Der US-Geheimdienst NSA hat offenbar das Gebäude der amerikanischen Botschaft in Berlin für seine Zwecke genutzt. Von dem repräsentativen Bau direkt am Brandenburger Tor aus soll der Geheimdienst das Regierungsviertel abgehört haben. Auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde einem Spiegel-Bericht zufolge von hier aus überwacht. Das Magazin beschreibt, wie die Spione das Gebäude für sich nutzten.

Auf dem Dach der Botschaft seien fensterartige Einbuchtungen angebracht. Diese seien nicht verglast, sondern aus elektrisch nicht leitendem Material in der Optik des umliegenden Mauerwerks verblendet, erklärte der britische Enthüllungsjournalist Duncan Campbell dem Spiegel. Dieses sogenannte dielektrische Material sei für feinste Signale durchlässig. Dahinter verberge sich die Abhörtechnik. Im Jahr 2008 war das Gebäude nach vier Jahren Bautätigkeit eingeweiht worden.

NSA-Experte James Bamford sagte dem Spiegel, dass die Abdeckung aus demselben Material zu sein scheine, mit dem die Dienste auch größere Anlagen abschirmten. Dahinter würden sich wohl die Antennen verbergen. Ein IT-Sicherheitsexperte bestätigte, dass der Standort der US-Botschaft ideal sei, um die Mobilkommunikation im Regierungsviertel zu überwachen. Dabei könnten Handysignale abgefangen sowie Zielpersonen geortet werden.

NSA-Spezialisten in Frankfurt und Berlin

Das Magazin beruft sich bei den Enthüllungen auf interne Dokumente von Whistleblower Edward Snowden. Aus einem Papier gehe hervor, dass für die NSA an über 80 Standorten weltweit ein Special Collection Service (SCS) zumeist in Botschaften und Konsulaten im Einsatz ist. Darunter befinde sich eines in Frankfurt am Main und eines in Berlin. Beide deutschen Stützpunkte seien mit aktiven Mitarbeitern besetzt.

Die Einheit sei imstande, Mikrowellen und Millimeterwellen und verschlüsselte Kommunikation abzufangen. Seit einigen Jahren spezialisierten sich die SCS-Agenten zunehmend auf Einsätze im Internet, schreibt der Spiegel weiter. 2002 sei die Handynummer der heutigen Bundeskanzlerin in eine Liste der NSA aufgenommen worden, die den Schluss zulasse, dass sie Ziele der SCS-Agenten definiere.

Als nach dem Anschlägen vom 11. September klar wurde, dass einige der Terroristen in Deutschland gelebt hatten, trauten die US-Amerikaner den Deutschen nicht mehr. Zudem waren sich Deutschland und die USA im Vorgehen gegen den Irak uneins. Die Bild am Sonntag berichtete, dass auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) abgehört worden sei. Zudem sei Barack Obama in die Überwachung Merkels eingeweiht gewesen. Das geht laut Spiegel aus den Unterlagen jedoch nicht eindeutig hervor.