Die Revolte braute sich am frühen Montagabend zusammen. Eine Gruppe moderater Republikaner versuchte, die Abstimmung zu verhindern – in einem letzten Aufbäumen gegen die Hardliner, die sich schließlich durchsetzten. Um 20.40 Uhr Ortszeit verabschiedete das Repräsentantenhaus der USA die neueste Version seines kämpferischen Ausgabengesetzes: Es würde eine weitere Finanzierung der Regierung nur erlauben, wenn dafür Teile der Gesundheitsreform ausgesetzt würden – eine inakzeptable Bedingung für Präsident Barack Obama und die Demokraten im Senat. Damit war klar, dass die US-Regierung heute dicht macht.

Es wäre mit oder ohne die Abstimmung so gekommen. Denn ohne einen Kompromiss zwischen beiden Häusern gibt es kein Gesetz. Den Revoluzzern in den eigenen Reihen ging es um etwas anderes: um ihren guten Ruf. Denn eine Reihe von Umfragen in den vergangenen Tagen legt nahe, dass die Öffentlichkeit den Republikanern die Hauptschuld an der verfahrenen Situation gibt.

Für die Republikaner ist der Showdown mit den Demokraten eine innere Zerreißprobe. Die Kluft zwischen dem kompromisslosen rechten Rand der Partei, der dem Haushaltsstreit seinen Stempel aufgedrückt hat, und den eher traditionellen Vertretern des konservativen Lagers, scheint kaum noch zu überbrücken.

Einige seiner Kollegen lebten in "engen Echokammern", schimpfte der Abgeordnete Peter King, einer der Anführer der Revolte. Der Republikaner aus dem Bundesstaat New York, der sich in Heimatschutzfragen einen Ruf als Hardliner gemacht hat, gehört im Haushaltsstreit zu den gemäßigten Stimmen. "Sie hören nur auf sich selbst und ihre Freunde von der Tea Party. Das treibt sie an, und dabei vergessen sie, dass der Rest des Landes glaubt, dass wir verrückt sind."

Unter dem Druck der Tea Party

"Der Zirkus der vergangenen Tage repräsentiert nicht den Mainstream der Republikaner", zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg Michael Grimm, einen anderen frustrierten Republikaner aus New York. Der extrem rechte Flügel der Partei stehe nur für 15 Prozent des Landes, kontrolliere aber die ganze Debatte, klagte Grimm.

Um diese 15 Prozent aber geht es seinen Kollegen, von denen viele auf der Anti-Obama-Welle bei den Zwischenwahlen im Herbst 2010 ins Amt gekommen waren. Es war das Jahr der Tea-Party-Bewegung. Ihre Aktivisten mischten fiskalkonservative Forderungen mit einer gehörigen Prise Populismus. Ihr liebstes Feindbild: der Demokrat im Weißen Haus und seine teure Gesundheitsreform, die im Frühjahr 2010 vom damals noch demokratisch kontrollierten Kongress beschlossen worden war.