Verschobener MilitäreinsatzSyrische Opposition wirft Obama Führungsschwäche vor

Die Kehrtwende des US-Präsidenten hat viele syrische Oppositionelle enttäuscht. Sie befürchten, dass die Verzögerung des US-Angriffes dem Assad-Regime nutzt.

Ahmad al-Assi al-Jarba, Chef des syrischen Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition

Ahmad al-Assi al-Jarba, Chef des syrischen Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition  |  © Kenzo Tribouillard/AFP/Getty Images

Syriens Opposition hat sich enttäuscht gezeigt über die Entscheidung des US-Präsidenten gegen einen schnellen Militäreinsatz in Syrien. Barack Obamas Beschluss, erst den US-Kongress abstimmen zu lassen, zeuge von "fehlender Führungsstärke", sagte laut BBC ein Sprecher des Oppositionsbündnisses Syrische Nationale Koalition.

Die Verzögerung des erwarteten US-Angriffs werde den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stärken. "Unsere Angst ist, dass diese Untätigkeit das Regime zu noch heftigeren Angriffen ermutigen wird", sagte der Oppositionssprecher.  

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Auch habe Assad nun mehr Zeit, seine Soldaten und Waffensysteme in Sicherheit zu bringen. In den vergangenen Tagen seien Artilleriegeschütze, Raketen und Truppen in Wohngebiete und auf Gelände von Universitäten und Schulen verlegt worden, teilte die Nationale Syrische Koalition mit. Dadurch werde ein Angriff auf rein militärische Ziele deutlich erschwert.

Ein Kommandeur der Rebellen sagte dagegen, er sehe die Ankündigung des US-Präsidenten nicht als Rückzieher an. Im Gegenteil erlange ein Angriff noch mehr Glaubwürdigkeit, wenn der Kongress Ja sage, sagte Kassem Saadeddine, Sprecher des Höchsten Militärrats.

Assad-Regime spricht von "historischem Rückzug"

Syrische Staatsmedien feierten Obamas Entscheidung als historischen Rückzieher. "Obama hat gestern direkt oder durch Implikation den Beginn des historischen amerikanischen Rückziehers verkündet", hieß es in einem Kommentar der amtlichen Tageszeitung al-Thaura. So resultiere Obamas Zögern aus seinem "unterschwelligen Gefühl der Niederlage und dem Verschwinden seiner Verbündeten".

Syriens Präsident Assad zeigte sich weiterhin kämpferisch. Syrien sei in der Lage, sich gegen einen Angriff aus dem Ausland zu wehren, zitierte ihn das staatliche Fernsehen.

Leserkommentare
  1. 1. falsch

    "Syriens Opposition hat sich enttäuscht gezeigt"
    was die zeit nach über zwei jahren immer noch nicht kapiert hat, ist dass es nicht nur eine syrische opposition gibt. die nationale koalition ist die einzige oppositionsgruppe, die für den angriff der amerikaner ist. alle anderen gruppen, die im übrigen auch gegen jede gewalt sind, sind gegen militärische einmischung.
    das ignorieren der politischen und gewaltlosen opposition syriens durch alle ausländischen akteure hat erst zur eskalation geführt.

    12 Leserempfehlungen
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    • doof
    • 01. September 2013 18:40 Uhr

    für diese Richtigstellung!

    wenn Sie die Schwarz-Weiß-Malerei der deutschen Press Geißeln. Wie allerdings die Ignoranz gegenüber der Pluralität der syrischen "Opposition" den Konflikt erst hat eskalieren lassen erschließt sich mir nicht.

    • HaJuQu
    • 02. September 2013 11:35 Uhr

    Von welche Opposition wird immer geredet.
    Sind es die sogenannten " Oppositionsgruppen " die sich Hilfe des Westens und reaktionärsten Arabischen Staate im Ausland gebildet und finanziert wurden. Der Westen und diese radikale Opposition haben noch immer nicht begriffen, dass sie mit diesen Krieg gegen die reguläre syrische Regierung, bzw. gegen die Mehrheit des syrischen Volkes und gegen die syrische Armee nicht gewinnen können, außer noch mehr Tote und noch mehr Zerstörung Syriens und eine tiefe Spaltung der syrischen Bevölkerung erreichen. Als einzige Native zur Beendigung dieser Tragödie ist , das alle willigen syrischen Oppositionsgruppen und Teilnehmer der regulären syrischen Regierung (egal mit Assad oder ohne) an einen Tisch gezwungen werden , um eine Übergangsregierung unter Kontrolle der UNO unter militärischen Schutz zu bilden. Voraussetzung dafür ist die Einstellung von allen Kampfhandlungen und der Ausweisung aller ausländischen Freischerler. Danach soll langfristig das syrische Volk selbst frei seine Zukunft und Regierung selbst bestimmen. Nebenbei bemerkt, dafür waren Russland ,China und viele andere Länder bisher immer schon gewesen. Deswegen haben sie auch alle Resolution des Westen abgelehnt, die nur eine einseitige Verurteilung der regulären Assad-Regierung vorgesehen hat.

    • Rend
    • 01. September 2013 17:18 Uhr

    ... das Wort "Führung" am besten gar nicht erst in den Mund nehmen. Ich weiss gar nicht aus wie vielen Splittergruppen die Rebellen mittlerweile bestehen, und dort hat man ja auch immer öfter die eigenen Kämpfer nicht mehr im Griff.

    12 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 01. September 2013 17:29 Uhr

    Diese Reaktion seitens der Rebellen und auch auch von Seiten Assads war erwartbar. Andere hätten ihn Papiertiger genannt. Noch ein Grund mehr für den Präsidenten, in Zukunft mit seinen Festlegungen vorsichtiger zu sein, falls er denn wirklich von den früheren Alleinfeldzügen absehen will.

    Eine Leserempfehlung
  2. "Die Kehrtwende des US-Präsidenten hat viele syrische Oppositionelle enttäuscht. Sie befürchten, dass die Verzögerung des US-Angriffes dem Assad-Regime nutzt."

    Nunja,
    wenn sich herausstellte, daß die Drahtzieher der grauenhaften Vernichtungsangriffe ín Rebellengruppen oder woanders zu suchen wären,
    dann bräuchten "Oppositionelle" zumindest keine Angriffe der Amis befürchten.

    Insofern ist der Begriff "Kehrtwende" übertrieben.

    4 Leserempfehlungen
  3. Wenn es tatsächlich stimmt, was in
    http://www.mintpressnews.com/witnesses-of-gas-attack-say-saudis-supplied... behauptet wird, nämlich dass
    es sich bei dem Giftgaseinsatz um eine eher verunglückte Operation der "Rebellen" handelte unter saudischer Beteiligung,
    dann war Obama sehr gut beraten, den Einsatz aufzuschieben.
    Und einiges spricht dafür, dass es auch so gewesen sein könnte.
    CIA und NSA haben in den letzten Jahr(zehnt)en nicht immer beweisen können,
    dass sie richtig gelegen haben.
    Alles spricht dafür, eine unabhängige Untersuchung abzuwarten ...

    9 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte richten Sie Ihre Kritik an community@zeit.de und diskutieren Sie sachlich zum konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kvk

    aufstellt, und der wird dauernd zirkuliert und zitiert in den letzten Tagen, aus einer einzigen Nachrichtenquelle, von der ich nie zuvor gehoert habe.

    Ich halte beide Seiten der schaebigsten Luegen nicht nur fuer faehig, sondern gehe davon aus, dass man sehr wenig glauben kann. Verlaessliche Tatsachen-Berichte und VERLAESSLICHE Augenzeugen-Berichte sind in der ganzen Angelegenheit voellig auf der Strecke geblieben oder werden nicht berichtet. Am ehesten traue ich den UN Inspektoren. Assad hat unabhaengigen Reportern seit Jahren die Arbeit sehr schwer bis unmoeglich gemacht.

  4. ...unter dem Regime Assad; Kinder, Frauen und alte Menschen. Wenn dem Treiben dieses hinterlistigen Regimes weiterhin tatenlos zugeschaut wird, wird es zu weiteren Gräueltaten kommen. Die zersplitterte Opposition wird weiter jeden Angriff bzw. jede Drohung zum Anlass nehmen mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Somit wird es ohne energisches Zutun von Aussen keine kurzfristige Lösung geben und das syrische Volk ist zu weiterem schlimmen Leiden verurteilt. Ist Wegschauen dann wirklich die bessere Wahl. Muss man diesen unsäglichen Konflikt als nationales Karma in der Geschichtsschreibung verbuchen? Beispiele aus der Vergangenheit gibt es ja genügend. Andere Länder und Völker mussten auch diesen Weg gehen.

    • doof
    • 01. September 2013 18:40 Uhr

    für diese Richtigstellung!

    Antwort auf "falsch"

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