Was ist das größte Problem der US-Außenpolitik? Das amerikanische Volk interessiert sich nicht dafür, trotz des Einsatzes zahlreicher Experten, Thinktank-Wissenschaftlern und professionellen Exilanten. Die meisten Amerikaner sind einmischungsmüde, und US-Präsident Barack Obama weiß das. Er sagte vergangene Woche eine lang geplante Asienreise ab, weil es ihm wichtiger war, in Washington den Kampf mit den Republikanern um die Krankenversicherung und das Budget zu führen, obwohl er wusste, dass er damit China das Feld überlassen würde.

Verständlich, aber falsch, findet Anne-Marie Slaughter. Slaughter ist die frühere Leiterin der Woodrow Wilson School of Public and International Affairs in Princeton, sie war Politikdirektorin im Auswärtigen Amt, heute leitet sie die New America Foundation, ein Thinktank, dessen Vorsitzender Eric Schmidt von Google ist.  "Man muss den Amerikanern bei jeder Gelegenheit einhämmern, dass es keine einzige Krise in der Welt gibt, von der wir nicht auch betroffen sind. Wir leben nicht mehr um 1930, wir sind keine Festung mehr, und wir können keine Mauer um Amerika ziehen. Überall dort, wo es knallt, wo es Unrecht und Gewalt gibt, trifft es auch Amerikaner", sagt Slaughter.

Slaughter sprach am Wochenende auf einem Forum des Magazins New Yorker, bei dessen alljährlichem Festival Prominente aus Politik und Literatur auftreten. Auch der syrische Aktivist Ammar Abdulhamid saß auf dem Podium, dazu Dexter Filkins, Kriegskorrespondent des New Yorker und Andranik Migranyan vom Putin-freundlichen Thinktank Institute for Democracy and Cooperation. Moderator war Steve Coll, Leiter der Journalistenschule der Columbia University.

Slaughter immerhin bringt Verständnis für Obama auf, denn der wolle in die Geschichte als Präsident eingehen, der zwei "ewige Kriege" beendet habe. Weitaus kritischer ist Abdulhamid. Der Aktivist musste 2005 aus Syrien flüchten, seitdem lebt er in der Türkei und Amerika und trommelt für einen Regimewechsel. Dazu dient die von ihm gegründete Tharwa-Foundation im Dunstkreis des demokratischen Brooking Instituts, die auch mit CIA-finanzierten Organisationen zusammenarbeitet.  

Gibt es noch "good guys"?

Obama habe viele Chancen verschenkt, sagt Abdulhamid. "Vor anderthalb Jahren hätte ein Angriff Assad noch etwas bedeutet, damals waren die moderaten Rebellen noch stark und Obama hätte auf regionale Unterstützung bauen können. Jetzt haben wir einen brutalen Diktator mit kampfkräftigen Truppen, der Teenager foltert und eine Million Syrer umgebracht hat, er wird vom Iran und der Hisbollah unterstützt, während Al-Kaida-Truppen vom Irak ins Land strömen." Auch mehr als Tausend Europäer kämpften in Syrien, berichtet Abdulhamid, darunter viele griechische Faschisten. "Die können auf diese Weise antiimperialistisch und antimuslimisch sein." Aber Assad dürfe auf keinen Fall an der Macht bleiben. "Dafür haben wir zu viel gelitten und zu viel geopfert."

Ähnlich pessimistisch ist Filkins. "Jetzt haben wir die Wahl zwischen einem mörderischen Regime in Syrien, unterstützt von den Russen und den Iranern, auf der anderen Seite die Al-Kaida-Terroristen. Gibt es überhaupt noch good guys, denen wir ein paar Gewehre in die Hände drücken können?" Aber auch Filkins fürchtet Al-Kaida nicht so sehr wie eine Eskalierung des Bürgerkriegs. "Al-Kaida macht schreckliche Sachen in Pakistan oder Afrika, aber das ist keine Bedrohung für Amerika. Und in Syrien gibt es keine Tradition des radikalen Islam. Aber der Krieg dort könnte die ganze Region zerreißen, angefangen mit schwachen Staaten wie Jordanien."