US-Präsident Barack Obama pocht im Finanzstreit auf ein Nachgeben der Republikaner. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Washington erklärte er aber auch, kurzfristige Übergangslösungen zu akzeptieren. Danach sei er bereit, mit "jedem über alles" zu reden, sagte Obama . Experten sehen darin zumindest eine erste minimale Bewegung in der erbitterten Auseinandersetzung, die zu einem teilweisen Verwaltungsstillstand in den USA geführt hat.

Der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner, winkte allerdings erneut ab. Eine bedingungslose Kapitulation komme nicht in Frage, antwortete er dem Präsidenten in einem Telefonat. Die Gespräche müssten jetzt beginnen.

Die USA sind am 1. Oktober ohne Haushalt ins neue Fiskaljahr gegangen. Einem Übergangsetat wollen die Republikaner bislang nur dann zustimmen, wenn es zugleich Abstriche an Obamas Gesundheitsreform gibt. Eine zum 17. Oktober fällige Erhöhung der Schuldenobergrenze knüpfen sie zudem an die Bedingung, dass stärker gespart wird, so auch bei Sozialprogrammen wie den Renten und der staatlichen Krankenversicherung für Ältere.

Obama lehnte es am Dienstag erneut strikt ab, Haushalt und Schuldenlimit direkt mit Verhandlungen zu verknüpfen. Aber wenn es den Republikanern eine Zustimmung erleichtere, könnten sie die Gesetze über einen Übergangshaushalt und über das Schuldenlimit mit einem Zusatz versehen, der anschließende Verhandlungen über alle gewünschten Themen verpflichtend festschreibe.

"Hört auf mit den Drohungen", beschwor er die Republikaner. Er verglich ihr Verhalten mit einer Person, die ein Haus kaufen wolle und dann sage: "Lass uns über den Preis reden, den ich zahlen werde, und wenn du diesem Preis nicht zustimmst, brenne ich dein Haus ab."

Eindringlich warnte Obama insbesondere vor einem wirtschaftlichen Chaos, das drohe, wenn die USA zahlungsunfähig würden. Auch die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit der USA in den Augen der Welt stünden auf dem Spiel. Schon jetzt lasse der Finanzstreit "uns so aussehen, als ob wir unseren Laden nicht in Ordnung kriegen".  

Aus einer Online-Umfrage des GfK-Instituts unter 1.227 Menschen geht hervor, dass der Haushaltsstreit vor allem den Republikanern schadet. 63 Prozent der Teilnehmer machen sie für die Krise verantwortlich. Dennoch sieht auch jeder zweite Präsident Barack Obama und seine Demokraten in der Verantwortung: 52 Prozent der Befragten sagten, Obama unternehme nicht genug, um zusammen mit den Republikanern den Shutdown zu beenden.

Noch mehr Schulden?

Neben dem Haushaltsstreit droht ein Disput über die gesetzliche Schuldengrenze die Situation zu verschärfen. Die Demokraten im Senat kündigten für diese Woche einen neuen Lösungsvorschlag an. Noch diese Woche könnte Mehrheitsführer Harry Reid einen Entwurf zur Erhöhung der staatlichen Schuldengrenze zur Abstimmung vorlegen. Dieser soll den Vereinigten Staaten bis Ende 2014 finanziell Luft verschaffen. Dazu müsste die Schuldengrenze von heute 16,7 Billionen Dollar um mindestens eine Billion angehoben werden.

Boehner erklärte, das Schuldenlimit könne ohne weitere Einsparungen nicht erhöht werden. "Es geht um die Zukunft unserer Kinder und Enkel", sagte er. "Und der einzige Weg, das zu schaffen, ist, tatsächlich darüber zu sprechen. Es ist Zeit, dieses Gespräch zu führen, nicht nächste Woche, nicht nächsten Monat, das Gespräch sollte heute beginnen."