Die französische Nationalversammlung hat für die Bestrafung von Freiern gestimmt. Die Abgeordneten votierten per Handzeichen für die zentrale Bestimmung eines umstrittenen neuen Gesetzes zur Prostitution, die für den Kauf sexueller Dienstleistungen Geldstrafen von 1.500 Euro vorsieht. Im Wiederholungsfall droht eine Strafe von 3.750 Euro.

Als Alternative oder Ergänzung zu einer Geldstrafe können auch Kurse zur "Sensibilisierung" der Männer angeordnet werden. Zugleich stimmten die Abgeordneten dafür, den auf die Prostituierten zielenden Straftatbestand des "Kundenfangs" abzuschaffen, der die Frauen mit zwei Monaten Gefängnis bedroht, wenn sie öffentlich um Freier werben.

Das gesamte Gesetz wird am 4. Dezember zur Abstimmung gestellt. Anschließend muss die zweite Kammer, der Senat, dem Text zustimmen. Entworfen wurde die Initiative von einer überparteilichen Gruppe konservativer und linker Parlamentarier. Bei der Debatte am ungünstig gelegenen Freitagabend waren nur 30 Abgeordnete der Nationalversammlung anwesend, die fast ausschließlich für das Gesetz sprachen; es habe ein "relativer Konsens" geherrscht, berichtet die Tageszeitung Le Monde.

Widerstand gab es außerhalb des Hohen Hauses: 150 Prostituierte mit Gesichtsmasken demonstrierten während der Debatte vor der Nationalversammlung gegen das Gesetz. "Sex-Arbeit ist Arbeit", stand auf einem Plakat. "Ihr schlaft mit uns, ihr stimmt gegen uns", riefen sie. Nur einige Hundert Meter weiter demonstrierten 50 Anhänger feministischer Gruppen für den Gesetzentwurf. "Unsere Körper sind keine Ware", schrieben sie auf Banner.

Durch das Gesetz soll Prostitution, die derzeit in Frankreich legal ist, eingedämmt werden. Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem hob in der Debatte hervor, der Text sei ein Vorschlag zur Abschaffung der Prostitution. "Ich will keine Gesellschaft, in der Frauen einen Preis haben", sagte sie, "die Freier schaffen den Markt." Es gehe nicht darum, die Sittenpolizei zu sein, sondern um die Gelder, die die Zuhälter kassierten.

Initiatorin prangert "Versklavung" der Frauen an

Maud Olivier, die sozialistische Initiatorin des Gesetzes, warf den Kritikern Scheinheiligkeit und Heuchelei vor: "Zu sagen, dass die Frauen das Recht haben, sich zu verkaufen, bedeutet die Tatsache zu verschleiern, dass die Männer das Recht haben, sie zu kaufen." Nur weil eine Prostituierte sage, dass sie ihrer Arbeit aus freien Stücken nachgehe, dürfe nicht die Versklavung aller anderen Frauen akzeptiert werden.

"Wie soll man es toll finden, dass Prostituierte zehn bis 15 Penetrationen pro Tag erleiden, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen sind", fragte Olivier. Die angedrohte Geldstrafe von 1.500 Euro für Freier sei niedrig, aber man wolle vor allem ein größeres Bewusstsein für das Problem schaffen. Falls die Strafe nicht genüge, "werden wir härter zuschlagen", drohte die Sozialistin.

Die Abgeordneten stimmten auch für Unterstützungsmaßnahmen für Frauen, die die Prostitution verlassen wollen; dafür sollen jährlich 20 Millionen Euro bereitgestellt werden. Ausländerinnen, die die Unterstützung in Anspruch nehmen, erhalten gemäß dem neuen Gesetz eine sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis, die erneuert werden kann.

Prominente Künstler sind gegen das Gesetz

Die Gesetzesinitiative hatte eine heftige öffentliche Debatte in Frankreich ausgelöst; zahlreiche Prominente wie die Schauspielerin Catherine Deneuve wandten sich gegen eine Bestrafung der Freier. Besonders spektakulär war eine öffentliche Erklärung von 343 Unterzeichnern, darunter der Schriftsteller Frédéric Beigbeder, die zugaben, die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen zu haben oder dazu bereit zu sein.

In Frankreich gibt es rund 40.000 Prostituierte. Davon kommen 80 bis 90 Prozent aus dem Ausland, vor allem aus Osteuropa, Afrika, China oder Lateinamerika. Viele Frauen sind Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Prostitution ist in Frankreich zwar legal, doch Bordelle, Zuhälterei und Anschaffen in der Öffentlichkeit sind verboten.