Der britische Geheimdienst GCHQ überwacht gezielt die Reservierungssysteme von weltweit mindestens 350 Hotels, die häufig von Diplomaten und Regierungsdelegationen gebucht werden. Der Spiegel berichtet unter Berufung auf Unterlagen des US-Whistleblowers Edward Snowden, durch das als streng geheim eingestufte Programm Royal Concierge erhielten die Analysten des GCHQ tagesaktuell Informationen über die Reisepläne von Diplomaten und Delegationen.

Das seit drei Jahren eingesetzte Programm gleicht die Buchungen automatisiert mit E-Mail-Adressen ab und durchsucht sie nach bekannten Regierungsadressen, etwa mit der Endung .gov vor der Länderkennung. Die Vorabinformation über die Hotelaufenthalte ermögliche den "technischen Abteilungen" des britischen Dienstes, die Zimmertelefone zu überwachen sowie später die dort benutzten Computer. Die Ergebnisse von Royal Concierge könnten auch Voraussetzungen für den Einsatz von Spionen sein, heißt es.

Konkrete Fallzahlen werden demnach in den Unterlagen nicht genannt. Allerdings arbeite der Geheimdienst bereits an einer Weiterentwicklung des Systems. Die für Effekte und Täuschung zuständigen Abteilungen überlegten, ob man die Hotelwahl beeinflussen oder die Reservierungen stornieren könne, heißt es in dem Bericht. Außerdem könne das Programm auf Autovermieter ausgeweitet werden.

Der Bericht reiht sich ein in die Vielzahl der Informationen über mutmaßliche Überwachungs- und Abhöraktionen der Geheimdienste von Partnerstaaten, etwa der US-amerikanischen NSA, die bisherigen Informationen nach ein Handy von der Bundeskanzlerin Angela Merkel überwachte.

Das GCHQ wollte den Vorgang auf Anfrage des Spiegel "weder bestätigen noch dementieren". Vor zwei Wochen hatte der Independent berichtet, das GCHQ betreibe einen Abhörposten auf der britischen Botschaft in Berlin. Im Parlament in London beteuerten die Chefs der drei Geheimdienste Großbritanniens, das einzige Ziel der Dienste sei die Bekämpfung des Terrorismus.