Die United States Air Force führte 1998 Tests mit einem B61-11-Modell in Alaska durch © John Lasky/USAF/Reuters

Die USA wollen einem Bericht des Spiegels zufolge ihre in Deutschland stationierten Atomwaffen modernisieren. Das geht nach Informationen des Magazins aus einem Bericht der Nationalen Nuklearen Sicherheitsbehörde an den US-Kongress hervor. Die Behörde behält sich demnach die Möglichkeit vor, Waffen mit neuen Fähigkeiten zu bauen. Die in Deutschland gelagerten freifallenden Atombomben des Typs B61 könnten demnach zu präzisen Lenkwaffen umgerüstet werden.

Die Bundesregierung hatte in diesem Jahr in Antworten auf Anfragen der Grünen und der SPD mitgeteilt, dass es bei der Modernisierung der Atomwaffen nicht darum gehe, "neue Waffen oder neue militärische Fähigkeiten zu schaffen". Dies entspreche den Vorgaben des US-Präsidenten Barack Obama.

Die Vereinigten Staaten sind in Besitz von über 2.000 aktiven Atomsprengköpfen. Sie basieren auf der Technologie aus den siebziger Jahren. Seit den fünfziger Jahren stationieren die USA Atomwaffen in der Bundesrepublik. Geschätzte zehn bis 20 Exemplare der Atombombe B61 sollen noch auf dem Fliegerhorst des Eifeldorfs Büchel lagern. Ab 2019 sollen laut Spiegel nach aktuellen Plänen die runderneuerten B61-12-Bomben hergestellt werden, von denen ein Teil auch in Deutschland stationiert werden soll.

US-Forscher kritisieren laut Spiegel vor allem die Modernisierung dieser B61-Fliegerbomben. Experten hielten die Waffen in ihrem heutigen Zustand für militärisch nutzlos und befürchten, Russland könnte die runderneuerten Waffen als erhebliche Bedrohung einstufen. In dem Anfang 2011 verabschiedeten New-Start-Abrüstungsvertrag hatten sich die USA und Russland dazu verpflichtet, die Zahl ihrer einsatzfähigen strategischen Atomwaffen in den nächsten sieben Jahren auf jeweils 1550 zu reduzieren. 

60 Milliarden Dollar soll die Modernisierung kosten

Otfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS) und der wissenschaftliche Mitarbeiter Gerhard Piper, kritisierten bereits im vergangenen Jahr, dass die Modernisierung der B61-Bomben eher auf eine neue, militärisch variablere Waffe hinauslaufe als auf einen reinen Ersatzteilaustausch. In einer Untersuchung, die sich auf amerikanische Regierungsdokumente stützt, beschrieben die beiden Autoren, dass die neue Waffe nach der Überholung "wesentlich zielgenauer als die bisherigen" werden könne.

Einem Bericht des US-Forscherverbandes Union of Concerned Scientists (UCS) zufolge will die US-Regierung in den kommenden 25 Jahren 60 Milliarden Dollar in die Modernisierung ihres nuklearen Arsenals stecken. Erst im Juni hatte US-Präsident Barack Obama in seiner Rede zur Lage der Nation angeboten, das US-Atomwaffenarsenal um ein Drittel zu verkleinern.