Es ist ein erneuter Rückschlag für Silvio Berlusconi: Der frühere italienische Ministerpräsident muss sich wegen Korruption erneut vor Gericht verantworten. Der zuständige Richter in Neapel nannte den 11. Februar als Termin für den Beginn des Verfahrens. Die Anklage wirft Berlusconi vor, den früheren Senator Sergio De Gregorio bestochen zu haben, damit dieser zur Partei Volk der Freiheit überläuft. Auf diesem Weg habe Berlusconi versucht, 2006 die Mitte-Links-Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Romano Prodi zu Fall zu bringen.

De Gregorio hat zugegeben, drei Millionen Euro von Berlusconi erhalten zu haben. Zudem gestand er, versucht zu haben, andere Senatoren zu einem Seitenwechsel zu bewegen. Später wendete er sich allerdings gegen Berlusconi. Da de Gregorio die Ermittler im Vorfeld unterstützt hatte, wurde er im Rahmen eines sogenannten juristischen Deals zu 20 Monaten Haft verurteilt.

Bei der Parlamentswahl im Jahr 2006 hatte eine Mitte-Links-Koalition mit wenigen Stimmen die Mehrheit erreicht und Romano Prodi ins Amt des Regierungschefs gewählt. Wenige Monate später wechselte De Gregorio die Seiten und trug damit dazu bei, Prodi im Jahr 2008 zu Fall zu bringen. Die folgende Wahl gewann Berlusconi.

Zusammen mit Berlusconi ist sein früherer Vertrauter Valter Lavitola angeklagt, der die Geldübergabe organisiert haben soll. Lavitola gibt zu seiner Verteidigung an, dass es für den Fall, dass ihm die Übergabe des Gelds nachgewiesen werden könne, keinen Beweis dafür gebe, dass er von einer Bestechung gewusst habe.

Berlusconis Anwalt Niccolo Ghedini kritisierte die Anordnung des Gerichtsverfahrens als "wirklich außerordentlich" und betonte, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. De Gregorio habe die Seiten aus Überzeugung gewechselt und bei den Geldzahlungen habe es sich um normale politische Ausgaben gehandelt.

Berlusconi sieht sich als "Opfer einer Justizkampagne"

Berlusconi steht in weiteren Fällen vor Gericht. Unter anderem wird ihm Sex mit einer Minderjährigen vorgeworfen. Zwar hat ihn ein Gericht in der sogenannten "Bunga-Bunga-Affäre" schuldig gesprochen, Berlusconi hat jedoch Berufung eingelegt. Er weist die Vorwürfe zurück und hat sich als Opfer einer Justizkampagne bezeichnet.  

Zuletzt verhängte ein Mailänder Berufungsgericht ein zweijähriges Ämterverbot gegen ihn. In dem Verfahren ging es um Steuerbetrug in Millionenhöhe bei Berlusconis Medienkonzern Mediaset. Berlusconi droht nach dem Urteil und auch wegen einer rechtskräftigen Freiheitsstrafe der Verlust seines Senatssitzes.