Der neue iranische Präsident Hassan Ruhani bietet sich als Vermittler im syrischen Bürgerkrieg an. In einem Namensartikel für die Washington Post schrieb Ruhani, Teheran sei bereit, den Weg zu Gesprächen zwischen Syriens Machthaber Baschar al-Assad und den Aufständischen zu ebnen. "Ich erkläre die Bereitschaft meiner Regierung, dabei zu helfen, den Dialog zwischen der syrischen Regierung und der Opposition zu ermöglichen", schrieb Ruhani, der zur Vollversammlung der Vereinten Nationen nach New York reisen wollte.

Sein Vermittlungsangebot könnte allerdings auf Skepsis bei der syrischen Opposition treffen: Die Regierung in Teheran gilt als enger Verbündeter von Assad. Ruhanis Namensartikel ist mit dem Titel "Warum der Iran einen konstruktiven Beitrag sucht" überschrieben.

Der iranische Präsident legt darin auch seinen Ansatz für eine Beilegung der Spannungen in der Region des Nahen Ostens dar. "Wir müssen uns zusammentun, um auf einen konstruktiven nationalen Dialog hinzuarbeiten, ob in Syrien oder in Bahrain", schrieb Ruhani. "Wir müssen eine Atmosphäre schaffen, in der die Völker in der Region ihr eigenes Schicksal entscheiden können."

Der als gemäßigt geltende Ruhani war bei den iranischen Präsidentschaftswahlen im Juni zum Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad bestimmt worden. In einem Interview mit dem US-Sender NBC hatte er am Mittwoch bereits versichert, dass der Iran niemals Atomwaffen bauen werde.

Das syrische Regime räumte unterdessen ein, den Bürgerkrieg bis
auf Weiteres nicht zu seinen Gunsten entscheiden zu können. "Weder
die bewaffnete Opposition noch das Regime können die andere Seite
besiegen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Kadri
Dschamil der britischen Zeitung The Guardian
. Beide Seiten seien
militärisch gleich stark, was auch noch eine Weile so sein werde.

Wenn die schon mehrfach verschobene Syrien-Konferenz in Genf zustande komme, werde seine Regierung eine Waffenruhe vorschlagen,
sagte Dschamil. Falls die Opposition diese akzeptiere, könnte deren
Einhaltung von UN-Soldaten überwacht werden. Die UN-Truppen müssten
allerdings von neutralen oder befreundeten Nationen entsandt werden.

US-Außenminister John Kerry drängte derweil den UN-Sicherheitsrat
zu einer schnellen und umfassenden Resolution. Das Assad-Regime müsse
mit dem "stärkstmöglichen Mechanismus" der Vereinten Nationen zur
Aufgabe seines Chemiewaffen-Arsenals gedrängt werden, sagte Kerry in
Washington. "Die Zeit ist knapp." Der Sicherheitsrat müsse bereit
sein, kommende Woche zu handeln.