Bisher hatten die UN-Inspektoren nur vorläufige Erkenntnisse aus Syrien mitgeteilt. Der ausführliche Bericht zum Einsatz von Chemiewaffen in Syrien soll Anfang kommender Woche vorliegen. Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte im Deutschlandfunk, nach seinen Informationen werde der Bericht am Montag kommen. 

Die UN-Chemiewaffenexperten hatten Syrien Ende August verlassen. Sie sollten untersuchen, ob bei Damaskus tatsächlich Giftgas eingesetzt wurde. Sie hatten allerdings kein Mandat zu prüfen, wer für den Einsatz verantwortlich ist.

Luxemburg ist derzeit nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates. Asselborn forderte die UN-Vetomächte USA und Russland auf, einen Konsens in der Syrien-Frage zu suchen. Ein monatelanger Streit im Sicherheitsrat darüber, ob eine Syrien-Resolution mit Sanktionen bewehrt sein solle, werde er nicht weiterführen.

Es dürfe zudem nicht nur um die Chemiewaffen gehen. Auch die humanitäre Lage in dem Bürgerkriegsland müsse thematisiert werden, sagte der Außenminister. Er forderte eine Resolution, die UN-Hilfsorganisationen Zugang zu dem Land verschafft, um Millionen Menschen in Not zu unterstützen.

Sicherheitsrat vertagt Diskussion

Der Sicherheitsrat hatte eine für Dienstag angesetzt Dringlichkeitssitzung zum russischen Vorschlag, die syrischen Chemiewaffen unter internationale Aufsicht zu stellen, bis auf Weiteres vertagt. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte eine internationale Kontrolle des syrischen Chemiewaffenarsenals an die Bedingung geknüpft, dass die USA und Frankreich auf einen Militärangriff verzichten. 

An dieser Drohung wollen die beiden Länder aber festhalten. Die USA werfen den syrischen Regierungstruppen vor, am 21. August bei Damaskus durch Giftgas mehr als 1.400 Menschen getötet haben. Die USA und Frankreich hatten deshalb einen Militärangriff angekündigt, doch werden die Vorbereitungen dazu nun vorerst zurückgestellt.

Morde, Folter, Geiselnahmen

Eine von den UN beauftragte Untersuchungskommission zum Konflikt in Syrien hat in ihrem neuen Bericht beiden Kriegsparteien schwere Verbrechen vorgeworfen. Das von vier Juristen geleitete Gremium teilte mit, die Regierungstruppen hätten ihre groß angelegten Angriffe gegen die Zivilbevölkerung fortgesetzt und sich dabei des Mordes, der Folter, der Vergewaltigung und der Entführung schuldig gemacht, die als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" eingestuft würden. Jedoch auch die Rebellen hätten "Kriegsverbrechen" wie Morde, außergerichtliche Hinrichtungen, Folter und Geiselnahmen begangen, erklärte die Kommission.