Der Vorstoß des britischen Premierministers David Cameron zur Einschränkung der Rechte von Einwanderern aus armen EU-Ländern wurde von der Europäischen Union scharf zurückgewiesen. "Wenn Großbritannien Teil der Gemeinschaft bleiben wolle, müsse es auch die Regeln zur Bewegungsfreiheit aller Bürger einhalten", sagte EU-Justizkommissarin Viviane Reding.

Wenn Cameron Großbritannien aus der Europäischen Union führen wolle, müsse er dies klar sagen. "Sie können nicht das eine ohne das andere haben, Herr Cameron", sagte Reding. EU-Sozialkommissar László Andor kritisierte Camerons Worte als "unglückliche Überreaktion".

Zuvor hatte der konservative Regierungschef Cameron Gesetzesänderungen mit Blick auf Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien angekündigt. Er wolle erreichen, dass Neuzuwanderer erst nach einer dreimonatigen Wartefrist Unterstützung bei Arbeitslosigkeit erhielten. Zu den geplanten Maßnahmen gehört unter anderem die Abschiebung von Einwanderern, die beim Betteln oder Übernachten unter freiem Himmel erwischt werden.

In einem Gastbeitrag für die Financial Times schrieb er, dass er im Zuge von Neuverhandlungen mit der EU erreichen wolle, dass die Bewegungsfreiheit von Einwandern aus ärmeren EU-Ländern beschränkt werden kann. 

Seinen Vorstoß begründete Cameron mit dem Auslaufen von Beschränkungen für die neuen Mitglieder Rumänien und Bulgarien im kommenden Jahr. "Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass die völlige Bewegungsfreiheit zum Auslöser für Wanderungswellen geworden ist, die durch riesige Ungleichgewichte bei den Einkommen verursacht sind", schrieb Cameron. Er wolle das britische Sozialsystem vor einem befürchteten Ansturm von Menschen aus Rumänien und Bulgarien schützen, die vom 1. Januar 2014 an in Großbritannien und anderen EU-Ländern ohne Beschränkung arbeiten dürfen.