Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, als ich einen government shutdown erlebte. Es war 1976, und ich fragte meinen Vater, was das denn eigentlich bedeutet: "Shutdown? Die ganze Regierung macht zu? Das Weiße Haus dicht? Die Polizei geht nach Hause? Herrscht hier gleich Anarchie?"

Ich war gerade in einer Science-Fiction-Phase und stellte mir vor, wie ich in zerrissenen Klamotten, mit Baseballschläger und Heugabel in der Hand mit meinen Kumpels durch die brennenden Straßen zog und mir mit den anderen Endzeit-Schlachten lieferte.

Mein Vater lachte, hieß mich in der bunten, aufregenden Welt der amerikanischen Politik willkommen und erklärte, was ein Shutdown ist: Können Senat und Repräsentantenhaus sich nicht auf einen neuen Bundeshaushalt einigen, werden die Ausgaben der Bundesregierung auf ein Minimum reduziert, und zwar solange, bis ein Konsens erreicht wird. Es gibt dann zwar genug Geld, um die wichtigsten Regierungsgeschäfte weiter zu finanzieren, aber alle Angestellten, die nicht unentbehrlich sind, müssen entweder unbezahlten Urlaub nehmen oder unbezahlt weiter arbeiten.

Was heißt "unentbehrlich"? Das Militär, die Botschaften, das FBI arbeiten zum Beispiel größtenteils weiter und alle, die staatliche Unterstützung erhalten, erhalten dies weiterhin, aber zum Beispiel die Belegschaft der TV-Abteilung bei der Nasa, Gästebetreuer in den Nationalparks, staatlich finanzierte Anwälte für Gnadengesuche, Pestizid- und Weinbaulizenzinspektoren und Trainer für Neuangestellte bei dem Verfassungsschutz müssen zu Hause bleiben.

"Und High School-Lehrer auch, oder?", fragte ich. Es war meine letzte Hoffnung. "Leider nicht", sagte mein Vater, denn all das findet auf der Ebene der Bundesregierung statt: Die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten, wo Schulen und Polizei angesiedelt sind, bleiben vom Shutdown verschont. Das war die erste große Enttäuschung, die die Regierung meines Landes mir bescherte.

Das ist kein Spaß mehr

Seitdem habe ich 16 weitere Shutdowns erlebt: fünfmal unter Jimmy Carter, achtmal unter Ronald Reagan, einmal unter George Bush Senior und zweimal unter Bill Clinton. Die meisten haben nur einen Tag gedauert, der längste – unter Clinton – währte 21 Tage.

Anfangs hat es mich stets aufs Neue beunruhigt; inzwischen ringt es mir einen gewissen Respekt ab, denn ich denke: Eine Opposition, die eine ganze Regierung lahmlegen kann, das ist mal eine engagierte Opposition.

Ich weiß, was Sie denken: Das ist kein Spaß mehr, das ist Erpressung! Auf den ersten Blick stimmt das auch: Die Republikaner haben ja kein Problem mit dem Haushalt an sich; sie weigern sich nur, ihn zu verabschieden, wenn das neue Gesundheitssystem Obamacare nicht für ein Jahr ausgesetzt wird. (Dazu sollten in eben diesem Jahr alle Kongressabgeordneten gesetzlich gezwungen werden, sich selbst bei Obamacare anzumelden, damit sie wissen, wie das so ist.)