Die größte griechische Oppositionspartei Syriza will von Deutschland die Rückzahlung einer Zwangsanleihe aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges fordern. Das sagte der Präsident des Bündnisses der radikalen Linken, Alexis Tsipras, in Thessaloniki.

Wenn seine Partei an die Macht komme, werde er der Regierung in Berlin sagen, es könne nicht sein, dass schlechte Zahler die Griechen als schlechte Zahler charakterisierten. "Schluss mit den Höflichkeiten, Frau Merkel. Wir schulden Ihnen. Sie schulden uns aber auch. Die Stunde der Abrechnung ist gekommen", sagte Tsipras vor Tausenden Anhängern bei einer Parteiversammlung.

Griechenland hatte 1942 unter deutscher Besatzung eine Zwangsanleihe in Höhe von 476 Millionen Reichsmark gezahlt; die Bank von Griechenland musste damals ihre Devisenreserven an das Deutsche Reich abtreten. Diese sogenannte Anleihe – in Wahrheit eine Art Tributzahlung, die die griechische Kollaborationsregierung den Besatzern gewähren musste – wurde niemals zurückgezahlt, obwohl dies von deutscher Seite schriftlich zugesagt war. Heute schätzen griechische Politiker den Wert dieser Zwangsanleihe auf umgerechnet etwa 40 Milliarden Euro.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat jedoch Forderungen aus Griechenland nach einer Rückzahlung der Zwangsanleihe mehrfach zurückgewiesen. In einer Antwort auf eine Anfrage der Linken-Fraktion schrieb sie am 10. Februar 2010: "Deutschland hat seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges in hohem Maße Reparationsleistungen erbracht, die die betroffenen Staaten nach allgemeinem Völkerrecht zur Entschädigung ihrer Staatsangehörigen verwenden sollten. Allein durch Wiedergutmachung und sonstige Leistungen wurde ein Vielfaches der ursprünglich auf der Konferenz von Jalta ins Auge gefassten Reparationen in Höhe von 20 Milliarden Dollar erbracht." Im Übrigen seien Reparationen mehr als 60 Jahre nach einem Krieg "in der völkerrechtlichen Praxis ein Sonderfall ohne jede Präzedenz".