Legale Zuwanderung nach Bedarf
Dabei könnten durchaus auch Nützlichkeitserwägungen der Aufnahmestaaten eine Rolle spielen, je nach ihrem Arbeitskräftebedarf. Der nicht neue Gedanke, beruflich qualifizierte Flüchtlinge vielleicht sogar ganz aus den Fesseln des Asylverfahrens zu befreien, setzt allerdings eine Reform des europäischen Asylsystems voraus. Sonst wird es für die Flüchtlinge zur Falle. Denn um ihre Qualifikation nachzuweisen, müssen sie sich enttarnen, ihre Herkunft, Ausbildung und sicher auch ihren Fluchtweg aufdecken. Das aber kann, wenn es mit der Qualifikation doch hapert, zum Rückverweis in das Erstaufnahmeland führen – oder direkt ins Herkunftsland.
Die beste Lösung wäre eine beschränkte Öffnung legaler Zugangswege in die EU über ein europäisches Punktesystem. Zwei Wege sind dabei denkbar: Beruflich qualifizierte Zuwanderer können auf Zeit oder dauerhaft das Recht bekommen, sich in einem der EU-Länder niederzulassen und zu arbeiten. Das ist zum Teil in Deutschland auch jetzt schon möglich, aber noch nicht hinreichend bekannt.
Zum anderen könnten Zuwanderer eine befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhalten, um sich beruflich zu qualifizieren, mit der Pflicht, hinterher in ihre Heimatländer zurückzukehren. Das wäre eine Art Entwicklungshilfe und dürfte die Akzeptanz bei den Bürgern fördern, die Flüchtlingen und Asylsuchenden zunehmend wieder mit Misstrauen, Argwohn und offener Fremdenfeindlichkeit begegnen.
Transparenz erlaubt auch stärkere Kontrollen
Eines ist jedoch gewiss: Der Migrationsdruck wird durch all dies nicht enden. Im Gegenteil: Je mehr Flüchtlinge auf legalen, halblegalen oder illegalen Wegen durchkommen, desto mehr Nachfolger werden sich auf den Weg nach Europa machen. Es muss daher bei Kontrollen und auch Rückführungen bleiben. Allerdings nach geordneten individuellen Verfahren, in denen die Fluchtursachen geprüft werden – jenseits der abstrusen Engführung des Asylbegriffs seit 1993. Aber was offen und transparent gehandhabt wird, kann in Missbrauchsfällen umso legitimer restriktiv praktiziert werden.
An den nassen Grenzen der EU muss die europäische Abschreckungselektronik in eine Rettungslogik verwandelt werden. Die Probleme sind nicht geklärt, wenn kenternde Flüchtlingsboote bei Frontex, der EU-Grenzsicherungstruppe, vom Radarschirm verschwinden, sondern wenn ihre Insassen geborgen sind.
Wer aber den Migrationsdruck dort bekämpfen will, wo er entsteht, zum Beispiel in den afrikanischen Ausgangsländern, muss sich auch um das schäbige Zusammenspiel zwischen außerafrikanischen Geschäftsinteressen und korrupten afrikanischen Führungseliten kümmern. Denn die finanzieren mit westlichen Hilfsgeldern oft vorwiegend ihre Paläste, Bunker und Privatarmeen oder leiten Entwicklungsgelder gleich auf ihre privaten europäischen Bankkonten um.
So ist die Welt. Wer Patentlösungen hat, möge sich melden.








"finanzieren mit westlichen Hilfsgeldern oft vorwiegend ihre Paläste, Bunker und Privatarmeen oder leiten Entwicklungsgelder gleich auf ihre privaten europäischen Bankkonten um."
Und mit denen unterhalten wir ein schäbiges Zusammenspiel ?
Auch, selbst wenn wir nur den Migrationsdruck dort bekämpfen wollten, wo er entsteht, wie zum Beispiel in den afrikanischen Ausgangsländern ?
Ich dachte*, unser Reichtum beruhe auf deren Elend, weil wir die ausbeuten.
Ja, was denn nun ?
*manchmal, nachdem ich bei ZON reingeschaut habe
Keiner, der seinen Pass wegwirft, darf eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, sondern muss sofort in Abschiebehaft oder in das Transitland abgeschoben werden.
Dann erledigt sich das Problem mit weggeworfenen Pässen von selbst.
Dann kann man sich ernsthaft um die echten Flüchtlinge (z.B. den vom Bürgerkrieg betroffenen Syrern) kümmern und denen eine Perspektive in Deutschland bieten. Arbeitserlaubnis, keine jahrelangen Asylverfahren usw.
"Keiner, der seinen Pass wegwirft, darf eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen"
... wenn die Frage erlaubt ist, wollen Sie nachweisen, dass Jemand seinen Pass weggeworfen und nicht beispielsweise auf der Flucht verloren oder abgenommen bekommen hat? Telepathie?
Nein, um eine Einzelfallprüfung wird man auch in solchen Fällen nicht herumkommen.
Artikel:
Ich halte die im Artikel vorgeschlagene Methode einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis auf Probe für eine gute Idee.
Im Endeffekt wird man wohl das Meiste mit einer Vereinfachung der Zuwanderung (Bei gleichzeitiger Vereinfachung der Abschiebemöglichkeiten, wenn die gegebene Chance nicht genutzt wird) für Wirtschaftsflüchtlinge und einer Prozeduralen Trennung von Wirtschafts- und politischen Flüchtlingen erreichen.
Und dass eine europäisch integrierte Flüchtlings- und Aufnahmepolitik das Dublin II-Abkommen ersetzt ist ohnehin überfällig.
Was ist mit verlorenen, zwangsweise eingezogenen, oder nie ausgestellten Pässen? Wie sehen Sie es da mit der Bringschuld der passlosen Einwanderer in diesen Fällen?
Und wie wollen sie das feststellen ob derjenige den Pass weggeworfen hat oder einfach bei der Flucht gehindert wurde den mitzunehmen, wenn er nicht sogar von den Unterdrückern eingezogen wurde.
Wenn es ihnen wirklich ernst ist mit der Hilfe für Verfolgte ist das garantiert keine gute Idee, denn dann brauchen die Diktatoren der Welt nur die Pässe kontrollieren und schon kann keiner mehr raus, weil er ja nirgendwo aufgenommen wird,
Hallo,
ich stimme dem Satz "Legale Zuwanderung nach Bedarf" absolut zu! Nur darf dann niemand aus Afrika einwandern, sondern z.B. aus Indien oder China!
Ich habe indische Kollegen, welche für meinen Konzern in USA arbeiten, welche nur noch die Kopf schütteln, dass wir kein Punktesystem haben, welches aufgrund von Qualifikation und Sprachkenntnissen Zuwanderung gezielt steuert. Im Gegenteil: Hier werden immer Stimmen laut, das wir gerade die Leute einwandern lassen sollen, welche in USA, Kanada und Australien keine Change haben. Man will ja fair sein.
Wir brauchen eben den indischen Ingenieur und nicht den afrikanischen Hilfsarbeiter! Indien hat übrigens sehr fähige Menschen; ich arbeite gerade mit einem!
Hans
Schön, dass Sie zu denjenigen Mitbürgern gehören, die ihre Vorurteile gegenüber Einwanderern wenigstens teilweise abbauen können. Ich bin zuversichtlich, dass Sie irgendwann einmal, wenn die ersten intelligenten Afrikaner in Ihrem Umfeld auftreten, auch diese Hürden fallen werden :)
Das Punktesystem ist Ausdruck streng ökonomistischen Denkens, also einer Dominanz ökonomischer Gesichtspunkte gegenüber allen anderen Aspekten. Menschen werden nach ihrem potentiellem Beitrag zur Ökonomie bewertet. Ethik spielt keine Rolle mehr. Was zum Wachstum des BIP beiträgt ist vernünftig.
Nun, der nächste Schritt im ökonomistischen Denkmodell wäre die Ausweisung nicht produktiver inländischer Arbeitskräfte. Man könnte bspw. Arbeitslose nach Kenia verkaufen und Kenia dafür 10000 Euro pro aufgenommenem Arbeitslosen bezahlen. Die Denkfigur ist dieselbe: was sich rentiert, ist auch richtig.
Im internationalen Wettbewerb ist kein Platz für Menschlichkeit. Was zählt sind einzig und allein Produktivität und Effizienz.
"Wir brauchen eben den indischen Ingenieur und nicht den afrikanischen Hilfsarbeiter! "
Es ist schwer zu verdauen, aber die Idee eines Punktesystemes, bzw. gesteuerte Einwanderung, mussten wir verwerfen. Die Erfahrungen mit der Green-Card und einige andere Programme zeigten, dass die nicht nach Deutschland wollen. Die wollen alle in die USA oder Australien oder nach Kanada. Aber nicht nach Deutschland.
Das muss man ja auch einmal bedenken.
Der indische Ingenieur muss sich auch den deutschen Lebensbedingungen anpassen. Auch er wird vermutlich selten mehr als 2Kinder haben.
Das bedeutet nur, dass auch er gar nichts dazu beitragen kann, den demografischen Wandel abzuwenden. Er zieht sich nur ein wenig nach hinten – kommt aber mit doppelter Wucht zurück, denn eins darf man nie vergessen! -auch der Inder erwirbt sich Rentenansprüche.
Hier könnten auch 10Millionen Inder einwandern. Langfristig reicht es in einem Sozialstaat eben nicht, dass man nur genügend Arbeitsbienen findet, denen Kinder aber zu teuer sind.
"Keiner, der seinen Pass wegwirft, darf eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen"
... wenn die Frage erlaubt ist, wollen Sie nachweisen, dass Jemand seinen Pass weggeworfen und nicht beispielsweise auf der Flucht verloren oder abgenommen bekommen hat? Telepathie?
Nein, um eine Einzelfallprüfung wird man auch in solchen Fällen nicht herumkommen.
Artikel:
Ich halte die im Artikel vorgeschlagene Methode einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis auf Probe für eine gute Idee.
Im Endeffekt wird man wohl das Meiste mit einer Vereinfachung der Zuwanderung (Bei gleichzeitiger Vereinfachung der Abschiebemöglichkeiten, wenn die gegebene Chance nicht genutzt wird) für Wirtschaftsflüchtlinge und einer Prozeduralen Trennung von Wirtschafts- und politischen Flüchtlingen erreichen.
Und dass eine europäisch integrierte Flüchtlings- und Aufnahmepolitik das Dublin II-Abkommen ersetzt ist ohnehin überfällig.
Haben Sie einen konkreten Vorschlag, wie Sie die Abschiebemöglichkeiten vereinfachen wollen? Wenn der dann noch praktikabel wäre, wäre das schon ein großer Teil der Lösung der Flüchtlingsproblematik.
So viele Kommunen leiden unter dem demographischen Wandel, d.h. der Vergreisung der Gesellschaft. Abwasseranlagen müssen kostspielig verkleinert werden, weil zu wenige Einwohner vorhanden sind, Häuser stehen leer, etc.
Einwanderung ist da nötig und muss gesteuert werden nach Kriterien die unsere Gesellschaft festlegt. Da kann es dann auch zu einer Festlegung des Wohnortes für einige Jahre kommen. So kann es auch wieder zu wirtschaftlicher Prosperität auf dem Lande kommen...
Asyl ist dann etwas anderes, es ist die Zuflucht vor Verfolgung mit dem Ziel zurück zu kehren. Durchlässigkeit sollte es, geben ein Asylsuchender kann auch Einwanderer werden, wenn der bedarf passt.
Hallo,
sorry - dass ist grober Unfug. Wir können niemanden in irgendwelche Wohnorte zwingen . Die Menschen werden dorthin ziehen, wo es Arbeit gibt.
Es wir auf dem Lande nie wieder zu wirtschaftlicher "Prosperität" kommen.
Grüße
Hans
Wieso kommt bei allen Themen, die Probleme bei Einwanderung und Migration beschreiben immer die selbe Floskel "mehr Einwanderung!".
Wie sollte dies denn die Probleme (jeglicher Art, auch die humanitären Bedingungen des Asylrechts) beheben?
Man kann einen Eimer doch nicht flicken, wenn man ihn ständig mit Wasser vollaufen lässt.
Fehlende Arbeitsplätze! Aber wenn nicht ausgebildete Menschen ohne Deutschkenntnisse dort hinziehen, dann blüht dort alles auf?
Anmerkung: In Italien gibt es eine Gemeinde, die darauf spezialisiert ist. Das Dorf lebt davon, dass die Asylanten ihre „Stütze“ dort ausgeben.
Soweit ich sehe wird hier zusätzlich nur gefordert dass man sich hier qualifizieren kann. und dann wieder zurück muss. Ein seltsames Konstrukt, dass weder den Erwartungen von 99% der Immigranten noch den Interessen der Menschen in Deutschland entspricht. Als spezielle Form von Entwicklungshilfe - ok. Aber das ist kaum ein Beitrag um die aktuellen Probleme zu verbessern.
Da das Thema so aufgeladen ist scheinen aber die meisten Kommentatoren moralisieren zu müssen.
Ein überraschend differenzierter Kommentar mit guten Ansätzen und deutlichen Worten.
Erfreulich auch, dass hier endlich die Hauptschuldigen genannt werden: die Konzerne und Machthaber vor Ort. Leider hat mir bisher in jedem Artikel ein Verweis auf deren Verantwortung gefehlt, die bei der Asyldebatte ebenso wie die Schleuser als Hauptprofiteure ausgeblendet wurden.
Um die Situation der Leidtragenden - also der Flüchtlinge und in etwas geringerem Maße der europäischen Bevölkerung - zu verbessern, muss das oberste Ziel sein, Fluchtgründe zu beseitigen. Schon allein, weil unsere Kapazitäten begrenzt sind. Wie begrenzt, darüber lässt sich sicher diskutieren.
Ich glaube, die Akzeptanz von Flüchtlingen könnte ganz allgemein gesteigert werden, wenn man den Bürgern ernsthaft glaubwürdig machen könnte, dass die Asylbewerber auch tatsächlich wieder in ihre Länder zurückkehren, sobald sich die dortige Lage wieder einigermaßen beruhigt hat. Daran glaubt jedoch niemand und in der öffentlich Diskussion wird diese Bedingung auch garnicht erwähnt, was das Gewähren von Asyl als solches statt als vorübergehende Schutzmaßnahme als Immigration vorbei am Gesetzgeber erscheinen lässt.
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