Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa haben Flüchtlinge gegen ihre Unterbringung in einem Auffanglager protestiert. Sie warfen Matratzen aus den Gebäuden und versuchten, Busse mit Neuankömmlingen auf dem Weg ins das überfüllte Lager aufzuhalten.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR teilte mit, die Lebensbedingungen in der Einrichtung seien "vollkommen inakzeptabel". Nach einem Brand im Herbst 2011 ist das Auffanglager nur noch auf 250 Menschen ausgelegt, zuletzt waren aber mehr als tausend Insassen dort untergebracht.


Vor der Küste der Insel setzten Taucher die Bergung weiterer Leichen aus dem am Donnerstag gesunkenen Flüchtlingsboot fort. Am Morgen seien 18 Tote an Land gebracht worden, so dass die Zahl der geborgenen Leichen nun bei insgesamt rund 250 liege, teilte die Küstenwache mit. Die Arbeit sei sehr anstrengend und schwierig für die Taucher. Diese ziehen die Leichen mit Hilfe von Seilen und Kabeln an die Wasseroberfläche. Von den rund 500 afrikanischen Flüchtlingen an Bord des Schiffes hatten nur 155 das Unglück überlebt, etwa 100 werden noch vermisst.

Weitere Schiffe in Seenot

Auch in der Nacht zum Dienstag geriet ein Schiff auf dem Mittelmeer in Seenot. 263 Syrer und Palästinenser konnten gerettet werden von einem panamaischen Frachter, der die Flüchtlinge nach Sizilien brachte. Ein Frachter aus Dänemark brachte weitere 141 Menschen auf die Insel. Nach eigenen Angaben kamen sie ebenfalls aus Syrien.

Bereits am Montag hatten ein französisches und ein niederländisches Schiff 200 Menschen von einem Flüchtlingsboot nach Sizilien gebracht. Die 29 Menschen an Bord des französischen Schiffes bezeichneten sich ebenfalls als Syrer.

Die Vereinten Nationen erwarten im kommenden Jahr weitere Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland. Nochmals zwei Millionen Syrer würden voraussichtlich ihr Heimatland verlassen, 2,25 Millionen würden zudem innerhalb Syriens auf der Flucht sein, teilte die UN in ihrem jüngsten Bericht mit.