Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama (Archiv) © Anton Denisov/Getty Images

Tja, Deutschland, da wunderst du dich! Dein Verfassungsschutz unternimmt jahrelang nichts gegen die Typen, die später zwei Flugzeuge ins World Trade Center fliegen; du sagst mutig Nein zum Krieg im Irak, votierst immer wieder gegen die Interessen der USA und bist dazu Amerikas größter wirtschaftlicher Konkurrent in der westlichen Welt…

…und fällst trotzdem aus allen Wolken, wenn Amerika dich nicht wie einen "Freund" behandelt, wie Angela Merkel das so elegant formulierte, als sie feststellte, dass sie genauso abgehört wird wie andere auch.

Wenn ich Deutscher wäre, würde ich glatt den alten Spruch herausholen: Wer "A" sagt, muss auch "B" sagen. Einerseits will Deutschland nicht mehr in Amerikas Schatten stehen, nicht mehr wie eine Besatzungszone behandelt werden, will endlich den Respekt, der einer so großen, erfolgreichen und anerkannten Macht zusteht – möchte aber andererseits mit Samthandschuhen angefasst werden.

Um es wieder in Erinnerung zu rufen: Ein Mensch verfolgt Ideale, liebt und leidet und schließt Freundschaften. Ein Staat nicht. Ein Staat hat die Aufgabe, die Interessen und den Wohlstand der eigenen Bevölkerung zu wahren, vor allem in Konkurrenz zu anderen Staaten. Das hat nichts mit Freundschaft zu tun. 

Eine Freundschaft zwischen zwei Staaten ist ähnlich wie die zwischen Bill Gates und Steve Jobs. Kann sein, dass die beiden einander sogar kollegial verbunden waren – sie standen ja auf Augenhöhe und werden sich gegenseitig wohl eine gewisse Achtung abgerungen haben –, aber im Alltag war es selbstverständlich, dass sie einander einen harten Konkurrenzkampf lieferten. Es mag auch sein, dass Steve ehrlich empört war, als Bill seine Ideen klaute. Vielleicht sogar genauso empört wie Bill, als er erfuhr, dass Steve seine Ideen geklaut hatte.

Staaten – vor allem erfolgreiche wie Deutschland und die USA – sind wie Bill Gates und Steve Jobs: Partner, wenn es vorteilhaft ist, Konkurrenten immer. Und Konkurrenten nehmen einander sehr genau ins Visier.

Warum dann die Aufregung? Wegen Spionage? Ach was. Ich bin mir sicher, dass der BND die Obama-Regierung ebenso ausspioniert, zumindest versucht er es. Wenn nicht, sollte irgendjemand in den oberen Etagen des BND schleunigst gefeuert werden: Auch in Friedenszeiten ist es im Interesse eines Staates, zu wissen, was ein so wichtiger Konkurrent wie Amerika vorhat. Vielleicht sogar lebenswichtig.