ZwangsanleiheGriechenlands Linke verlangt Rückzahlung deutscher Schulden

Der Chef der griechischen Linken wärmt eine alte Debatte auf: 1942 hatten die Nazis seinem Land eine Anleihe abverlangt. Das Geld würde Alexis Tsipras gern verrechnen.

Alexis Tsipras, der Vorsitzende des griechischen Linksbündnisses Syriza

Alexis Tsipras, der Vorsitzende des griechischen Linksbündnisses Syriza  |  © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

Die größte griechische Oppositionspartei Syriza will von Deutschland die Rückzahlung einer Zwangsanleihe aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges fordern. Das sagte der Präsident des Bündnisses der radikalen Linken, Alexis Tsipras, in Thessaloniki.

Wenn seine Partei an die Macht komme, werde er der Regierung in Berlin sagen, es könne nicht sein, dass schlechte Zahler die Griechen als schlechte Zahler charakterisierten. "Schluss mit den Höflichkeiten, Frau Merkel. Wir schulden Ihnen. Sie schulden uns aber auch. Die Stunde der Abrechnung ist gekommen", sagte Tsipras vor Tausenden Anhängern bei einer Parteiversammlung.

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Griechenland hatte 1942 unter deutscher Besatzung eine Zwangsanleihe in Höhe von 476 Millionen Reichsmark gezahlt; die Bank von Griechenland musste damals ihre Devisenreserven an das Deutsche Reich abtreten. Diese sogenannte Anleihe – in Wahrheit eine Art Tributzahlung, die die griechische Kollaborationsregierung den Besatzern gewähren musste – wurde niemals zurückgezahlt, obwohl dies von deutscher Seite schriftlich zugesagt war. Heute schätzen griechische Politiker den Wert dieser Zwangsanleihe auf umgerechnet etwa 40 Milliarden Euro.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat jedoch Forderungen aus Griechenland nach einer Rückzahlung der Zwangsanleihe mehrfach zurückgewiesen. In einer Antwort auf eine Anfrage der Linken-Fraktion schrieb sie am 10. Februar 2010: "Deutschland hat seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges in hohem Maße Reparationsleistungen erbracht, die die betroffenen Staaten nach allgemeinem Völkerrecht zur Entschädigung ihrer Staatsangehörigen verwenden sollten. Allein durch Wiedergutmachung und sonstige Leistungen wurde ein Vielfaches der ursprünglich auf der Konferenz von Jalta ins Auge gefassten Reparationen in Höhe von 20 Milliarden Dollar erbracht." Im Übrigen seien Reparationen mehr als 60 Jahre nach einem Krieg "in der völkerrechtlichen Praxis ein Sonderfall ohne jede Präzedenz".


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Leserkommentare
    • hakeen
    • 14. September 2013 12:01 Uhr

    Die Griechen können von dem nachbarland's Sultan viel lernen.....

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    nicht nur Tsipras stellt diese Forderung. Diese wird seit Jahrzehnten erhoben und sämtliche deutsche Regierungen sitzen die Entscheidung darüber aus.

    Nur die aktuelle, wie die drei letzten, griechischen Regierungen waren vom Wohlwollen ihres deutschen Gegenübers derart abhängig, daß sie diese Frage lieber nicht öffentlich diskutieren wollten.

    Man lese den verlinkten Artikel zur Blutspur der deutschen Wehrmacht in Hellas, bitte bis zum Schluß:
    "Die Republik Italien hat, als Rechtsnachfolgerin des Mussolini-Staats, die griechischen Wiedergutmachungsforderungen längst pauschal beglichen und auch den italienischen Anteil an der Besatzungs-Zwangsanleihe gleich nach Kriegsende in aller Stille zurückgezahlt."

    Was Italien konnte, könnte Deutschland nach dem 2+4 Abkommen endlich einlösen. Es ist mehr als überfällig und würde die Not in GR womöglich ein wenig lindern helfen.

  1. ##Der Chef der griechischen Linken wärmt eine alte Debatte auf: 1942 hatten die Nazis seinem Land eine Anleihe abverlangt. Das Geld würde Alexis Tsipras gern verrechnen.##

    Falls der Mann recht hat, dann muss das Geld auf jeden Fall zurückgezahlt werden. Aber ich weiss nicht wie sich dort die Dinge verhalten. Ich würde aber sehr gerne aus dem €uro aussteigen, um den es dabei wohl auch irgendwie geht. Ich halte dieses Geld nur für unnütz und es schafft, trotz entgegengesetzter ständigen Behauptungen, nur Unfriede in Europa. Also : Weg mit dem €uro!

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    Ok, dass macht ca. 500 Euro/Bundesbürger. Dann überweisen Sie doch schon mal Ihren Anteil an den Wiedergutmachungszahlungen.

    Och bitte! Sie glauben doch wohl nicht ernsthaft, dass die Währung das Problem ist. Die derzeitigen Probleme hätten sie auch so, egal ob mit DM, Reichsmark oder Dollar. Schuld ist nicht der Euro, sondern u.A. der völlig bescheuerte Versuch verschiedene Volkswirtschaften ohne Angleich der Wirtschaftsverhältnisse unter einen Hut zu zwängen. Die Länder sind aber nun mal sehr unterschiedlich in ihrer Wirtschaftsleistung und ihren Möglichkeiten.

    Ein weiterer Punkt sind die mittlerweile schon fast perversen Zockereien an den internationalen Börsen. Da sieht man besonders schön, dass das nicht national an Währungen hängt, oder warum glauben sie, kommen inzwischen weltweit die verschiedensten Länder in die Bredouille? Sicher nicht, weil Amerika den Euro hat.

    • sozio
    • 14. September 2013 12:18 Uhr
    3. .....

    So etwas ist die Folge unserer provinziell-selbstgerechten 'Außen'-Politik, die eine Fortführung der Parteipolitik mit anderen Mitteln ist.

    Gut gemacht, Merkel, gut gemacht, Westerwelle. Sie haben sich einen Nobelpreis für Frieden in Europa verdient.

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  2. Villeicht sollten wir wirklich ein Gesetz erlassen was es unter Straft stellt mit Populistischen Thesen andere Länder zu verärgern. So hat man den Grichen ja gere gesagt sie sollen doch die inseln verkaufen, nur wenn sie nun mit gleich seltsamen Argumenten zurückkontern dann wollen wir das doch nicht mehr so gere hören.

    Auch Deutschland hat nach den Krieg einen Schuldenschnitt erhalten und wir als EU sind nicht gantz unbeteiligt daran gewesen Grichenland in seine jetzige Lage zu bringen.

    Also könnte wir auch gemeinsam an einer Lösung abrbeiten, oder uns halt gemeinsam solche sachen um die Ohren hauen.

    Warten wir alle ab was es noch mit den USA geben wird, da die scon höhere Staatsschulden pro Kopf haben als Giechenland, und wesentlich weniger Reformbereit sind.

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    Wir wünschen uns konstruktive und sachliche Debatten. Bitte üben Sie Kritik an anderen Ansichten daher nur mit Argumenten und verzichten Sie auf beleidigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    Griechenlands Mangel an funktionierenden Strukturen, sein schlampiges Steuersystem und sein untaugliches Geschäftsmodell wurde durch die Einbindung in den Euro zur Katastrophe gebracht. Doch die aufgezählten Mängel hat nicht die EU eingeführt, die waren schon da. Und in den Euro drängelte Griechenland selbst, mit aller Macht und allen faulen Tricks.

    Wenn Sie nach Schuldigen suchen wollen, suchen Sie in der griechischen politischen Kaste.

  3. Ja gut, wenn man so anfängt, könnte Deutschland seinen Zahlungverpflichtungen besser nachkommen, wenn Frankreich uns im Gegenzug für die Verheerungen unter Napoleon und der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg finanziell entschädigt.

    Auch könnte man mal eine Teilrückerstattung der Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg auf den Tisch bringen, nun, da über die These der Hauptschuld zwar noch gestritten wird, die These von einer Alleinschuld Deutschlands aber anerkanntermaßen unhaltbar geworden ist.

    Man sollte die gesamte Geschichte rückabwickeln und am Ende hätte man eine gerechte Gesamtrechnung...

    P.S.: Wann werden eigentlich die griechischen Millionäre, "Staatsbesitzer" und Korruptionsgewinnler endlich mal mit ein paar cent an der Rettung ihres Landes beteiligt? Warum traut sich die griechische Linke(!) nicht mal an die eigentlichen Verursacher ran? Warum muß immer der deutsche steuerzahlende Arbeitnehmer in die Bresche springen?

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    es tut mir leid, aber dieses Argument ist schon sehr billig. Mit diesem Argument kann jeder Schuldner seine Zahlungen einstellen, somit auch Griechenland. Das heißt Tsipras würde auch nichts anderes machen, als das was sie für die deutsche Seite für gut befinden, sofern und um das sollte es gehen die Forderung berechtigt ist oder nicht. Im Artikel ist kurz erwähnt, dass die Rückzahlung des entwendeten Geldes zugesagt, also anerkannt wurde. Wenn das so ist, dann sollte es eigentlich keine Diskussionen geben, genauso wenig, wie Griechenland sich drücken sollte möglichst alles zu begleichen.

  4. ...welche Positionen welche Personen "anziehen".

    Vielleicht sollten sich Verantwortliche in Griechenland
    einmal eindeutig von solchen ... Positionen distanzieren,
    sonst glaubt irgendwann noch einer,
    Deutschland würde Griechenland etwas schulden.

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    ... nach dem Geld Anderer,
    aus fadenscheinigen Gründen heraus,
    bei Linken kein Ausrutscher,
    sondern ein Merkmal.

  5. Er hat recht. Uneingeschränkt.

    Ein besonderes Schmankerl obendrauf ist ja noch, dass Deutschland eben keine Reparationen an Griechenland geleistet hat. Die Reparationenfrage sollte nach einem Friedensschluss geklärt werden. Nur um diese Klärung der Reparationen zu vermeiden, steht im Zwei-Plus-Vier-Vertrag, dass dieser keinem Friedensvertrag entspreche. Im Klartext: Aufgrund deutscher Drückerbergerei aus Geiz gibt es keinen Friedensschluss nach dem Zweitem Weltkrieg. Das es sechzig Jahre dauerte, ist nicht historisch einmalig, sondern liegt alleine an Deutschlands Verschleppung. Und damit will man sich jetzt rausreden? Mit der selbst verursachten Verzögerung?

    Und wer hat das in den Vertrag hineingeschrieben? Wolfgang Schäuble, damals Innenminister, heute Finanzminister. So wenig Nazidarstellungen aktueller Politiker angemessen und gerechtfertigt sind, so verständlich sind sie doch; insbesondere, da die Griechen ja auch noch pauschal vom deutschen Boulevard und mit anderen Worten, aber genauso grausam, bis in die Bürgerlichkeit hinein bis ins Mark beleidigt werden.

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    (und das waren ja "wir") das Tempo des Abschlusses des Friedensvertrages und dessen Inhalt?
    Warum sind "wir" daran schuld, dass es bis heute keinen gibt?
    Sind "wir" vielleicht auch an der deutschen Teilung schuld?

    Der 2. WK ist 70 Jahre her. Viele Menschen wurden ungerecht behandelt (von allen Seiten) und viele dafür nicht entschädigt. Man muss es nun einfach mal gut sein lassen.

    Es gibt für mich auch keinen Zweifel daran, dass Merkels Europapolitik menschenverachtend und kontraproduktiv ist. Und ich verstehe auch, dass viele Menschen in Griechenland verärgert sind. Aber solche bescheuerten Forderungen zu stellen macht nun wirklich keinen Sinn.

    Die Griechen sollten einfach mal bedenken, bevor sie solche Parteien wählen, welche Auswirkungen solche Äußerungen auf die deutschen Wähler haben. Das treibt mehr Menschen zur AfD als zu den für die Griechen "angenehmeren" linken Parteien. Und das kann nun wirklich nicht das Ziel der Bevölkerung dort sein.

    Gut, dass macht dann 40Mrd Eur/ 80 Mio. Bürger = 500 Eur / Bürger. Dann schieben Sie Ihren Anteil und den Anteil Ihrer Kinder doch gleich mal rüber ...

    • jboese2
    • 14. September 2013 19:13 Uhr

    Einer der Gruende fuer den 2. Weltkrieg waren die hohen Reparationen die die Siegermaechte des 1. WK den Deutschen aufzwangen und so zu einer breiten Massenarmut beitrugen, was den Nazis die Gelegenheit gab sich als starker Mann zu positionieren um diese Schande auszumerzen. Kluge Menschen lernen aus der Gesichte, daher kapitulierte das Deutsche Reich lediglich bedingungslos und ging somit unter. Ersatzlos. Im Nachgang bildeten sich zwei neue Staaten, sie zahlten zwar keine Reparationen, aber haeufig Wiedergutmachungen. Ein Friedensvertrag war daher nach Meinung der Siegermaechte nicht sinnvoll. Wollen Sie heute noch einen Friedensvertrag verhandeln? Die griechische Position ist voelkerrechtlich nicht haltbar. Sie z.B. koennen Anleihe der russischen Zaren auch nur noch an die Wand haengen. All das ist hinreichend bekannt, hindert populistische Fuehrer in einigen Laendern aber nicht daran, diese olle Kamelle regelmaessig aufzuwaermen. Und die zig Milliarden Wiedergutmachung werden natuerlich vergessen, denn die kamen ja vom "neuen" Deutschland. Aber es fallen eben immer noch Leute darauf rein, wie leider auch Ihr Leserbrieg beweist.

  6. ... nach dem Geld Anderer,
    aus fadenscheinigen Gründen heraus,
    bei Linken kein Ausrutscher,
    sondern ein Merkmal.

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    was für eine abgedroschene, langweilige und FALSCHE Aussage.Sie sollte sich vor dem Verfassen solcher "Ergüsse" mal im Programm der Linken auch auf EU-Ebene informieren.

    Die Sozialisierung der Schulden und die Privatisierung der Gewinne aus der Bankenkrise sind neoliberales und konservatives Machwerk. Hinzu kommt die unsägliche von Merkel und Co. angeordnete zerstörende "Sparpolitik".

    DIE LINKE fordert, dass aus einer marktkonformen Demokratie wieder eine demokratiekonforme soziale Marktwirtschaft wird und dass es wieder gerechter zugeht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Alexis Tsipras | Anleihe | Besatzung | Entschädigung | Griechenland
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