.